Journalist Glenn Greenwald Snowden besitzt "Bauplan der NSA"

Der Journalist Glenn Greenwald steht offenbar weiterhin im Kontakt zu Edward Snowden. Der NSA-Whistleblower besitze noch Tausende Dokumente, erklärte Greenwald nun, darunter solche, die einem "Bauplan" des Geheimdienstes NSA gleichkämen. Greenwald will weiter veröffentlichen.

Glenn Greenwald (r.): "Anleitung dafür, wie die NSA aufgebaut ist"
AP

Glenn Greenwald (r.): "Anleitung dafür, wie die NSA aufgebaut ist"


Rio de Janeiro - Dem Journalisten Glenn Greenwald zufolge besitzt Edward Snowden noch zahlreiche weitere hochbrisante Dokumente über die Struktur und Arbeitsweise der National Security Agency (NSA). Snowden habe "buchstäblich Tausende Dokumente", die eine Art "Anleitung dafür, wie die NSA aufgebaut ist" darstellen würden. Wer sie studiere, so Greenwald, wisse genau, "wie die NSA das tut, was sie tut". Sie könnte jemanden in die Lage versetzen, "der Überwachung zu entgehen oder sie nachzuahmen". Die Dokumente seien wie ein "Bauplan" des Geheimdiensts.

Snowden selbst habe diese Dokumente aber nicht zur Veröffentlichung vorgesehen, er habe sogar darauf bestanden, dass sie geheim bleiben müssten, so Greenwald im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Associated Press. Der ehemalige Mitarbeiter des NSA-Vertragspartners Booz Allen Hamilton habe diese Dokumente nur mitgenommen, um zu beweisen, dass er die Wahrheit sage.

Greenwald sagte, er selbst sei nicht der Meinung, dass die Veröffentlichung dieser Information Amerikanern oder der nationalen Sicherheit der USA schaden würde. Snowden aber habe darauf bestanden, dass sie nicht veröffentlicht werden dürften.

"Er hat sich damit abgefunden, dass etwas schiefgehen könnte"

Greenwald steht offenbar weiterhin in regelmäßigem Kontakt zu Snowden. AP sagte er, er habe vier Stunden vor dem Gespräch mit der Nachrichtenagentur zum letzten mal mit Snowden Kontakt gehabt. Der Whistleblower sei "ruhig und gelassen", trotz seiner prekären Situation. Die USA fordern Snowdens Auslieferung und wollen ihn wegen diverser Anklagen vor Gericht stellen.

Snowden fühle kein Bedauern und keine Reue angesichts seiner Enthüllungen, sei aber "auf seine Sicherheit und sein kurzfristiges Wohlbefinden konzentriert", so Greenwald. Snowden habe "sich damit abgefunden, dass etwas entsetzlich schiefgehen könnte", er sei damit "im Reinen".

Greenwald selbst hat offenbar Zugang zu wenigstens einem Teil der von Snowden kopierten Dokumente. Er kündigte weitere Enthüllungsgeschichten an, die im Verlauf der kommenden vier Monate erscheinen würden. Sie beträfen unter anderem "andere Spionageprogramme im Inland, die noch enthüllt werden müssen", deren Ausmaß aber dem der Programme ähnele, über die er bereits berichtet habe.

Lebensversicherung für den Whistleblower

Über Snowdens Sicherheitsmaßnahmen hinsichtlich der von ihm entwendeten Dokumente sei in den Medien bislang in allzu vereinfachter Form berichtet worden, so Greenwald. Es sei nicht so, dass im Falle von Snowdens Tod alle Dokumente veröffentlicht würden, "es ist stärker nuanciert".

Der argentinischen Zeitung "La Nación" hatte Greenwald am Wochenende gesagt, Snowden habe Tausende Dokumente auf verschiedene Orte verteilt und so "sichergestellt, dass mehrere Personen weltweit sein Archiv komplett haben". Das sei eine Lebensversicherung für den Whistleblower. Sollte ihm etwas zustoßen, würden diese Dokumente veröffentlicht. Für die Vereinigten Staaten wäre dies "ihr schlimmster Albtraum", so Greenwald.

Greenwald selbst, der seit Jahren in Brasilien lebt, habe seine eigenen Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, erklärte er. Schon vor einigen Wochen war aus seiner Wohnung in Rio de Janeiro ein Laptop verschwunden.

Edward Snowden selbst hält sich derzeit weiterhin in Russland auf. Am Freitag hatte er vor Menschenrechtsaktivisten erklärt, er sei bereit, das Asylangebot Russlands anzunehmen, einschließlich der von Wladimir Putin formulierten Bedingung, keine weiteren Dokumente mehr zu veröffentlichen, die den USA schaden könnten. Wo er sich derzeit genau aufhält, ist unklar.

Lesen Sie hier eine Chronologie der gesamten NSA-Affäre

Schutz gegen Internet-Spione: So verschlüsseln Sie Ihre E-Mails

Alles, was man über Prism, Tempora und Co. wissen muss

cis/AP

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 47 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
janne2109 15.07.2013
1. ??
na prima-- nuanciert. Ich denke mal die USA werden Greenwald schon längst auf dem Radar haben. Wenn nicht gar Brasilien selbst. Alles was jetzt kommt klingt nach Wichtigtuerei. Und S. wird ebenfalls nur noch Beschuldigungen los lassen und keine Fakten, denn sonst bekommt er eins auf den Deckel von den Russen. Und wenn er weiter so macht wie in den letzten Tagen wird Russland ihn ganz schnell vor die Tür setzen, auch wenn es für uns so aussehen soll als ob er freiwillig Russland verläßt. Vom Informanten ist er dank eigener Verhaltensweise zur heißen Kartoffel geworden, also Spon bitte nur noch Fakten und nicht Laberei
christarust 15.07.2013
2. kommt doch noch Weiteres heraus?
während Snowdon festsitzt, plaudern seine engen Vertrauten munter aus. Ist das Absicht oder sogar Vertrauensmissbrauch?
bär-lusconi 15.07.2013
3. Eine Lebensversicherung für den Whistleblower
Gibt es irgendwo eine Anleitung, wie so eine Lebensversicherung installiert wird? In der Praxis dürfte das doch äußerst schwierig sein, schließlich könnte man in Verhören unter Folter seine Kontaktleute verraten oder die erzählen davon oder tauchen in den Metadaten auf. Und was ist, wenn der Whistleblower erkrankt und man nicht sicher ist, ob er vergiftet wurde?
JDR 15.07.2013
4. ...
Zitat von janne2109na prima-- nuanciert. Ich denke mal die USA werden Greenwald schon längst auf dem Radar haben. Wenn nicht gar Brasilien selbst. Alles was jetzt kommt klingt nach Wichtigtuerei. Und S. wird ebenfalls nur noch Beschuldigungen los lassen und keine Fakten, denn sonst bekommt er eins auf den Deckel von den Russen. Und wenn er weiter so macht wie in den letzten Tagen wird Russland ihn ganz schnell vor die Tür setzen, auch wenn es für uns so aussehen soll als ob er freiwillig Russland verläßt. Vom Informanten ist er dank eigener Verhaltensweise zur heißen Kartoffel geworden, also Spon bitte nur noch Fakten und nicht Laberei
Nun ja, man sollte meinen, dass Spiegel Online eine gewisse Sympathie für Edward Snowden aufbringt. Wen dem so wäre, sollte man sich fragen, ob es nicht sinnvoll wäre, diese Nuancierung herauszuarbeiten. So lange z.B. die IRI mit ihrem massiv expandierenden Netzwerk in Lateinamerika glaubt, dass alles, was sie tun muss, um die Spionage der Vereinigten Staaten von Amerika in ihrem Land auszudecken - oder auch nur diesen entsprechend zu schaden - ist, einen Ex-Spion in die Luft zu jagen, so lange wäre der sicherste Platz für den jungen Mann ein Gefängnis in den USA. Medien, welche Snowden unterstützen wollen, sollten Greenwald lieber ein bisschen dabei helfen, herauszuarbeiten, dass Snowdens Tod bestimmten Nationen nichts nützen wird. Nach derzeitiger Nachrichtenlage steht er auf den Todeslisten der Revolutionsgarden und nordkoreanischer Agenten wohl wesentlich weiter oben, als auf denen der Dienste der Vereinigten Staaten von Amerika oder befreundeter Nationen.
si tacuisses 15.07.2013
5. Sie meinten "Fakten " wie das "entwendete Dokumente " ?
Zitat von janne2109na prima-- nuanciert. Ich denke mal die USA werden Greenwald schon längst auf dem Radar haben. Wenn nicht gar Brasilien selbst. Alles was jetzt kommt klingt nach Wichtigtuerei. Und S. wird ebenfalls nur noch Beschuldigungen los lassen und keine Fakten, denn sonst bekommt er eins auf den Deckel von den Russen. Und wenn er weiter so macht wie in den letzten Tagen wird Russland ihn ganz schnell vor die Tür setzen, auch wenn es für uns so aussehen soll als ob er freiwillig Russland verläßt. Vom Informanten ist er dank eigener Verhaltensweise zur heißen Kartoffel geworden, also Spon bitte nur noch Fakten und nicht Laberei
Aber klar doch. The pain in the ass unseres ehrenhaften Freundes USA ist natürlich kriminell. Nicht die deutsche Nomaklatura, die massenhafte Gesetzesverstöße auf deutschem Boden garnicht erwähnt, ist kriminell ? Nein, der Überbringer der bad news die Herrn Obama und seinen Schergen die Hosen runterläßt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.