Gesichtserkennung: Blinde Flecken auf der Google-Brille

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NRW-Ministerpräsidentin Kraft mit Google-Brille: Konzern will Kontrolle

Entwickler sollen sich zurückhalten: Google will zumindest vorerst für seine Datenbrille keine Apps erlauben, die automatisch Gesichter und Stimmen von Passanten erkennen. Erst sollen Datenschutz-Mechanismen entwickelt werden.

Google wird auf seiner Datenbrille Glass zumindest vorerst keine Apps mit Gesichtserkennung zulassen. Der Internet-Konzern nahm ein ausdrückliches Verbot in die Regeln für Software-Entwickler auf. Google werde keine Gesichtserkennung zu seinen Produkten hinzufügen, bevor der Schutz der Privatsphäre gesichert sei, teilte Google mit.

Der Konzern hat im April eine erste Version des tragbaren Computers an ausgewählte Entwickler und Prominente ausgeliefert. Im Brillenbügel integriert ist eine Kamera, mit der Fotos und Videos aufgenommen werden können. Umstehende merken davon nichts. Die Datenschutz-Auswirkungen von Google Glass sind bereits Thema für einen Ausschuss im US-Kongress, der dem Unternehmen Fragen übermittelt hat.

Erst vor wenigen Tagen hatte das Start-up Lambda Labs eine Funktion zur Erkennung von Personen und Gegenständen für Google Glass angekündigt. So sollen Befehle wie "merke dir dieses Gesicht" oder "finde Freunde in der Menge" möglichen werden, sagte Mitgründer Stephen Balaban zu "TechCrunch".

Eine solche App würde nach den neuen Regeln nicht zugelassen. "Benutzen Sie die Kamera oder das Mikrofon nicht, um Informationen, die jemand anderen als den Nutzer identifizieren, abzugleichen und sofort anzuzeigen", heißt es dort nun. Das gelte auch für "Gesichtserkennung und Stimmmuster". Google verbietet außerdem, dass Apps Fotos oder Videos mit ausgeschaltetem Bildschirm aufnehmen - damit wäre zumindest erkennbar, dass die Brille gerade an ist.

Für das soziale Netzwerk Google+ hat der Konzern bereits vor zwei Jahren eine Gesichtserkennung eingeführt. In die Google-Suche soll diese Automatik aber nicht integriert werden, sagte Google-Manager Eric Schmidt dem "Guardian". Schmidt verwies auf Facebook, wo eine automatische Gesichtserkennung erst eingeführt und nach heftigen Protesten wieder eingeschränkt wurde.

Was für Apps auf der Google-Brille laufen, will Google selbst kontrollieren. Softwareentwicklern gelang es allerdings auch schon, die Brille zu hacken. Auf einer Google-Konferenz Mitte Mai präsentierten sogar zwei Mitarbeiter, wie man Glass aus der Kontrolle des Unternehmens befreit (Video auf Englisch).

ore/dpa

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1. Der nächste Schritt
spiegelleser987 01.06.2013
Zitat von sysopDPAEntwickler sollen sich zurückhalten: Google will zumindest vorerst für seine Datenbrille keine Apps erlauben, die automatisch Gesichter und Stimmen von Passanten erkennen. Erst sollen Datenschutz-Mechanismen entwickelt werden. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/gesichtserkennung-google-glass-bekommt-blinde-flecken-a-903269.html
Zitat:"Erst vor wenigen Tagen hatte das Start-up Lambda Labs eine Funktion zur Erkennung von Personen und Gegenständen für Google Glass angekündigt. So sollen Befehle wie "merke dir dieses Gesicht" oder "finde Freunde in der Menge" möglichen werden, sagte Mitgründer Stephen Balaban zu "TechCrunch"." Der nächste Schritt ist dann - erkenne einen Millionär und zähle das Geld, was er in der Tasche hat und übertrage die Daten zum Finanzamt - erkenne einen Hartz-4-Empfänger und übertrage die Daten zur Arbeitsagentur und kurz vor der Wahl - erkenne einen Wähler und prüfe, für welche Partei er sich entschieden hat Bis 1984 ist es nicht mehr weit.....
2. Zur Wehr setzen
titeroy 01.06.2013
Wie kann man sich gegen so etwas zur Wehr setzen? Ich will nicht photographiert werden. Ich bin ein friedliebender Mensch und habe gelernt, dass man Brillentraeger nicht schlaegt. Aber jemand, der eine Google Glass Brille traegt ist ja nicht behindert und in seinem Leben nicht auf die Brille angewiesen. ICH kann nicht erkennen ob ich damit gefilmt oder photographiert oder mit anderen Dingen abgeglichen werde. Ich dnke ich werde den Traeger einer solchen Brille hoeflichst bitten, alles zu loeschen. Wenn das viele machen hat der nicht viel Spass an dem Geraet. Wenn der Brillentraeger der Aufforderung nicht nachkommt koennte man ja auch selbst Hand anlegen. Ich will nicht sagen, dass diese Brille unnuetz ist, oder der Gewalt das Wort reden, aber ich will auch nicht bei Facebook landen oder in der Google Suche auftauchen. Ich habe ein Recht auf Selbstbestimmung und das nehme ich mir.
3. ja klar
shr00m 01.06.2013
weil google da ja auch kontrolle drüber hat, was nutzer sich auf diese brille machen. die können in ihrem appstore vielleicht derartige apps unterbinden aber der ist nur einer von vielen und sofern sie nicht massive einschnitte an ihrem betriebssystem vornehmen, kann man apps auch direkt installieren.
4.
ralf_si 01.06.2013
Zitat von titeroyWie kann man sich gegen so etwas zur Wehr setzen? Ich will nicht photographiert werden. Ich bin ein friedliebender Mensch und habe gelernt, dass man Brillentraeger nicht schlaegt. Aber jemand, der eine Google Glass Brille traegt ist ja nicht behindert und in seinem Leben nicht auf die Brille angewiesen. ICH kann nicht erkennen ob ich damit gefilmt oder photographiert oder mit anderen Dingen abgeglichen werde. Ich dnke ich werde den Traeger einer solchen Brille hoeflichst bitten, alles zu loeschen. Wenn das viele machen hat der nicht viel Spass an dem Geraet. Wenn der Brillentraeger der Aufforderung nicht nachkommt koennte man ja auch selbst Hand anlegen. Ich will nicht sagen, dass diese Brille unnuetz ist, oder der Gewalt das Wort reden, aber ich will auch nicht bei Facebook landen oder in der Google Suche auftauchen. Ich habe ein Recht auf Selbstbestimmung und das nehme ich mir.
Und ich will zudem nicht, dass derartige Daten bei mit Google kooperierenden Unternehmen wie recorded future oder in den Händen US-amerikanischer (Justiz-)Behörden landet. In einigen Augen bin ich paranoid. Ich für mich fahre gut damit und hoffe, dass bei Eingriffen in mein allgemeines Persönlichkeitsrecht durch Google-hörige Lakaien die Schadensersatzsummen US-Niveau erreichen.
5. Schimäre
frank und frei 01.06.2013
"Selbstbestimmung" ist nur eine Schimäre und "1984" ist als Utopie längst von der Realität weit überflügelt worden. Aber wahrscheinlich verdienen wir es als Masse nicht anders. Allein die Tatsache, das sich in diesem Blog zu einer so fundamentalen Entwicklung kaum jemand zu Wort gemeldet hat, belegt das zur Genüge. Und liest man auch noch den Kurztestbericht von Spiegel Reporter Thomas Schulz (Silicon Valley Reporter), der voller Ignoranz und Naivität ist und auch nur ansatzweise ethische bzw. weltanschauliche Reflexionen erkennen läßt, kann man sich an drei Fingern abzählen, wohin die Reise der freien Welt gehen wird, Sich zur Wehr zu setzen ist ein großartiger Gedanke, aber gleichfalls nur Utopie, siehe oben. Ich irre mich aber gerne.
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