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Gleichbehandlung von Daten: Telekom-Unternehmen wollen Netzneutralität kippen

Schluss mit der Gleichbehandlung von Daten im Internet: Künftig soll zahlen, wer viel Netzverkehr verursacht. Das fordern Kabelanbieter und Netzbetreiber jetzt unisono. Sie greifen damit einen Vorschlag auf, den Google und der US-Mobilfunkanbieter Verizon formuliert haben.

Lan-Kabel an einem Server: Sind manche Daten gleicher als andere? Zur Großansicht
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Lan-Kabel an einem Server: Sind manche Daten gleicher als andere?

Deutsche Telekom-Unternehmen und Kabelanbieter stellen die gleichberechtigte Übertragung aller Daten im Internet - die sogenannte Netzneutralität - in Frage. "Wir benötigen eine Kostenbeteiligung von Anbietern, die starken Datenverkehr verursachen", sagte der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Kabelnetzbetreiber (Anga), Peter Charissé, der " Frankfurter Rundschau" vom Donnerstag. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (Breko), Stephan Albers, sagte der Zeitung: "Eine Kostenbeteiligung stellt sicher, dass Investitionen sich für die Netzbetreiber lohnen."

Mit ihren Forderungen greifen die Branchenverbände einen Vorschlag auf, den der Internetkonzern Google und das US-Mobilfunkunternehmen Verizon am Montag veröffentlicht hatten. Darin regen die beiden Firmen an, die Übertragung bestimmter Internetangebote, als Beispiel werden 3-D-Übertragungen aus der New Yorker Oper genannt, sollten von der Netzneutralität ausgenommen werden. Dasselbe gelte generell für Datenübertragungen über die Mobilfunknetze. Dieses Marktsegment sei heftiger umkämpft und einem schnelleren Wandel unterworfen als die kabelgebundenen Netze, weshalb es den Telekommunikationsanbietern überlassen werden sollte, welchen Daten sie bevorzugt übertragen.

Mit diesen Vorschlägen haben sich die US-Unternehmen erstmals offen dafür ausgesprochen das Prinzip der Netzneutralität aufzugeben. Bisher stellt dieser Grundsatz sicher, dass Netzanbieter und Infrastrukturbetreiber alle Datenpakete zwischen allen Internetteilnehmern gleichberechtigt übermitteln. Im Internet wird kein Anbieter bevorzugt oder erhält höhere Bandbreiten. Wird es in den Datennetzen eng, sinkt die Übertragungsgeschwindigkeit für alle. Würde dieses Prinzip aufgegeben, könnte sich ein Anbieter von Videodiensten quasi eine Überholspur auf der Datenautobahn mieten, um seinen Kunden schnell und zuverlässig bedienen zu können.

Kleinere Anbieter könnten dabei auf der Strecke bleiben, weil sie sich die geforderten Gebühren möglicherweise nicht leisten können, befürchten Kritiker. In Deutschland sammelt deshalb beispielsweise die Initiative Pro Netzneutralität Unterstützer für ihre Initiative zum Erhalt der Gleichbehandlung von Datenströmen.

Charissé und Albers wollen Befürchtungen um eventuelle Nachteile für kleine Anbieter aus dem Weg räumen, indem sie ein Modell mit abgestuften Gebühren vorschlagen: Internetunternehmen, die starken Datenverkehr verursachen, sollen demnach entsprechend zur Kasse gebeten werden. "Die Kostenbeteiligung muss mit der Höhe der Datenmenge wachsen", sagt Charissé. Allerdings plädiert er auch für eine "Bagatellgrenze": Liege die Datenmenge unter einem festgelegten Limit, solle keine Kostenbeteiligung verlangt werden. "Damit stellen wir sicher, dass Start-up-Firmen nicht mit zusätzlichen Kosten belastet werden."

mak/AFP

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Netzneutralität - Gleiches Recht für alle Daten
Wofür steht Netzneutralität?

Ob YouTube-Video oder Nachrichten von SPIEGEL ONLINE, ob World of Warcraft oder BitTorrent: Neutrale Netze leiten alle Inhalte durch, ohne nach der Herkunft der Datenpakete zu fragen. Die Netzbetreiber, darunter vor allem die großen Telekommunikationsunternehmen, kontrollieren nicht, welche Inhalte unterwegs sind. Ebenso wenig bremsen sie bestimmte Daten aus - etwa Filme aus Tauschbörsen, die oft mehrere Gigabyte groß sind.

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Was spricht für Netzneutralität?

Befürworter sehen in neutralen Netzen eine Voraussetzung für den Wettbewerb - und der dient dem Verbraucher. Das wird an einem Negativ-Szenario deutlich: Was wäre etwa, wenn ein Provider mit einem Online-Kaufhaus kooperiert und dessen Konkurrenten ausbremst? Oder wenn nur eine Suchmaschine zugelassen wäre? Außerdem gilt das Prinzip als Garant für Innovationen. Weil die Kosten für ein digitales Kaufhaus, Blog oder Web-2.0-Portal vergleichsweise niedrig sind, versuchen Jahr für Jahr Tausende Unternehmer ihr Glück. Viele scheitern, einige schaffen es. Auch heutige Größen wie Google, Amazon und Facebook fingen klein an.

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Warum gibt es Bedenken?

Der Verkehr auf der Datenautobahn wächst durch Videos, Internet-TV und das Telefonieren im Netz (VoIP) rasant - so sehr, dass es ohne Regulierung bald einen Mega-Stau geben könnte. Schon heute betreiben Telekom, Vodafone und andere daher ein Netzwerkmanagement, um die verfügbare Bandbreite sinnvoll zu nutzen.

dpa
Wer ist gegen Netzneutralität?

Vor allem die Netzbetreiber fordern eine Abkehr vom Prinzip in seiner Reinform. Ihr Argument: Wer die Leitungen besonders stark in Anspruch nimmt, soll auch mehr zahlen. Bei der Deutschen Telekom und dem spanischen Pendant Telefónica ist etwa zu hören, dass sie beispielsweise den Internet-Giganten Google gerne zur Kasse bitten würden. Darüber hinaus böten sich ihnen neue Geschäftsmodelle, etwa durch differenzierte Tarife: Nutzer, die große Datenmengen saugen, zahlen mehr als Gelegenheitssurfer.

dpa
Gibt es schon nicht-neutrale Netze?

Aber sicher: Das Paradebeispiel sind die Mobilfunknetze. So blockieren etliche Anbieter den Dienst Skype oder verlangen dafür einen Zuschlag - die Software für Internet-Telefonie schadet dem eigenen Geschäftsmodell.

dpa


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