Unfairer Wettbewerb EU will schärfer gegen Google vorgehen

Die EU macht einen neuen Versuch, die Macht von Google einzudämmen. Die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager will das juristische Verfahren gegen den Suchmaschinen-Giganten offenbar neu befeuern. Hauptvorwurf: unfairer Wettbewerb.

Google-Logo: Rivalen zugunsten eigener Dienste benachteiligt
DPA

Google-Logo: Rivalen zugunsten eigener Dienste benachteiligt


Die EU-Kommission wird Google den Missbrauch einer marktbeherrschenden Position vorwerfen, das berichten "Financial Times", "New York Times" und "Wall Street Journal". Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager werde dies an diesem Mittwoch ankündigen.

Der Vorwurf laute, dass Google in seiner Suchmaschine Rivalen zugunsten eigener Dienste benachteiligt habe, schreibt die "Financial Times". Das Verfahren läuft seit Jahren, dem Konzern können Milliardenstrafen und Einschnitte für das Geschäftsmodell drohen.

Bei dem Streit geht es vor allem um die Anzeige von Suchergebnissen etwa zu Online-Handel, Restaurants oder Reisen. Spezialisierte Suchmaschinen kritisieren, Google platziere Treffer aus eigenen Angeboten besser.

Zudem versucht Google seit einiger Zeit unter anderem mit Blick auf die Nutzung auf kleinen Smartphone-Bildschirmen verstärkt, den Nutzern gleich konkrete Antworten statt Link-Listen zu liefern. Der Konzern entgegnete früher auch wiederholt, man mache einen Dienst für Internetnutzer und nicht für andere Suchmaschinen.

Vestager habe die Entscheidung für ein schärferes Vorgehen gegen Google am Dienstag bei Beratungen mit Kommissionschef Jean-Claude Juncker getroffen, berichtete das "Wall Street Journal". Am Mittwoch werde sie die anderen Kommissionsmitglieder informieren.

Es wäre laut der Webseite der "New York Times"einer der größten Fälle für die Kartellbehörden seit 2012. Damals hatte die EU dem Unternehmen Microsoft vorgeworfen, den Nutzern keine Auswahl zwischen verschiedenen Internetbrowsern zu lassen.

Bereits in den vergangenen Tagen hatten sich die Hinweise auf ein solches Vorgehen verdichtet. Auch EU-Digitalkommissar Günther Oettinger hatte sich bereits zu einem möglichen Verfahren der EU-Kommission gegen Google geäußert. Oettinger sagte, die EU-Kommission müsse in den "sehr absehbaren nächsten Tagen" zeigen, dass sie Zähne habe: "Wir müssen die Plattformen, die Suchmaschinen, dazu bringen, gar auch zwingen, dass sie unsere Regeln in Europa beachten."

Google hatte sich im Zuge des Verfahrens zu Zugeständnissen bereiterklärt, die Vestagers Vorgänger Joaquín Almunia ausreichend fand.

Bei dem Wettbewerbsverfahren ging es auch um Vorwürfe, dass Google ungefragt Inhalte von Konkurrenten nutze und den Wechsel von Werbekunden erschwere. Die Zugeständnisse des Konzerns betrafen auch diese Punkte.

In der Kommission gab es jedoch Widerstände gegen eine Einstellung. Den Konkurrenten und Unternehmen aus der Medienbranche gingen Googles Zugeständnisse nicht weit genug. Sie wollen unter anderem einen prominenteren Platz bei der Anzeige von Suchergebnissen.

Der Streit dauert bereits einige Jahre. Mehrere Unternehmen hatten sich über Google beschwert, darunter die US-Online-Reiseanbieter Expedia und TripAdvisor.

kbl/dpa

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specialsymbol 15.04.2015
1. Unfairer Wettbewerb?
Google wird also vorgeworfen die Benutzerfreundlichkeit über das Wohl anderer Firmen zu stellen. Vielleicht sollten andere Firmen einfach mal anfangen den Nutzern ebenfalls einen Mehrwert zu bieten, aber stattdessen hat "good old Europe" nur seinen Profit und den Schutz des Status Quo im Sinn. Klar, dass den ollen Mist keiner nutzen will. Das ist Wettbewerb. Wo sind sie, die Verfechter der "freien" Marktwirtschaft? Niemand ist gezwungen Google zu nutzen, niemand ist gezwungen seine Ergebnisse bei Google anzeigen zu lassen. Warum und wie Google seine Ergebnisse anzeigt ist der Firma völlig freigestellt. Sonst haben wir am Ende wieder staatlich organisierte Gelbe Seiten - mit ähnlicher Nutzerfreundlichkeit.
BoMbY 15.04.2015
2.
Offensichtlich leistet jemand gute "Lobbyarbeit" gegen Google. Ich glaube Google sollte sich auch mal ein paar Politiker "leisten".
SRTamer 15.04.2015
3. Versteh ich nicht
Wieso wird ein Unternehmen wie Google, zu dem es aus meiner Sicht keine annähernd gute Konkurrenz gibt, von der EU derart bedrängt, zu Vorgehen die vollkommen nachvollziehbar sind? Ist doch klar, dass Google die eigenen Produkte hervorhebt. Das wäre doch genauso sinnvoll wie wenn VW sich beschwert das Toyota in ihren Werbespots keine VWs zeigt oder das es in Toyota Fahrzeugen keine VW Zeichen gibt. Ich weiß nicht, ob dass letztlich eine Maßnahme zur Unterstützung von europäischen IT-Firmen sein soll oder ob die EU-Komission das Ganze auf einer vorhandenen Gesetzeslage aufbaut.
stelzenlaeufer 15.04.2015
4. Wird sicherlich interessant...
...wenn Google seine Suchmaschine in Europa einfach abschaltet. Diese EU braucht kein Mensch mehr! Kann nicht endlich wer dieses unsinnige Experiment beenden?
freidenker_2 15.04.2015
5. Sollen sie doch.
Warum benutze ich Google Dienste? Weil ich sie von Kind auf an kenne, weil sie besser seien oder etwa weil sie andere Suchdienste verdrängen und ich als Endbenutzer damit nur noch diese Option habe? Nein. Ich benutze Google Dienste weil sie simpel, einfach und gut funktionieren. Woran mag das liegen? An der marktführenden Position? An den Milliarden, auf denen die sitzen? Nochmals nein. Google leistet einfach gute Arbeit und dafür bewundere ich die auch. Ich brauche kein Yahoo, Bing oder sonst wen! Die arbeiten Müll aus, präsentieren sich scheiße und passen nicht zu mir. Ich entschuldige mich für meine Wortwahl. Dankeschön.
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