Verdacht auf Manipulation Indiens Wettbewerbshüter nehmen sich Google vor

Nach der EU leitet auch Indien ein Wettbewerbsverfahren gegen Google ein. Das Kartellamt in Neu-Delhi wirft dem Konzern Manipulation von Suchergebnissen vor. Es droht eine Milliardenstrafe.

Von Ulrike Putz, Neu-Delhi

Neues Google-Logo: Ärger auch in Indien
AFP PHOTO / GOOGLE

Neues Google-Logo: Ärger auch in Indien


Der Suchmaschinengigant Google könnte ausgerechnet in seinem größten Wachstumsmarkt in ernste Schwierigkeiten geraten. Indiens Kartellamt, die Competition Commission of India (CCI), wirft dem Konzern vor, seine Suchergebnisse zugunsten von Werbekunden und eigenen Produkten zu manipulieren. Das geht aus einem 6000 Seiten langen Bericht hervor, den die Ermittler der Behörde an ihre Vorgesetzten übergeben haben und der am Wochenbeginn an die indische Presse durchgestochen wurde.

Google hat bis zum 10. September Zeit, sich zu den zahlreichen Vorwürfen zu äußern. Vertreter des US-Konzerns müssen dazu persönlich vor der Wettbewerbskommission erscheinen. Am 17. September soll ein Gremium von Indiens obersten Wettbewerbshütern dann entscheiden, ob es den Empfehlungen seiner Ermittler folgt und Googles Methoden als illegal brandmarkt. Beobachtern zufolge könnte dieser Termin sich jedoch verschieben.

85 Prozent aller indischen Suchanfragen

Das Unternehmen steht wegen mehrerer angeblicher Vergehen in der Kritik:

  • Einerseits soll es Werbekunden auf seinen Trefferlisten nach oben schieben und so Mitanbieter zwingen, ebenfalls Werbung zu schalten, wenn sie es noch auf die erste Seite der Suchergebnisse schaffen wollen.
  • Google soll zudem eigene Dienste wie Google Maps und Google Places fördern, indem es sie an prominenter Stelle zeigt. Die CCI nennt das "innovationshemmend", weil es kleineren Konkurrenten das Wasser abgrabe.

Googles Geschäftsgebaren sei deshalb so bedenklich, weil Google den indischen Markt klar dominiere, so die CCI. So habe das Unternehmen zwischen 2009 und 2014 mehr als 85 Prozent aller Suchanfragen in Indien bearbeitet.

1,4 Milliarden Dollar Strafe?

Die Untersuchung des Kartellamts war 2012 durch eine Vielzahl von Beschwerden durch Unternehmen und Verbraucherschützer angestoßen worden. Im schlimmsten Fall könnte der Konzern nach indischem Recht zu Strafzahlungen in Höhe von zehn Prozent seines jährlichen Gewinns verdonnert werden. Das entspräche etwa 1,4 Milliarden Dollar. Auch könnte die CCI das Unternehmen zwingen, sich zumindest in Indien selbst in unabhängige Firmen zu zerlegen. Google kann gegen die Entscheidung des CCI Einspruch einlegen und den Fall vor den Obersten Gerichtshof bringen.

Der Konzern hat verlauten lassen, man prüfe den Report des CCI und sei zuversichtlich, sich im Rahmen der in Indien geltenden Wettbewerbsgesetze zu bewegen.

500 Millionen indische Internetnutzer bis 2017

Angesichts der Tatsache, dass die meisten der Google-Dienstleistungen für chinesische Nutzer gesperrt sind, ist Indien Googles wichtigster Wachstumsmarkt. Schätzungen zufolge wird Indien im Jahr 2017 etwa 500 Millionen Internetnutzer aufweisen. Bereits im kommenden Jahr werden 236 Millionen Inder mit mobilen Geräten online gehen. Google versucht, diese Nutzer mit seinen Android-Handys an sich zu binden.

Auch in Europa läuft ein Wettbewerbsverfahren gegen Google. Vergangene Woche reichte Google offiziell in Brüssel eine Antwort ein, in der der Konzern alle Vorwürfe bestreitet. Die Entscheidung der EU-Kommission, ob das Unternehmen mit Strafen belegt wird und seine Methoden ändern muss, steht nun aus. Auch in Europa könnten Strafen in Milliardenhöhe drohen.

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
MartinHa 02.09.2015
1. Bedenkzeit
6000 Seiten Beschwerde und dann acht Tage, um zu antworten? Wie soll das gehen...
limubei 02.09.2015
2. sehr gut!
Abstrafen, zerlegen oder rauswerfen! Die Inder zeigen, wie man mit den US Kraken umgehen muss. AMAZONS Firmenphilosophie ist - relentless. Bezos - wir werden die Buchhändler jagen, wie Geparden die Gazellen. UBER Chef - hasst Taxifahrer Letztere versuchen gerade in China Fuss zu fassen. Da gabs einen Cartoon in der SCMP. Ein Fahrer mit UBER auf dem Fahrzeug fahrt mit Vollgas durch den Checkpoint auf eine Mauer zu und zeigt den Stinkefinger. So wie sie es in jedem Markt tun. Thailand hat UBER rausgeworfen - gut so! AMAZON ist in USA größer als die nächsten 10 Wettbewerber zusammen. Dass nennt man auch Monopol. Ebenso in Deutschland! In De hat AMAZON mit einer Tochterfirma 90% des Hoerbuchmarktes unter "Kontrolle". 2011 hat AMAZON das Internetantiquariat gekauft. Hier hat AMAZON ein Monopol! Hut ab vor den Indern!
limubei 02.09.2015
3. fuer Google kein Problem
Zitat von MartinHa6000 Seiten Beschwerde und dann acht Tage, um zu antworten? Wie soll das gehen...
die haben ja auch kein Problem mit ihren "Verstößen". Warum sollte da jemand Nachsicht zeigen, etwa so wie europäische Behörden, jahrelanges hin und her. In China ist Google komplett draussen. Ebenso wie Fratzenbuch.
taglöhner 02.09.2015
4.
Zitat von limubeidie haben ja auch kein Problem mit ihren "Verstößen". Warum sollte da jemand Nachsicht zeigen, etwa so wie europäische Behörden, jahrelanges hin und her. In China ist Google komplett draussen. Ebenso wie Fratzenbuch.
Hat in China aber nichts mit den Vorwürfen in Indien und bei uns zu tun, sondern im Gegenteil damit, dass diese Produkte zu gut darin funktionieren, Bürgern zu ermöglichen sich ungefiltert zu informieren und frei zu kommunizieren.
90-grad 02.09.2015
5. Der Rauswurf des Markt-Gockels aus China
Zitat von limubeidie haben ja auch kein Problem mit ihren "Verstößen". Warum sollte da jemand Nachsicht zeigen, etwa so wie europäische Behörden, jahrelanges hin und her. In China ist Google komplett draussen. Ebenso wie Fratzenbuch.
wird u.a. in D als Unterdrueckung des angeblich "freien" Internets verkauft. Die NSA lacht sich bei diesem Begriff sicher ins Daten-Ueberwachungs- u. Spionagefaeustchen. Die Gruende fuer diesen Rauswurf lagen sicher tiefer, aber diese Wahrheit wird dem Michel schlicht vorenthalten!
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