Google, Facebook und Co. Silicon-Valley-Größen lassen Obama abblitzen

Barack Obama ruft die Chefs des Silicon Valley zum Cyber-Gipfel - doch die wichtigsten Firmenlenker schlagen die Einladung aus. Der NSA-Skandal und der Datenhunger der US-Behörden sorgen bei den Konzernen für Unmut.

Us-Präsident Barack Obama: Korb von den Großen des Silicon Valley
AP/dpa

Us-Präsident Barack Obama: Korb von den Großen des Silicon Valley


San Francisco/Washington - Früher war das Silicon Valley Barack Obama sehr gewogen. Die größten Firmen der US-IT-Branche und ihre Mitarbeiter spendeten kräftig für die Wahlkämpfe des Demokraten. Die Unterstützung der Tech-Community galt als wichtiger Grund für Obamas Wahlerfolge. Der Präsident traf sich zu intimen Abendessen mit den Größen des Silicon Valley.

Seit den Snowden-Enthüllungen aber hat sich das Klima merklich abgekühlt. Immer neue Forderungen der US-Sicherheitsbehörden nach noch weiteren Zugriffsrechten sorgen bei den Tech-Firmen für Unmut. Und jetzt schlägt sich das auch in einem offenen Affront gegen Obama selbst nieder.

Bild aus glücklicheren Tagen (2011): US-Präsident Obama mit Mark Zuckerberg, Eric Schmidt, dem inzwischen verstorbenen Steve Jobs und anderen Silicon-Valley-Größen
REUTERS/ The White House

Bild aus glücklicheren Tagen (2011): US-Präsident Obama mit Mark Zuckerberg, Eric Schmidt, dem inzwischen verstorbenen Steve Jobs und anderen Silicon-Valley-Größen

Für den heutigen Freitag hat der Präsident zu einem Gipfeltreffen an die Stanford University in Kalifornien geladen. Das werde "alle zusammenbringen", hatte Obama vor einem Monat noch angekündigt: die Industrie, Tech-Firmen, Strafverfolger, Datenschützer und Juraprofessoren, die auf dieses Gebiet spezialisiert sind.

Essen mit Obama? Diesmal nicht

Mehrere sehr prominente Eingeladene werden zum Gipfel nicht erscheinen: Google-Chef Larry Page, Yahoo-CEO Marissa Mayer und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zum Beispiel. Auch Googles Verwaltungsratschef Eric Schmidt wird offenbar nicht teilnehmen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Auch Microsofts Vorstandsvorsitzender Satya Nadella wird dem Webmagazin "Silicon Republic" zufolge fehlen. Apple-Chef Tim Cook dagegen soll dem Vernehmen nach vor Ort sein. Ein geplantes Essen von Obama mit ausgewählten Branchenvertretern wird weit weniger prominent besetzt sein als erwartet.

Statt der Chefs sollen Sicherheitsexperten der vier Firmen der Konferenz beiwohnen. Bei einer Podiumsdiskussion zum Ende der Veranstaltung werden demnach Google-Manager Eric Grosse, Alex Stamos von Yahoo, Joe Sullivan von Facebook und Scott Charney von Microsoft über Sicherheitsfragen sprechen. Alle vier sind die hochrangige Sicherheitsexperten ihrer jeweiligen Arbeitgeber. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte Bloomberg, man sei "erfreut über deren Teilnahme". Die Absage der Chefs kommentierte er nicht.

Streit um Spionage und Smartphone-Verschlüsselung

Ziel der Veranstaltung ist es, die Unternehmen zu stärkerer Kooperation im Kampf gegen Hackerangriffe zu überreden, nicht zuletzt als Reaktion auf die spektakuläre Attacke auf das Filmstudio Sony Pictures und die nachfolgenden Enthüllungen von Unternehmensinterna. Die US-Regierung macht Nordkorea für den Angriff verantwortlich.

Die auf Washington-Interna spezialisierte Zeitung "The Hill" berichtete, Obama wolle bei der Konferenz eine Exekutivanordnung ankündigen, um verstärkten Informationsaustausch zwischen Privatunternehmen und dem Heimatschutzministerium der USA zu ermöglichen.

Dem Bericht zufolge wird es darum gehen, wie die Unternehmen künftig besser mit dem National Cybersecurity and Communications Integration Center (NCCIC) des Heimatschutzminsteriums kommunizieren können. Bislang gilt der Informationsaustausch in diesem Bereich als langsam und ineffizient.

Die Absage der Firmenchefs wird weithin als Signal gedeutet, dass man im Silicon Valley erst einmal die Kontroversen um die Aktivität der eigenen Sicherheitsbehörden klären will. Dabei geht es nicht nur um die Snowden-Enthüllungen, sondern beispielsweise auch um das Verschlüsseln von Mobiltelefonen. Sowohl Apple-Geräte als auch Googles Betriebssystem Android sehen mittlerweile vor, dass die Inhalte von Smartphones, solange sie gesperrt sind, vollständig verschlüsselt vorliegen. Erst durch Eingabe des Sicherheitscodes, die Betätigung des Fingerabdrucksensors oder andere Entsperr-Mechanismen wird die Verschlüsselung aufgehoben.

Immer wieder haben Vertreter der US-Sicherheitsbehörden in den vergangenen Monaten gegen diesen Schritt protestiert. Sie fordern eine Möglichkeit, die Zugriffsbeschränkungen zu umgehen. Die IT-Firmen, die sich um das Vertrauen ihrer nationalen und internationalen Kundschaft sorgen, haben solche Begehrlichkeiten bislang klar abgelehnt.

cis

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triqua 13.02.2015
1.
Der Grund dürfte darin liegen, dass die großen Internetkonzerne sich ähnlich Politiker durch Millionen Nutzer legitimiert sehen und nur "ihrem Volk" sich verpflichtet fühlen ... Man kann mit Politikern reden, man muß aber nicht! Mit dieser "Macht" im Rücken werden diese Konzerne zukünftig außer Kontrolle geraten und sich staatlicher Reglementierung entziehen. Facebook und Whatsapp haben 1,6 Mrd. "Wähler" hinter sich ... Wie viele haben Obama gewählt? Also was will der denn?
Freidenker10 13.02.2015
2.
Endlich mal ein Zeichen von den Silicon-Valley Machern! Hat auch lange genug gedauert! Diesem Blender muss einfach klargemacht werden, dass Bürger,-und Freiheitsrechte geschützt werden müssen, obwohl ihn dies sicherlich nur wenig interessiert. Obama erinnert mich an Bush in seinen Anfangsjahren, der war auch nur mit Urlaub beschäftigt und ohne diese unsäglichen Anschlag, hätte er die Wiederwahl verloren und kein Mensch würde mehr über diesen Versager Reden! Hoffe sehr, dass da endlich mal wirklicher und aufrichtiger Widerstand aus dem Valley erwächst und nicht nur irgendwelche PR Aktionen dahinterstecken!
nord1icht 13.02.2015
3. Maulkorb also doch undreiwillig?
Mit jemandem, der es mir kraft Gesetzes(bruchs) auferlegt, die Klappe darüber zu halten, wie meine Kunden widerrechtlich ausgeforscht werden, mit so jemandem würde ich auch nicht plaudern. Schön zu lesen, dass es da offenbar eine gewisse Sperrigkeit vonseiten der Unternehmen gibt. Lieber wäre es mir noch, wenn sie weiter Fakten schaffen, Verachlüsselung stärken und gegen die totalen Späher zu Gericht ziehen würden.
Kaygeebee 13.02.2015
4.
Es wäre naiv anzunehmen, dass die IT Konzerne in Silicon Valley auf Distanz gehen, weil sie mit den Praktiken der Regierung nicht einverstanden sind. Es geht ihnen um ihren Ruf, welcher seit der Snowden Enthüllungen teils massiven Schaden genommen hat. Nutzer vertrauen vielen Diensten nicht mehr und ziehen ihre Daten ab oder nutzen sie weniger, was i.d.R. mit weniger Werbeeinnahmen verbunden ist. Freuen tun sich natürlich sicherere Alternativen (Threema, DuckDuckGo, P2P satt Cloud Dienste, etc.), die großen Konzerne dürfte es wohl ziemlich ärgern. WIR sind denen eigentlich egal. Die Karikatur mit den zwei Schweinen kennt ihr, oder? "Ist das nicht toll? Wir müssen gar nichts für den Stall bezahlen!" "Ja, und das Essen ist auch umsonst!" Moral: Wenn man nichts bezahlt, dann ist man kein Kunde, sondern das Produkt. Und das macht sich gerade davon.
nofreemen 17.02.2015
5. falscher Titel
Diese Sicherheits-Experten haben ohnehin den besseren Durchblick als die Chefs selbst. Also ist das nicht schlimm wenn sie nicht dabei sind.
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