Gewährleistung: EU-Kommission erhöht den Druck auf Apple

Von

EU-Kommissarin Viviane Reding ist sauer auf Apple. Weil der Konzern ihrer Ansicht nach irreführend über Gewährleistungsansprüche informiert, will Reding die Mitgliedstaaten auf Sanktionen einschwören. Die deutschen Verbraucherzentralen haben bereits geklagt.

Apple-Kunde: Ein, zwei oder drei Jahre Gewährleistung? Zur Großansicht
REUTERS

Apple-Kunde: Ein, zwei oder drei Jahre Gewährleistung?

Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Wer in der Europäischen Union ein Handy oder einen Computer kauft, hat zwei Jahre lang einen Anspruch auf Gewährleistung. So sieht es eine im Jahr 2005 verabschiedete EU-Richtlinie vor. Der US-Konzern Apple verwirrt seine Kunden dagegen auf der eigenen Website mit irreführenden Angaben.

Das Unternehmen spricht dort von einer "einjährigen Apple Herstellergarantie" und bietet gegen zusätzliche Kosten eine Verlängerung auf zwei oder drei Jahre an. Verklausuliert heißt es zudem noch, die Kunden hätten "zusätzliche Rechte im Rahmen der gesetzlichen Gewährleistung in der Europäischen Union". Bei vielen Kunden dürfte der Eindruck zurück bleiben, dass sie nach einem Jahr keine Ansprüche mehr haben.

Die EU-Kommissarin Viviane Reding will die Taktik des US-Konzerns jetzt nicht mehr länger hinnehmen. "Es geht nicht, dass Apple bestehendes EU-Recht zum Nachteil des Verbrauchers auslegt", erklärte sie am Donnerstag in Berlin. Der Konzern ziehe Geld aus der Tasche der Verbraucher für Ansprüche, die eigentlich kostenlos seien. Am kommenden Montag will Reding die EU-Verbraucherschutzminister bei einem Treffen in Brüssel auf Maßnahmen gegen Apple einschwören.

Eine Übersicht der Kommission zu allen 27 Mitgliedstaaten zeigt, wie Apple seine Kunden europaweit hinters Licht führt. In mindestens 21 Ländern informiert der Konzern nach Ansicht der Kommission seine Kunden nicht richtig über die gesetzliche Gewährleistungspflicht.

  • In Deutschland sei die Website zwar verbessert worden, biete aber immer noch nur "unzureichende Informationen", erklärt die Kommission. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat deswegen im Dezember Klage gegen Apple vor dem Landgericht Berlin eingereicht (Aktenzeichen 15O601/12). Der Schriftsatz müsste dem Konzern in diesen Tagen zugestellt werden, sagt Helke Heidemann-Peuser, Leiterin des Referats Kollektiver Rechtsschutz beim VZBV. Der US-Konzern verweist dagegen darauf, dass er auf seiner Website über alle EU-Verbraucherrechte informiere.
  • Auch in Belgien hat eine Verbrauchschutzorganisation im Januar wegen Apples irreführender Garantiebedingungen geklagt. In Dänemark und Portugal laufen nach Angaben der Kommission Untersuchungen der zuständigen Behörden, bislang allerdings ohne Ergebnis. In Bugarien hätten die Behörden Strafen gegen Apple-Händler ausgesprochen.
  • In Italien musste Apple nach Kommissionsangaben schon eine Strafe in Höhe von 1,1 Millionen Euro wegen unzureichender Informationen zahlen. Die Wettbewerbsbehörde AGCM bemängelte im Dezember 2011, dass der iPhone- und iPad-Hersteller seine Kunden nur mangelhaft über die Garantielaufzeit und Einzelheiten seines Service-Angebots AppleCare Protection Plan informiert habe.

Die EU-Kommission selbst kann keine Sanktionen gegen Apple verhängen, sondern ist auf den Willen der Mitgliedsländer angewiesen. In den kommenden Monaten will Kommissarin Reding deswegen die Kooperation zwischen den Regierungen verstärken. Ihre Möglichkeiten sind allerdings begrenzt. So will Reding das Europäische Verbraucherschutznetz fördern, den Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der Richtlinie "Orientierungshilfen" bieten und "Workshops" durchführen. Ob Apple sich davon abschrecken lässt, wird sich zeigen.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
M. Michaelis 15.03.2013
Ich verstehe das Problem nicht. Die Herstellerganatie hat mit der gesetzlichen Gewährleistung nichts zu tun. Ausserdem setzt bereits nach einem halben Jahr bei der gestzlichen Regelung eine Beweislastumkehr ein. Damit ist die Gerantie die man üblicherweise erwartet lt. Gesetz nach einem halben Jahr vorbei, dann greift die Herstellergarantie.
2. Was fehlt denn?
blubb321 15.03.2013
Auf mich als Laie macht die verlinkte Informationsseite bei Apple einen guten und vollständigen Eindruck. Was fehlt denn? Warum sind die Informationen dort unzureichend? Diese Information vermisse ich bei der Berichterstattung.
3.
HuFu 15.03.2013
Zitat von sysopREUTERSEU-Kommissarin Viviane Reding ist sauer auf Apple. Weil der Konzern ihrer Ansicht nach irreführend über Gewährleistungsansprüche informiert, will Reding die Mitgliedstaaten auf Sanktionen einschwören. Die deutschen Verbraucherzentralen haben bereits geklagt. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/gewaehrleistung-eu-kommission-erhoeht-den-druck-auf-apple-a-888993.html
Das Theater um Widerruf, Gewährleistung (Mängelhaftung) und Garantie lese ich in allen Foren der Welt (wo dieses zutrifft). Ca. 80% der User schnallen nicht, daß sie ihren Mangel an den Händler (Verkäufer) geltend machen zu haben und nicht an den Hersteller. Daher verwundern mich die Auswüchse diverser Händler / Hersteller nicht. Bestimmte Händler nutzen das gnadenlos aus, wie auch diverse (große) Onlinehändler. Dort werden selbst die Agents (die hier als Verkäufer! im Namen des Händlers agieren) nicht aufgeklärt. Man muss denen gar noch aus dem BGB vorlesen. Das interessiert die aber nicht wirklich "ICH habe meine Anweisungen!". TOLLES Recht! Beim Apfel muss man doch IMHO alles kaufen. Ist doch auch nix Neues. Und der brave Käufer kauft dieses teuer ein. Ja, da kann man nur lachen über soviel "Aufgeklärtheit". Aber mal ehrlich. Der treudoofe Apfelkäufer will es doch nicht anders. Er lässt sich doch alles diktieren, anstatt mal selber mit- und nachzudenken!
4. Mangelnde Aufklärung
wird_licht 15.03.2013
Das Problem ist wohl wirklich mehr die mangelnde Aufklärung des Volkes über Gewährleistung und Garantie. Vielleicht sollte hier das Verbraucherschutzministerium mal etwas mehr Infos streuen damit es langsam jeder schnallt. Davon abgesehen finde ich es schon korrekt, daß man sich nach einem halben Jahr eher an den Hersteller oder dessen Service wenden sollte wenn ein Problem auftaucht. Ein Händler/Verkäufer ist nämlich genau so wie ein Käufer nicht immer in der Lage den Mangel zu beurteilen - vor allem nicht ob der Mangel schon bei Auslieferung bestanden hat oder nicht. Aus meiner Sicht sollten also die Verkäufer nach der Zeit RAUS sein und direkt an den Hersteller verweisen, da der Verkäufer den mangelhaften Artikel eh nur zur Prüfung weiterschicken würde und so nicht nur unnötige Kosten sondern auch unnötige Umweltbelastungen durch doppelten Versand entstehen.
5. optional
cube4you 15.03.2013
Die Gewährleistunsgrechte nach BGB bzw. europäischen Richtlinien bringen dem Endkunden meist nix als Verwirrung, stehen zwar oben 24 Monate Gewährleistung drüber, faktisch ist aber nach 6 Monaten für den Verbraucher Feierabend, weil ab dann die Beweislastumkehr gilt - der Kunde muss nachweisen, das ein Mangel schon zum Zeitpunkt der Warenübergabe bestand. Da sind die sogenannten Hersteller-Garantien einfacher zu verstehen. Gerät funktioniert innerhalb der Garantiezeit nicht mehr, also ab zurück und Reparatur oder Ersatz, es ist für Garantieleistungen unerheblich, ob der Mangel schon beim Kauf bestand oder nicht. Daher ist die Aufregung um Apple in diesem Falle irgendwie planlos. (A) Apple bietet als Hersteller kostenfreie Garantieleistungen sowie zusätzliche entgeldpflichtige Garantieleistungen und informiert darüber die Interessenten. Machen andere Hardwarehersteller oder z.B. auch Autohersteller ebenso. (B) Daneben ist Apple (als Händler) zu den gesetzlichen Gewährleistungsrechten verpflichtet und unterrichtet darüber den Kunden (auch). (A) ist Bestandteil der Produkte der Firma Apple, damit wollen Sie Geld verdienen (B) ist Bestandteil unseres bürgerlichen Rechts im Handel mit Waren Warum sollte Apple nun Punkt (B) mit dem Punkt (A) "vermischen"? Dadurch wird vieles nur noch unklarer, kein Unternehmen wird als Händler mit der "Gewährleistung" Werbung machen, im Gegenteil, oft wird im Gewährleistungsfall auf die Herstellergarantie verwiesen...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema Apple
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 29 Kommentare
Fotostrecke
iPad2: Apples schlankes Rechentableau


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.