Google-Befragung vor dem US-Kongress Meintest du: Apple?

Nach Spitzenmanagern von Facebook und Twitter hat sich auch der Google-Chef den Fragen von US-Kongressabgeordneten gestellt. Dabei ging es um Googles Pläne in China, seine Datenerfassung - und eine andere Tech-Firma.

Google-Chef Sundar Pichai bei der Anhörung
AFP

Google-Chef Sundar Pichai bei der Anhörung


Der Start einer eigenen Google-Suchmaschine für den chinesischen Markt ist momentan nicht geplant - zumindest nicht in nächster Zeit. Das stellte Firmenchef Sundar Pichai am Dienstag bei einer Anhörung vor US-Kongressabgeordneten klar. Vor kurzem hatten Medienberichte, laut denen Google an einer im Einklang mit den Vorgaben der chinesischen Behörden zensierten Internetsuche arbeitet, für heftige Kritik an dem Internetkonzern gesorgt. Auch Google-Mitarbeiter sprachen sich gegen das Projekt aus.

Pichai bestritt in der Anhörung nicht, dass Google mit dem Gedanken spielt, einen Suchdienst für China anzubieten. Zeitweise seien mehr als 100 Personen an dem Überlegungen beteiligt gewesen, so Pichai. Den Zugang zu Informationen bezeichnete er zudem als ein Menschenrecht.

Googles Suchmaschine ist in China derzeit genau wie etwa Gmail gesperrt, weil das Unternehmen den Zensurvorgaben des Landes nicht entsprechen wollte. Google hatte sich angesichts dieses Streits 2010 aus dem chinesischen Markt zurückgezogen, von kleineren Vorstößen wie Investments in chinesische Start-ups abgesehen.

Wer "Idiot" sucht, findet Trump

  • Wie bereits andere Tech-Konzerne sollte nun auch Google dem Kongress Auskunft über seine Arbeitsweise geben. Dabei musste sich Sundar Pichai immer wieder gegen Vorwürfe von Republikanern wehren, seine Firma unterdrücke konservative Meinungen. Unter anderem der texanische Abgeordnete Lamar Smith behauptete, konservative Stimmen würden während der Präsidentschaft von Donald Trump von Google stummgeschaltet. "Ich führe das Unternehmen ohne jegliche politische Ausrichtung", versicherte Pichai.

Einer von Smiths Kollegen wollte wissen, wieso bei der Suche nach dem Begriff "Idiot" häufig ein Bild von Trump auftauche - Pichai erklärte daraufhin, wie Googles Suchdienst grundsätzlich funktioniert. Der Abgeordnete Tom Marino warnte Google vor einer Regulierung durch Behörden: "Wenn die Regierung regulierend eingreift, wird das Ihnen nicht gefallen." Einige Demokraten beklagten sich hingegen, dass rechte Nachrichtenseiten zu viel Gewicht bekämen.

Wie viele Daten sammelt Google?

Ein weiteres Thema der dreieinhalbstündigen Anhörung waren die Daten, die Google mit seinen verschiedenen Diensten erfasst. Der Konzern sauge ein Menge an Nutzerinformationen ein, die "die NSA erröten lassen würde", sagte der Ausschussvorsitzende Robert Goodlatte, ein Republikaner. Pichai entgegnete, Daten würden nur mit Zustimmung der Nutzer erhoben. Kurz vor der Anhörung hatte Google eine weitere Datenpanne bei seinem Angebot Google+ eingestanden, die nach Angaben des Unternehmens mehr als 50 Millionen Nutzer betrifft.

Bei weiteren Fragen ging es unter anderem darum, was Google gegen russische Propaganda unter anderem im Zuge des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2016 unternommen habe.

Google ist nicht Apple

Vor Pichai waren bereits unter anderem Mark Zuckerberg und Twitter-Chef Jack Dorsey stundenlang im Kongress befragt wurden. Auch diese Anhörungen brachten wenig konkrete Ergebnisse, während die Vertreter der beiden politischen Parteien sie zum Teil vor allem zur Selbstdarstellung und als Plattform für ihre grundsätzlichen Bedenken gegen Tech-Konzerne nutzten. Mancher Politiker entlarvte sich auch als nicht sonderlich technikaffin.

Der Republikaner Steve King etwa schilderte Pichai, dass seiner Enkeltochter beim Spielen eines Kinderspiels auf einem iPhone ein Foto eingeblendet worden sei, das offenbar King selbst zeigte, "und ich werde nicht zu Protokoll geben, welche Art von Sprache um dieses Bild herum verwendet wurde": "Wie kommt das auf das iPhone einer Siebenjährigen, die ein Kinderspiel spielt?"

Pichai antwortete daraufhin höflich: "Herr Abgeordneter, das iPhone wird von einer anderen Firma gemacht." King sagte dann: "Es könnte auch ein Android gewesen sein."

Auf die Frage von Kings Parteikollegen Ted Poe, ob Google ihn verfolgen könne, wenn er sich mit seinem Apple-Telefon durch den Raum bewege, sagte Pichai: "Nicht standardmäßig. Es könnte allerdings sein, dass es einen Google-Dienst gibt, für dessen Nutzung Sie sich entschieden haben..." Als Poe den Google-Chef unterbrach und eine klare Ja- oder Nein-Antwort verlangte, entgegnete Pichai, dass sich die Frage ohne weitere Details nicht pauschal beantworten lasse.

mbö/dpa/Reuters/AP



insgesamt 9 Beiträge
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dasfred 12.12.2018
1. Toll, Google Nutzer stimmen zu
Natürlich, ohne diese ganzen Zugriffsrechte gibt es gar kein Google Konto. Deswegen habe ich auch keine Privatfotos oder persönliche, intime Daten auf irgendeinem Gerät mit Internetzugang gespeichert. Meine nächste Bankfiliale ist so nahe, dass ich dort persönlich aufkreuzen kann. Google kann mir viel erzählen, aber es muss nicht alles wissen, daher nutze ich viele seiner Produkte bewusst nicht.
Nordstadtbewohner 12.12.2018
2. Großer Respekt
Ich habe großen Respekt vor Unternehmern wie Sundar Pichai, der mit seiner Höflichkeit die Politiker/ Abgeordneten in die Schranken gewiesen hat. Die Expansion nach China ist nichts Schlimmes, auch nicht das Einhalten der dortigen gesetzlichen Vorgaben. Auch in den USA und der EU gibt es Regeln für das Betreiben von Suchmaschinen, selbst wenn das hierzulande gerne geleugnet wird. Wer aber Google regelmäßig nutzt, wird den Hinweis auf ausgeblendete Suchergebnisse kennen.
VormSpiegel 12.12.2018
3. Die Sache mit den Ja und Nein Antworten
Das ist schon so eine Sache, den so gut wie alle Antworten sind in der Art schon so gestellt das eine Ja/Nein Antwort praktisch immer eine Lüge darstellt, egal wie man sie beantwortet, weil es eben viele Beispiele gibt da gilt mal Ja und mal Nein. Bei dem Versuch Ja/Nein Antworten zu bekommen fällt das eigentlich immer auf das diese nur dazu dienen durch reines Nicht-Wissen den Antwortenden einer Lüge zu bezichtigen. Eigentlich eine Frechheit, aber das kommt immer und immer wieder vor in Befragungen bei Tech-Themen in denen sich der Fragende schlichtweg überhaupt nicht auskennt, nicht einmal rudimentär.
Kunstgriffe 12.12.2018
4.
Lustig, die Geschichte mit dem iPhone. Es ist eben so: Wer Smartphone sagt, meint iPhone. Alles andere ist schon jetzt Geschichte. ;)
dannyinabox 12.12.2018
5.
Zitat von NordstadtbewohnerIch habe großen Respekt vor Unternehmern wie Sundar Pichai, der mit seiner Höflichkeit die Politiker/ Abgeordneten in die Schranken gewiesen hat. Die Expansion nach China ist nichts Schlimmes, auch nicht das Einhalten der dortigen gesetzlichen Vorgaben. Auch in den USA und der EU gibt es Regeln für das Betreiben von Suchmaschinen, selbst wenn das hierzulande gerne geleugnet wird. Wer aber Google regelmäßig nutzt, wird den Hinweis auf ausgeblendete Suchergebnisse kennen.
Pichai ist kein Unternehmer. Er hat nichts gegründet sondern wurde bei Google als CEO eingesetzt.
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