Gesperrte Satirekonten: Twitter sperrt Sarkozy-Satire aus

Von

Parodie und Kritik unerwünscht: Twitter hat mehrere Accounts gesperrt, die den Wahlkampf von Nicolas Sarkozy aufs Korn nahmen. Bürgerrechtler sprechen von Zensur, oder #Sarkocensure.

Twitter-Sperren: Sarkozy gegen Sarkozy Fotos
ASSOCIATED PRESS

Nicolas Sarkozy möchte Präsident bleiben. Der französische Staatschef hat am Wochenende in Marseille seinen Wahlkampf gestartet und präsentiert sich als starker Mann des Volkes - auch im Internet, mit moderner Website und offiziellen Profilen bei Facebook, Foursquare und Twitter.

Parallel dazu sperrte Twitter über das Wochenende fünf Konten, auf denen sich über Sarkozy lustig gemacht wurde. Das berichtet die Bürgerrechtsorganisation Internet sans Frontières. Getroffen hat es unter anderem @_NicolasSarkozy. Der Account soll seit September 2010 von der Satireseite Kaboul.fr genutzt worden sein und sei klar als Parodie zu erkennen gewesen.

Am Donnerstag, einen Tag nach dem offiziellen Twitter-Debüt von Nicolas Sarkozy, wurde das Satirekonto vorläufig abgeschaltet. Der angebliche Verstoß: "non-parody impersonation", eine Parodie, die nicht als solche zu erkennen sein soll. So heißt es in der Mitteilung, die Twitter an die Betreiber verschickt haben soll. Der Account sei gemeldet worden, man habe 48 Stunden Zeit, ihn regelkonform anzupassen.

Vier andere gesperrte Accounts jüngeren Datums (@fortefrance, @mafranceforte sowie @SarkozyCaSuffit und der neuerliche Versuch @SarkozyCestFini) sollen Sarkozy offen kritisiert haben. Nachdem sie Twitter gemeldet wurden, sperrte das Unternehmen diese Accounts. Am Montag waren sie nicht erreichbar. Das Vorgehen des Unternehmens kritisierte Internet sans Frontières als politische Zensur. Auf Twitter beschweren sich Nutzer unter dem Schlagwort #Sarkocensure über die Account-Suspendierung.

Wer die Accounts bei Twitter angeschwärzt hat, ist bisher unklar. Anfragen an die Agentur, die den Internetwahlkampf für Sarkozy gestaltet hat, und das Wahlkampfbüro blieben zunächst unbeantwortet. Die Twitter-Regeln legen allerdings nahe, dass die Meldung von offizieller Seite kommt.

Twitter-Sprecherin Rachel Bremer wollte sich auf Anfrage nicht zu einzelnen Accounts äußern. Suspendiert werde, wer gegen die Nutzungsbedingungen verstoße, man dürfe sich nicht als eine andere Person ausgeben. Eine Parodie ist erlaubt, wenn schon der Nutzername klar macht, dass der Nachgeahmte nicht selbst dahinter steckt. Twitter schlägt dafür die Worte "not", "fake" oder "fan" vor. Gleiches gilt für den angezeigten Namen. Auch das Profil muss klar machen, dass es sich um eine Parodie handelt - und schließlich darf nicht im Gespräch mit anderen so getan werden, als handele es sich um eine echte Person.

Was als Satire eigentlich erlaubt ist, kann auf Twitter schnell zur Sperrung des Accounts führen.

Dass Nicolas Sarkozy Wert auf seine Online-Reputation legt, sei kein Geheimnis, berichtet ReadWriteWeb. Vergangenen Sommer seien insgesamt 29 Twitter-Accounts der Klatsch-Internetseite Mixbeat gesperrt worden, offenbar nachdem der Betreiber Gerüchte über die Schwangerschaft von Sarkozys Ehefrau Carla Bruni veröffentlicht hatte.

Der Autor auf Facebook

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. satire
chinataxi 20.02.2012
Zitat von sysopASSOCIATED PRESSParodie und Kritik unerwünscht: Twitter hat mehrere Accounts gesperrt, die den Wahlkampf von Nicolas Sarkozy aufs Korn nahmen. Bürgerrechtler sprechen von Zensur, oder #Sarkocensure. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,816371,00.html
die frag eist wie weit wir ncoh von china entfernt sind. und tjy pech gehabt wenn man zentralen systemen wie twitter facebook und google seine daten anvertraut in der hoffnung frei kommunizeiren zu dürfen. der staat liest mit, einfacher als bei einer voratsdatenspeicherung, weil in den köpfen der menschen twitter udn co nicht böse sind. aber eines würde ich mal überlegen: eine regierung und eine vds kann man abwählen, twitter facebook und co allerdings nciht.
2. Wen wunderts...
ceilks 20.02.2012
Zitat von sysopASSOCIATED PRESSParodie und Kritik unerwünscht: Twitter hat mehrere Accounts gesperrt, die den Wahlkampf von Nicolas Sarkozy aufs Korn nahmen. Bürgerrechtler sprechen von Zensur, oder #Sarkocensure. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,816371,00.html
...dass große Konzerne die falschen sind, dass Prinzip der freien Meinungsäusserung hochzuhalten. Sie sind ihren Aktionären verpflichtet und nicht den Artikeln von Menschenrechtskonventionen. Am Ende veröffentlichen sie (wie andere Medienkonzerne auch) dass was ihnen in den Kram passt.
3.
BruSie 20.02.2012
Zitat von ceilks...dass große Konzerne die falschen sind, dass Prinzip der freien Meinungsäusserung hochzuhalten. Sie sind ihren Aktionären verpflichtet und nicht den Artikeln von Menschenrechtskonventionen. Am Ende veröffentlichen sie (wie andere Medienkonzerne auch) dass was ihnen in den Kram passt.
Ich kann nicht beurteilen, was dort gepostet wurde. Aber was für den einen freie Meinungsäußerung ist, sehen andere Menschen - oft nicht nur die Betroffenen - als Beleidigungen an. Und wenn ich sehe, dass hier schon Jugendliche durch 'freie Meinungsäußerung' in den Suizid getrieben wurden, wünsche ich mir mehr Mut zur Beschneidung der Meinungsfreiheit durch Moderatoren.
4. Na klasse
thorsten.kettwig 20.02.2012
Zitat von BruSieIch kann nicht beurteilen, was dort gepostet wurde. Aber was für den einen freie Meinungsäußerung ist, sehen andere Menschen - oft nicht nur die Betroffenen - als Beleidigungen an. Und wenn ich sehe, dass hier schon Jugendliche durch 'freie Meinungsäußerung' in den Suizid getrieben wurden, wünsche ich mir mehr Mut zur Beschneidung der Meinungsfreiheit durch Moderatoren.
Zwischen Mobbing und freier Meinungsäußerung besteht aber ein sehr großer Unterschied. Unsere Vorfahren in der Zeit der Renaissance und der Aufklärung haben unter Einsatz ihres Lebens unser Recht auf selbständiges Denken und freie Meinungsäußerung erkämpft. In vielen Teilen der Welt kann freie Meinungsäußerung selbst heute noch tödlich enden. Und heute wollen einige Menschen dieses Recht freiwillig wieder herschenken -.-
5. Glauben Sie ernsthaft
uinen_osse 21.02.2012
Zitat von BruSieIch kann nicht beurteilen, was dort gepostet wurde. Aber was für den einen freie Meinungsäußerung ist, sehen andere Menschen - oft nicht nur die Betroffenen - als Beleidigungen an. Und wenn ich sehe, dass hier schon Jugendliche durch 'freie Meinungsäußerung' in den Suizid getrieben wurden, wünsche ich mir mehr Mut zur Beschneidung der Meinungsfreiheit durch Moderatoren.
dass man das vergleichen kann? Wie muss ich mir "mehr Mut zur Beschneidung der Meinungsfreiheit durch Moderatoren" vorstellen? Alle mit einem Maulkorb? War es in der DDR so schön dass Sie diese früheren Verhältnisse wieder hochleben lasssen?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema Twitter
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 8 Kommentare
Twitter
Prinzip
zu Deutsch zwitschern oder schnattern, ermöglicht es, kurze Textnachrichten als Mikroblog per SMS, Instant Messaging oder Web-Oberfläche zu veröffentlichen. Andere Nutzer können diese Meldung beispielsweise mit ihrem Mobiltelefon oder RSS-Reader verfogen. Der Dienst heißt Twitter, die SMS-ähnlichen Nachrichten Tweets. mehr zu Twitter auf der Themenseite
Geschäft
Twitter hat bislang kein Erlösmodell. Im Gespräch sind Werbung oder kostenpflichtige Twitter-Accounts für Unternehmen. Ende 2008 lehnte CEO Evan Williams ein Übernahmeangebot über 500 Millionen Dollar von Facebook ab. Akute Geldsorgen hat die Firma dennoch nicht - 55 Millionen US-Dollar Risikokapital hat das Unternehmen seit Gründung erhalten, zuletzt brachte eine Finanzierungsrunde noch einmal 35 Millionen US-Dollar.
Dienste von SPIEGEL ONLINE


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.