Project Maven Google hilft Pentagon bei Analyse von Drohnenbildern

Das US-Verteidigungsministerium will Daten aus der Drohnenüberwachung mit Technik von Google durchsuchen. Das Unternehmen spricht von "nicht-offensiven Zwecken", beim Militär klingt das anders.

Luftaufnahme von einer US-Drohne vom Typ MQ-9 Reaper, die während einer Übung in Nevada gemacht wurde.
Getty Images

Luftaufnahme von einer US-Drohne vom Typ MQ-9 Reaper, die während einer Übung in Nevada gemacht wurde.


Innerhalb der Belegschaft ist das Projekt höchst umstritten: Google unterstützt das US-Verteidigungsministerium bei der automatisierten Analyse von Aufnahmen, die US-Drohnen machen.

"Project Maven" läuft bereits seit April 2017, wurde aber erst vergangene Woche erstmals in einer Google-internen Mailingliste diskutiert, wie die US-Seite "Gizmodo" berichtet.

Ziel des auch "Algorithmic Warfare Cross-Functional Team" (AWCFT) genannten Unterfangens ist es, die großen Datenmengen aus Drohnenfotos und -videos mithilfe von Machine Learning zu durchsuchen und Objekte wie zum Beispiel Autos darin zu erkennen. Machine Learning gehört zum Feld der künstlichen Intelligenz.

Nach Angaben von "Gizmodo" sind manche Google-Mitarbeiter empört, dass ihr Unternehmen Ressourcen für solche Überwachungsoperationen des Militärs zur Verfügung stellt. Andere finden, das Projekt stelle wichtige ethische Fragen zur Entwicklung und Anwendung von Machine-Learning-Technologie.

Ein Google-Sprecher sagte "Gizmodo", das Unternehmen stelle dem Pentagon Schnittstellen für TensorFlow zur Verfügung. So heißt Googles Open-Source-Programmbibliothek für maschinelles Lernen. Das helfe dem Pentagon bei der Objekterkennung "in nicht-geheimen Daten". Die Technik markiere Bilder, in denen sie bestimmte Objekte erkannt hat, für eine manuelle Betrachtung und werde "nur für nicht-offensive Zwecke" eingesetzt.

Google will jetzt Richtlinien entwickeln

"Der militärische Einsatz von maschinellem Lernen löst natürlich Bedenken aus", teilte der Google-Sprecher mit. "Wir diskutieren dieses wichtige Thema nun aktiv sowohl intern als auch mit anderen, und wir entwickeln Richtlinien und Sicherheitsmaßnahmen für den Einsatz unserer Technik."

Der Darstellung von "Gizmodo" zufolge ist Googles Hilfestellung möglicherweise begrenzt, weil das Unternehmen - anders als etwa Microsoft oder Amazon - keine gesonderten Cloudumgebungen für Regierungseinrichtungen unterhält, in denen als geheim eingestufte Daten verarbeitet werden dürften, zu denen Aufnahmen aus Kampfzonen gehören. Anders ausgedrückt: Google darf selbst kein sensibles Datenmaterial aus der Drohnenüberwachung analysieren.

Ziel des Pentagon ist aber unzweifelhaft, die automatisierte Analyse von Drohnenmaterial auch im Antiterrorkampf etwa in Syrien und dem Irak zu verwenden. Das geht unter anderem aus der Ankündigung des Projekts durch das Ministerium hervor, in der es heißt: "Die erste Aufgabe des AWCFT ist es, die Automatisierung von Drohnenvideos voranzutreiben, um den Kampf gegen den 'Islamischen Staat' zu unterstützen".

pbe



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
oldman2016 07.03.2018
1. Wenig überraschend
Dass Künstliche Intelligenz auch im militärischen Bereich Einzug findet, kann nun wirklich keinen überraschen. Gerade im Kriegsfalle unterliegt die Lage einer dynamischen Veränderung. Aufklärung ist deshalb äußerst wichtig wie der Einsatz der AWACS-Flugzeuge über Syrien beweist. Im Falle eines Krieges sind neben den klassischen militärischen Zielen wie Flugabwehrstellungen, Radaranlagen und mitlitärisch Stützpunkte auch die Ernergieversorgung und Telekommunikation die ersten Ziele. Da ist zum Schutze der Zivilbevölkerung - auf die der Westen ja höchsten Wert legt - chirurgisch Präzise Angriffe erforderlich. Für kleine Ziele kleine Sprengladungen für Bunker größere. Deswegen macht das Programm der Amerikanner hin zu Atomwaffen mit geringerer Zerstörungskraft durchaus Sinn. Wie gesagt alles zum Schutze der Zilvilbevölkerung. Aber was rede ich, die Militärs wissen das ja alles.
santoku03 07.03.2018
2.
Es ist doch eine gute Sache, wenn militärische Ziele sicherer identifiziert werden können und so Schäden an Zivilisten weitgehend vermieden werden können.
Weltbürger-EU 07.03.2018
3. Spionage und Rechtsstaat
... Überall fliegen, Daten, Infos, Fotos sammeln, usw... Überall hinfliegen ohne Beweis und Gericht hinrichten... Sogar Partner ausspionieren und ausnutzen... Was man unter dem Titel mit "Terror..." erreichen kann ohne das irgendjemand widerspricht... Dann gibt es noch die "lateral Schäden", meistens Kinder und Frauen, die man bewusst in Kauf nimmt, um "verdächtige!", nicht mal Angeklagte, geschweige denn Verurteiltr, hinzurichten...
santoku03 07.03.2018
4.
Zitat von Weltbürger-EU... Überall fliegen, Daten, Infos, Fotos sammeln, usw... Überall hinfliegen ohne Beweis und Gericht hinrichten... Sogar Partner ausspionieren und ausnutzen... Was man unter dem Titel mit "Terror..." erreichen kann ohne das irgendjemand widerspricht... Dann gibt es noch die "lateral Schäden", meistens Kinder und Frauen, die man bewusst in Kauf nimmt, um "verdächtige!", nicht mal Angeklagte, geschweige denn Verurteiltr, hinzurichten...
Sorry, seit wann muss man denn ein Gericht bemühen, um in einem Krieg gegnerische Kombattanten anzugreifen? Von "hinrichten" kann ja in dem Zusammenhang wohl gar keine Rede sein. Und was die Kollateralschäden betrifft, sollten Sie vielleicht mal lieber den IS und die Taliban kritisieren, als die USA. Die sind wenigstens bemüht, solche weitgehend zu vermeiden, während die Terroristen sich feige hinter Zivilisten verstecken und auch lieber Zivilisten angreifen als gegnerische Kämpfer.
klausi_maiermüller 07.03.2018
5. Lesen Sie SpiegelOnline!
Zitat von santoku03Es ist doch eine gute Sache, wenn militärische Ziele sicherer identifiziert werden können und so Schäden an Zivilisten weitgehend vermieden werden können.
Bevor sie solche entsetzlichen Ansichten vetreten sollen Sie unbedingt mindestens zwei Artikel/Video von SpiegelOnline verinnerlichen. Dann bekommen Sie eine leichte Ahnung von dem was Privatisierung von Kriegshandlungen bedeutet! http://www.spiegel.de/politik/ausland/blackwater-nachfolger-soeldnerfirma-erschleicht-auftraege-ueber-strohfirmen-a-715694.html http://www.spiegel.de/video/soeldner-armee-der-blackwater-skandal-video-26893.html http://www.spiegel.de/politik/ausland/wer-wirklich-am-irak-krieg-verdient-hat-a-889675.html
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