Filehoster vor Gericht: Google macht sich für Hotfile stark

Sind Filehoster für Urheberrechtsverstöße ihrer Nutzer verantwortlich? Der US-Filmverband MPAA will das rechtlich feststellen lassen. In einem Verfahren bekommt der Hosting-Dienst Hotfile nun Hilfe von Google. Der Konzern fürchtet auch um YouTube.

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Hotfile.com: Geschwindigkeit kostet Geld, so verdienen die Filehoster an Raubkopien mit

Die Schockwellen der Megaupload-Schließung schütteln die Szene der One-Click-Hoster immer noch heftig durch. Nun droht in einem Zivilverfahren in den Vereinigten Staaten neues Ungemach: Der Hosting-Anbieter Hotfile befindet sich im Rechtstreit mit dem US-Filmindustrie-Verband MPAA. Der hatte vor zwei Wochen bei einem Bezirksgericht in Miami beantragt, Hotfile auf gerichtliche Anordnung zu schließen. Der Erfolg der Seite sei ein "direktes Ergebnis des massiven digitalen Diebstahls, den Hotfile begünstigt", zitiert TorrentFreak.com aus der Begründung.

Nun ist dem bedrängten Speicherdienst mit Google ein mächtiger Helfer zur Seite gesprungen. In einem Schriftsatz erklärte der Werberiese, der Filmverband führe das Gericht irre, wenn er behaupte, Hotfiles Angebot falle nicht unter den Schutz des Digital Millennium Copyright Act (DMCA). In diesem Gesetz regelt die "Safe Harbor"-Ausnahmebestimmung, dass ein Portalbetreiber für das illegale Handeln seiner Nutzer nicht haftet, wenn er ausreichende Maßnahmen für Beschwerden anbietet und nach Kenntnis über Verstöße schnell genug handelt.

Diese Regelung, so Google, ermögliche es Unternehmen wie YouTube, Facebook, Twitter oder Wikipedia überhaupt erst, erfolgreich zu arbeiten. Käme die MPAA mit ihrem Anliegen durch, seien diese Geschäftsmodelle in ernster Gefahr. "Ohne den 'Safe Harbor'-Schutz müssten diese (Unternehmen) ihre Arbeitsabläufe fundamental ändern oder hätten es gar nicht erst so weit gebracht", heißt es in dem Schreiben weiter.

Auch Hotfile sei im Grunde nur ein weiterer Service-Provider, der Nutzern die Speicherung ihrer Inhalte anbiete. Die "Safe Harbor"-Regel sehe nicht vor, dass Hotfile oder irgendein anderes Internetunternehmen seinen Service auf etwaige Rechtsverstöße Dritter hin untersuche.

Inwieweit sich diese Darlegung für Hotfile positiv auswirkt, wird die Entscheidung des Gerichts zeigen. Wie wenig Filehoster auf der sicheren Seite sind, zeigt indes ein Urteil aus Deutschland. Hier hatte das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg in der Klage der Gema gegen Rapidshare erst in der vergangenen Woche entschieden, ein Online-Speicherdienst verstoße gegen die Störerhaftung, wenn er "Dritten ohne Zustimmung des Urhebers dessen Werk im Rahmen einer Downloadlink-Sammlung uneingeschränkt im Internet zur Verfügung stellt".

Das Hochladen derartig geschützten Materials sei nicht strafbar, da es so noch nicht öffentlich zugänglich sei. Das sei erst mit der Verbreitung entsprechender Download-Links der Fall. Derartiges Material müsse Rapidshare "proaktiv" aufspüren und die Links löschen.

(Aktenzeichen 5 U 87/09)

meu

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Proaktiv....
kostuek 20.03.2012
Ich sehe es förmlich vor mir, wie Rapidshare in seiner riesigen Datenmenge "proaktiv" (was, bitte schön, heißt proaktiv?) nach Links von Gema oder wen auch immer sucht. Jaja... Generell sollte man im Auge behalten, dass in Deutschland nur die Urteile des Bundesverfassungsgerichtes gesetzgebende Wirkung haben, alle andere Urteile gelten lediglich für den Einzelfall, um den es im Verfahren ging.
2.
niska 20.03.2012
Zitat von sysopSind Filehoster für Urheberrechtsverstöße ihrer Nutzer verantwortlich? Der US-Filmverband MPAA will das rechtlich feststellen lassen. In einem Verfahren bekommt der Hosting-Dienst Hotfile nun Hilfe von Google. Der Konzern fürchtet auch um YouTube. Filehoster vor Gericht: Google*macht sich für*Hotfile stark - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,822439,00.html)
Ein weiteres Günstligsurteil der Medienkammer des OLG Hamburg. Man fragt sich mittlerweile echt warum die sich immer konsequent komplett gegen Logik und Rechtsstaat entscheiden. Ist der Vermieter etwa mit schuld, wenn in seiner Mietwohnung illegale Handlungen vollzogen werden, da er ja einen Schlüssel hat und regelmässig kontrollieren könnte? Die Störerhaftung gehört längst komplett weg. Sie ist rechtsstaatsunwürdig. Wir brauchen keine Sippenhaft.
3.
Bobby Shaftoe 20.03.2012
von jeder datei lassen sich in sekundenbruchteilen footprints anfertigen - und nach denen kann auch in riesigen datenbanken problemlos gesucht werden. nichts anderes macht youtube, und das recht effizient. deshalb werden bei youtube videos auch gerne mal spiegelverkehrt hochgeladen.
4.
kostuek 20.03.2012
Zitat von Bobby Shaftoevon jeder datei lassen sich in sekundenbruchteilen footprints anfertigen - und nach denen kann auch in riesigen datenbanken problemlos gesucht werden. nichts anderes macht youtube, und das recht effizient. deshalb werden bei youtube videos auch gerne mal spiegelverkehrt hochgeladen.
Blöderweise ist Rapidshare nicht Youtube. Wenn ich dort eine Datei in zip-Format hochlade, und diese womöglich noch mit einem Passwort versehe, hat sich das mit der Suche ganz schnell erledigt.
5. Korrekt
sorum11 20.03.2012
Zitat von kostuekBlöderweise ist Rapidshare nicht Youtube. Wenn ich dort eine Datei in zip-Format hochlade, und diese womöglich noch mit einem Passwort versehe, hat sich das mit der Suche ganz schnell erledigt.
Vollkommen richtig. Kein Filehoster hat die geringste Chance, gepackte und mit ausreichendem Passwort versehene Dateien auch nur zu durchleuchten. Sie könnten höchstens mit einem Downloadlimit arbeiten, was aber Kunden vergrault, da auch legale Nutzer Werbevideos, größere Ausarbeitungen usw. ihren Kollegen oder Interessenten zur Verfügung stellen. Ganz schwer zu lösen, das Ganze.
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