Google-Hack: Neue Vorwürfe in der China-Hack-Affäre

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Es sind nur Indizien, die darauf hinweisen, dass möglicherweise staatliche Hacker gegen US-Firmen wie Google vorgingen. Aber es sind starke Indizien: Jetzt deutet sich an, dass sogar gezielt Freunde von Angestellten ausspioniert wurden. Opfer von Hack-Attacken wurden zudem auch US-Ölfirmen.

Google-Hauptquartier in Peking: Spionage im Firmenumfeld? Zur Großansicht
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Google-Hauptquartier in Peking: Spionage im Firmenumfeld?

San Francisco/Hamburg - Die angeblich aus China erfolgte Hack-Attacke gegen eine ganze Reihe von US-Technologiefirmen, die der Suchmaschinenbetreiber Google am 13. Januar öffentlich gemacht hatte, ging weit über die üblichen Phishing-Attacken hinaus. Mit der Analyse der Hack-Attacken betraute Cyber-Security-Experten fanden nun heraus, dass sogar Freunde und Bekannte von Angestellten in Schlüsselpositionen gezielt angegriffen wurden, um auf dem Umweg der privaten Kommunikation zwischen miteinander vertrauten Personen Schnüffelprogramme einzuschleusen, wie die "Financial Times" berichtet. Damit bestätigt sich der Eindruck einer beispiellos gezielten, bestens organisierten Wirtschaftsspionage.

Ungewöhnlich sei der Grad der professionellen Aufklärungsarbeit darüber, wer in welcher Firma mit wichtigen Funktionen betraut und wie das private Umfeld solcher Personen beschaffen sei, äußerte sich ein Vertreter des Security-Unternehmens McAfee. Nach Erkenntnissen seines Unternehmens sollen unter anderem identifizierte Bezugspersonen von Schlüsselpersonen in den betroffenen Unternehmen angegriffen worden sein, um beispielsweise deren Social-Network-Seiten mit virtuellen Tretminen für die Firmenvertreter zu würzen. Dahinter stecke offenbar der mit akribischer Methodik vorangetriebene Versuch, die Wahrscheinlichkeit für eine Infiltration eines Firmenrechners so weit wie möglich zu erhöhen.

Es waren solche Details, die dem impliziten Vorwurf Gewicht verliehen, staatliche Stellen in China könnten hinter den Infiltrationsversuchen stehen. Die chinesische Regierung hat dies inzwischen mehrfach und vehement dementiert, die Affäre sorgte und sorgt für Verstimmungen bis auf höchste diplomatische Ebenen.

Cyberspionage ist Alltag

Dass das Internet längst das Mittel der Wahl für alle möglichen Formen von Wirtschaftsspionage ist, steht außer Frage: Auch Staaten des Westens machen sich hier durchaus die Finger schmutzig. Nicht nur China, auch den USA, Großbritannien und rund 120 weiteren Nationen wird nachgesagt, im großen Maßstab staatlich sanktioniert elektronisch zu spionieren. Die Angelsächsischen Länder gelten dabei als weltweit führend, ihre Geheimdienste sind gut vernetzt. Im Rahmen des Echelon-Netzwerkes bauten beispielsweise die USA und Großbritannien zusammen mit Australien und Kanada das größte Netz zur Vollüberwachung internationaler Kommunikation auf. Dabei ging es unter anderem um Wirtschaftsspionage unter Verbündeten. So sollen Echelon-Informationen schon Mitte der Neunziger dem US-Flugzeugbauer Boeing zugeflossen sein, der daraufhin in einem Bieterwettstreit mit Airbus das Gebot der Europäer gezielt unterbieten konnte. Der Fall beschäftigte sogar das Europaparlament.

In den letzten Jahren aber steht vor allem China immer wieder in Verdacht, hartnäckig und hoch professionell Unternehmen, Regimekritiker und Regierungen auszuforschen. 2007 wurden gezielte Trojaner-Attacken gegen die Regierungen von Deutschland, den USA und Großbritannien öffentlich, die offenbar von China ausgingen. Der Nachweis einer direkten Involvierung staatlicher Stellen oder Geheimdienste wurde nicht geführt.

Auch im aktuellen Fall sind es nur Indizien, die auf China hindeuten - allerdings sehr gewichtige. So soll das Toolkit, mit dem ein Teil des Instrumentariums für die aktuellen Hack-Attacken entworfen wurde, nur in chinesischer Sprache vorliegen. Schon Mitte Januar ergaben Routing-Analysen des Datenweges der Attacken, dass sie zumindest zum Teil über Server in Taiwan geführt wurden. Ob der Datenweg von dort weiter aufs chinesische Festland führte, ist nicht bekannt.

Auch Netzwerke von Ölfirmen wurden infiltriert

Das aber war zumindest in einem anderen Fall, den der "Christian Science Monitor" ("CSM") am Montag offenlegte, offenbar so: Dem Bericht der US-Zeitung zufolge wurden auch US-Ölfirmen, beginnend spätestens 2008 gezielt ausspioniert. In mindestens einem Fall sei eine Rückverfolgung einer ausgefuchsten Spionage-Attacke nach China gelungen, berichtet die Zeitung. Ob China oder chinesische Hacker aber hinter all den entdeckten Spionageversuchen stünden, sei längst nicht ausgemacht.

Auch sie aber sollen von höchster Güte gewesen sein - weit über das hinausgehend, was EDV-Spezialisten in ihrem Tagesgeschäft von Seiten krimineller Cracker abzuwehren haben. Dass ihre Firmennetzwerke überhaupt ausspioniert wurden, hätten auch nicht die internen Sicherheitsfachleute entdeckt, sondern sei ihnen von Spezialisten des FBI mitgeteilt worden. Erst dann habe man in den Unternehmen erkannt, wie weit die Attacken gingen, bei denen unter anderem E-Mail-Zugänge von Führungskräften gekapert worden seien.

Ziel der virtuellen Aufklärungsarbeit sei es offenbar gewesen, Informationen über die Exploration von Ölvorkommen abzugreifen - Informationen, die viele Milliarden Dollar wert sein können. Betroffen waren dem Bericht zufolge die Unternehmen ExxonMobil, Marathon Oil und ConocoPhillips. Die Zeitung zitiert einen anonymen Security-Experten, der glaubt, die Attacken seien durchaus noch nicht ausgestanden.

Auch der "CSM" macht klar, dass so etwas quasi Business as usual ist: Die Zeitung zitiert ehemalige US-Regierungsangestellte, die darauf verweisen, dass zahlreiche Nationen virtuell spionierten. Für Vertreter von Security-Unternehmen ist das, was nun wieder einmal skandalös öffentlich wurde, darum auch eher ein Dauerproblem, das einen guten Teil des Alltagsgeschäftes solcher Firmen ausmacht: Wer genau genug hinsieht, wird zu jedem gegebenen Zeitpunkt die Datenspuren von Hack-Attacken, Wirtschaftsspionage-Versuchen und auch staatlichen Cyber-Schnüfflern finden.

Wo die im konkreten Fall wirklich herkommen, schließt auch der "CSM", sei wohl so gut wie nie nachzuweisen. Auch die Rückverfolgung einer Attacke nach China könne immer noch bedeuten, dass dort nur ein Rechner gekapert worden sei, um die Herkunft eines Angriffs zu verschleiern. Unter Generalverdacht, per Web schnüffelnd aktiv zu sein, stehen inzwischen die Geheimdienste jeder hinreichend technisierten Nation. Nur gilt auch in Cyberia das, was in der stofflichen Welt außer Frage steht: Manche sind aktiver als andere.

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1. Nur die Amis dürfen spionieren
Ramsesx 26.01.2010
Vielleicht sollte der Spiegel mal einen Artikel darüber verfassen wie ausgiebig die USA Wirtschaftsspionage betreiben. Alle anderen Länder dürfen das natürlich nicht.
2. Na und
Hypotheker 26.01.2010
Die Amis machen das doch auch. Wo ist das Problem? Achja..Der Westen ist ja das Paradebeipiel an Demokratie
3. Wer nicht in Tibet wohnt, hat nichts zu befürchten.
chu84k4 26.01.2010
Zitat von sysopEs sind nur Indizien, die darauf hinweisen, dass möglicherweise staatliche Hacker gegen US-Firmen wie Google vorgingen. Aber es sind starke Indizien: Jetzt deutet sich an, dass sogar gezielt Freunde von Angestellten ausspioniert wurden. Opfer von Hack-Attacken wurden zudem auch US-Ölfirmen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,674049,00.html
Soll das bedeuten, dass alle Ausspionierten den verbugten IE (wahrscheinlich IE6) verwendet haben? Ich kann mir das bisher nur so erklären, dass der Angreifer Java-Skripte oder Flash zu angeblichen Werbezwecken in "seriöse" Webseiten einbinden lies (Web 2.0 pur - Vielleicht sogar von Google selber vermittelt }:> ). Das Skript greift per Fehler einer Pointer-Referenz den IE an und kann per Modifikation einer Funktionsrücksprungadresse ein untergeschobenes Skript oder Programm starten, das weiteren Schadcode nachlädt. Die Kunst besteht darin die Einsprungadresse für den Schadcode zu ermitteln und den IE nicht abstürzen zu lassen. Dann kann dieser entweder automatisiert oder nach einem Besuch des Opfers auf seinem Mail-Konto dieses angreifen (sich als legitimer Benutzer ausgeben). Dank Adminrechten des gemeinen Users könnt der Code im Prinzip jetzt alles machen - Backdors öffnen, schnüffeln .... Erinnert stark an die Features des Bundestrojaners. So wie ich das mitgekriegt habe, sind über 30 Firmen (darunter auch Yahoo! und Symantec) betroffen. Nur Google hat es überhaupt bemerkt. Wie war das? Der Bug ist seit 9 Jahren im IE und MS fast einem Jahr bekannt? MS dazu: "Das Risiko ist minimal, denn man muss ja eine Webseite besuchen welche diese Sicherheitslücke ausnutzt". Wie erkennt man jetzt eigentlich so eine Webseite? Am Firefox-Logo! Übel finde ich nicht, dass diese Sicherheitslücke entstanden ist, sondern wie MS darauf reagiert hat.
4. Staatssicherheit
schweineigel 26.01.2010
Bei einer Überwachung ist die Informationsbeschaffung nur ein Aspekt. Die Verknüpfung ist auch wichtig: Schon bei dem letzten fehlgeschlagenen Anschlag auf ein Flugzeug in Amerika wurde beklagt, dass die Verknüpfung der zahlreichen Geheimdienste mangelhaft war - Was jetzt nachgebessert wird, hat jedenfalls Obama versprochen! VORSICHT FALLE! Das Problem waren nicht die Geheimdienste, sondern dass klar und deutliche Informationen nicht weiter beachtet wurden. Die richtige Vorgehensweise wäre also gewesen die Geheimdienste ersatzlos zu streichen, da in ihrer Informationsflut die offensichtlichen Warnungen untergegangen sind. Der Vater, der auch noch ein wichtiger Mann ist, hat sich an mehrere offizielle amerikanische Stellen gewendet. Aber auf die Idee, offizielle Warnungen auszuwerten - dazu hätte das FBI (zivile Bundespolizei) genügt - kam keiner. Nein, die Lehre wird sein, dass ZUSÄTZLICH zu einem riesigen (geheimen) Überwachungsapparat noch eine riesige Verknüpfungsmaschinerie installiert wird. Was dort in China vorgekommen ist, ist also ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns im Westen noch bevorsteht: Anstatt öffentlich zugängliche Informationen offiziell auszuwerten, steht ein BigBrother, der die Bürger in allen Bereichen des Lebens aktiv und geheim überwacht, und sich ein klares Bild über alle Lebensbereiche jedes Einzelnen erstellt - alles unter dem hehren Vorsatz, Straftaten zu vereiteln noch BEVOR sie entstehen. Vereiteln ist eine Sache - vorverurteilen, erpressen und manipulieren eine andere! Niemand kann garantieren, dass die Staatssicherheits-Bemühungen nicht dazu missbraucht werden. Wer weiß das besser als die Deutschen, dazu gibt es MEHRERE negative Beispiele über hunderte von Jahren. China werden solche Boshaftigkeiten zugetraut, aber den USA? DESHALB wurden die Bürgerrechte geschaffen - als ein Kompromiss zwischen Staats-sicherheit und persönlicher Sicherheit - Ein Kompromiss, der wackelt - nicht nur in China!
5. Ist es denn so schwierig?
jay peck 26.01.2010
Man kann nur mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen, dass Regierungsbehörden, Konzerne und Privatleute offensichtlich "sensible" Daten unverschlüsselt versenden. Seit Jahren sind die Schwachstellen des IE nebst zueghörigem Betriebssystem bekannt. Seit Jahren gibt es kostenlose, einfach zu bedienende und vor allem sichere Verschlüsselungssoftware. Wer es den "Hackern" so leicht macht, trägt zumindest eine Mitschuld.
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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