Facebook und Twitter vor dem US-Kongress Schuld und Social

Im US-Kongress geht es heute darum, ob Webdienste genug gegen Wahlmanipulation tun - und ob sie politisch neutral sind. Facebook und Twitter schicken Topmanager zu den Anhörungen, anders als ein dritter Konzern.

Sheryl Sandberg von Facebook
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Sheryl Sandberg von Facebook

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Hochranginge Vertreter von Facebook und Twitter werden am Mittwoch im US-Senat die Strategien ihrer Firmen vorstellen und verteidigen. In einer Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss geht es ab 15.30 Uhr deutscher Zeit zunächst um die Frage, inwiefern Akteure aus dem Ausland soziale Netzwerke nutzten oder immer noch nutzen könnten, um US-Wahlen zu beeinflussen. In den USA steht am 6. November die nächste große Wahl an: Bei den Midterms (Zwischenwahlen) geht es um alle Sitze im Repräsentantenhaus und ein Drittel der Sitze im Senat.

Facebook lässt sich bei der Anhörung von Geschäftsführerin Sheryl Sandberg vertreten, Twitter schickt seinen Chef Jack Dorsey. Die Alphabet-Tochter Google dagegen reichte US-Medien zufolge nur eine schriftliche Stellungnahme zum Thema ein. Google habe angeboten, seinen Chefjuristen Kent Walker zu schicken, heißt es. Die Senatoren hätten jedoch nach einem prominenteren Vertreter verlangt.

In welche Richtung Sandberg und Dorsey bei ihren Auftritten argumentieren werden, deutet sich aus vorab verfassten Statements bereits an. So wird Sandberg sagen, dass Facebook seit der Präsidentenwahl 2016 deutlich mehr gegen Versuche aus dem Ausland tut, US-Wahlen zu manipulieren; erwähnt wird etwa das Löschen zahlreicher Fake-Seiten und Fake-Accounts, die von Russland aus kreiert wurden.

"Wir werden besser darin, unsere Gegner zu finden"

Mit Bezug auf russische Versuche, die Wahl 2016 per Social Media zu beeinflussen, betont Sandberg, dass diese Einmischungen "inakzeptabel" gewesen seien: "Wir haben sie zu langsam erkannt und haben zu langsam gehandelt", heißt es in ihrer Stellungnahme. "Das haben wir uns zuzuschreiben."

Sandberg schreibt aber auch, dass die Maßnahmen, die das Unternehmen seit 2016 ergriffen habe, Facebooks Entschlossenheit zeigten, "alles uns Mögliche zu tun, um diese Art von Einmischung zu verhindern." Rund 20.000 Mitarbeiter seien mittlerweile mit dem Thema Sicherheit betraut.

Und die Arbeit beginne bereits, sich auszuzahlen: "Wir werden besser darin, unsere Gegner zu finden und zu bekämpfen, von finanziell motivierten Trollfarmen bis hin zu aufwendigen militärischen Geheimdienstoperationen", so Sandberg.

Erst Zuckerberg, jetzt Sandberg

Wie es ist, sich vor Senatoren zu rechtfertigen, weiß man bei Facebook: Erst im April stellte sich Firmenchef Mark Zuckerberg den Fragen von zwei Senatsausschüssen sowie Abgeordneten des Repräsentantenhauses. Damals ging es vor allem um Facebooks Datenskandal rund um Cambridge Analytica.

Ähnlich wie Sheryl Sandberg wird auch Twitter-Chef Jack Dorsey erläutern, wie sein Unternehmen gegen Versuche der Wahlbeeinflussung, aber zum Beispiel auch gegen Bots auf der Plattform vorgeht.

Außerdem wird er betonen, dass sein Unternehmen Entscheidungen unabhängig von politischer Ideologie treffe. Das betreffe die Sichtbarkeit von Inhalten, aber auch das Durchsetzen der eigenen Richtlinien, heißt in seinem vorformulierten Statement. Schon aus kaufmännischer Sicht und weil Twitter der öffentlichen Kommunikation diene, habe die Firma den Anspruch, "alle Stimmen" auf der Plattform zu halten, schreibt Dorsey.

Ein zweites großes Thema

Über die Rolle der Tech-Konzerne war in US-Medien in den vergangenen Wochen viel berichtet worden, auch, weil US-Präsident Donald Trump "Google und anderen" über seinen Twitter-Account unterstellte, "Stimmen von Konservativen zu unterdrücken". Möglicherweise war das ein Versuch des US-Präsidenten, den Fokus der Anhörung weg vom Thema Wahlmanipulation zu lenken.

US-Sicherheitsbehörden sehen es als erwiesen an, dass Russland versucht hat, die Präsidentenwahl 2016 zu beeinflussen und dass ähnliche Bemühungen andauern. Donald Trump allerdings hat sich in dieser Frage nie klar hinter seine Behörden gestellt.

Was auch immer Trump mit seinen Tweets im Sinn hatte, klar ist: Um das Thema, ob ihre Unternehmen mit Inhalten aus verschiedenen politischen Lagern unterschiedlich umgehen, wären Sandberg und Dorsey wohl ohnehin nicht herumgekommen. Republikaner und konservative Medien haben schon oft ähnliche Anschuldigungen gegen Tech-Konzerne erhoben, und das bereits vor Trumps Wahl, etwa, als über eine Liste mit Nachrichten-Trends auf Facebook debattiert wurde.

Mit unangenehmen Fragen zum Thema dürfte sich Twitter-Chef Dorsey gleich zwei Mal hintereinander konfrontiert sehen: Anders als Sandberg stellt er sich Mittwoch noch einer zweiten Anhörung, dabei spricht er vor dem House Committee on Energy and Commerce, das zum Repräsentantenhaus gehört. Die Anhörung startet um 19.30 Uhr deutscher Zeit und trägt den Titel "Twitter: Transparenz und Verantwortlichkeit".



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Seite 1
FocusTurnier 05.09.2018
1. Politische Neutralität
Daß FB, Google und auch Twitter politisch nicht neutral sind, ist eigentlich gut nachweisbar. Während es bei Google vor knapp einem jahr eine ziemliche Aufruhr um ein kleines Memo eines Angestellten gab, gibt es nun auch bei Facebook interne Stimmen, die eine eher linkslastige Firmenpolitik beklagen: "Erst Anfang des Jahres verklagte ein Entwickler Google wegen angeblicher Diskriminierung weißer Männer. Jetzt entwickelt sich bei Facebook eine ähnliche Debatte." http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/facebook-mitarbeiter-beschwert-sich-ueber-linksgerichtete-ideologie-15763156.html Die Klage von Trump, konservative Stimmen würden unterdrückt werden, ist für mich zumindest nachvollziehbar.
muellerthomas 05.09.2018
2.
Zitat von FocusTurnierDaß FB, Google und auch Twitter politisch nicht neutral sind, ist eigentlich gut nachweisbar. Während es bei Google vor knapp einem jahr eine ziemliche Aufruhr um ein kleines Memo eines Angestellten gab, gibt es nun auch bei Facebook interne Stimmen, die eine eher linkslastige Firmenpolitik beklagen: "Erst Anfang des Jahres verklagte ein Entwickler Google wegen angeblicher Diskriminierung weißer Männer. Jetzt entwickelt sich bei Facebook eine ähnliche Debatte." http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/facebook-mitarbeiter-beschwert-sich-ueber-linksgerichtete-ideologie-15763156.html Die Klage von Trump, konservative Stimmen würden unterdrückt werden, ist für mich zumindest nachvollziehbar.
Ne, die Vorwürfe sind eingiermaßen absurd: Bei Twitter wird eben das gezeigt, was die Leute, denen Sie folgen, twittern - und Trump gehört doch zu den bekanntesten Nutzern. Und wenn Sie sich bei FB mal umgesehen haben, müsste eigentlich eher die unverhohlene Zurschaustellung von rechtem Gedankengut erschrecken. FB ist ein Biotop für Rechte und VTler. Wo sehen Sie da eine "Linkslastigkeit"?
jaques_de_molay 05.09.2018
3. Beeinflussung
Also eine fremde Macht (hier namentlich Russland) kann mit einem Minimaleinsatz, wenige Millionen Euro, eine Wahl entscheiden, aber die US-Amerikaner, mit höheren Wahlkampfausgaben als dem Jahrsbudget einer 2.Welt-Nation, schaffen dies nicht, respektive, wenn sie es könnten: warum haben es die Demokraten nicht gekonnt?
teflonhirn 05.09.2018
4. stellen den Facebook etc eigene Artikel ein
oder werden die Beiträge von Usern bzw oft gelesene Artikel zum Thema angezeigt? Der Amerikanische Kongress ( oder die republikanische Mehrheit) erwartet dann also das Konservative Meinungen, die weitestgehend ignoriert werde gleichwertig mit viel gelesenem Inhalt angezeigt wird? Dreist
m.b. 05.09.2018
5.
Das Geschäftsmodel der sozialen Medien, wie Facebook und Twitter funktioniert doch gar nicht ohne die per Klick zu verbreitenden Falschnachrichten, Vermutungen, Vorverurteilungen, Übertreibungen, Verleumdungen, Beschimpfungen, Diskriminierungen ... denn nur das gibt die nötige Netz-Aufregung und nötigen Klicks. Das kann dann als ansteigende Kurve, resp. Relevanz bei der nächsten Verwaltungsratsitzung präsentiert werden. Der Inhalt? Wen interessiert das schon. Intelligente Menschen haben kein Facebookprofil und twittern nicht. Ich frage mich, wie lange diese Lügenmaschinerie noch weiterlaufen soll. Google, Facebook, Twitter sind selber das Problem, die Hauptverursacher dieser Fakenews-Kultur.
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