Heikle Reise: Google-Manager Schmidt nach Nordkorea unterwegs

Die US-Regierung ist alles andere als begeistert: Der Google-Spitzenmanager Eric Schmidt trifft heute in Nordkorea ein. Offiziell reist er als Privatmann, doch vor allem will er sich über wirtschaftliche Themen und den Umgang mit sozialen Medien in dem Zensurstaat informieren.

Eric Schmidt: Der Google-Manager reist mit dem Ex-Gouverneur des US-Staats New Mexico Zur Großansicht
AFP

Eric Schmidt: Der Google-Manager reist mit dem Ex-Gouverneur des US-Staats New Mexico

Peking - Es ist eine heikle Reise, die Eric Schmidt an diesem Montag angetreten hat. Der Google-Verwaltungsratschef fliegt nach Nordkorea - als erster Spitzenmanager des weltgrößten Suchmaschinenbetreibers. Er reist mit einem Linienflug von Peking nach Pjöngjang, sagte der frühere Gouverneur des US-Staats New Mexico, Bill Richardson. Schmidt gehöre seiner Delegation an und wolle sich in Nordkorea über Wirtschaftsthemen und den Umgang mit sozialen Medien informieren.

Nordkorea gilt als das Land mit der weltweit striktesten Internetkontrolle, steht laut Machthaber Kim Jong Un aber vor einer "industriellen Revolution". In seiner Neujahrsrede kündigte der Machthaber mehr Investitionen in Forschung und Technologie sowie Computer in allen Schulen an.

"Das ist keine Google-Reise, aber ich bin sicher, dass er sich für wirtschaftliche Themen und den Aspekt der sozialen Medien dort interessiert. Deshalb haben wir uns zusammengetan", sagte Richardson. "Wir werden uns mit politischen Führern treffen. Wir werden uns mit wirtschaftlichen Führern treffen. Wir werden Universitäten besuchen."

"Wir halten den Zeitpunkt des Besuchs nicht für günstig"

Richardson und seine Delegation wollten sich zudem um die Freilassung eines nordkoreanischstämmigen US-Bürgers aus der Haft bemühen. Der Ex-Gouverneur hatte während der Präsidentschaft von Bill Clinton immer wieder heikle außenpolitische Missionen der USA geleitet und reiste bereits mehrfach nach Nordkorea.

Wenige Wochen nach dem Abschuss eines nordkoreanischen Satelliten hatte die Reise von Richardson und Schmidt bei der US-Regierung für Kritik gesorgt. Washington wertet den Abschuss vom 12. Dezember als verdeckten Raketentest und versteht dies als Verletzung von UN-Resolutionen. "Wir halten den Zeitpunkt des Besuchs nicht für günstig und sie kennen unsere Sichtweise", sagte in der vergangenen Woche die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland.

yes/dapd/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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1. optional
verleihnicks 07.01.2013
Was will dieser Kim eigentlich? Kommunistische Marktwirtschaft?
2. gute Idee
ergo_789 07.01.2013
Nordkorea scheint sich unter dem neuen Kim in Mini-Schritten zu öffnen. Es verwundert daher nicht, wenn einer der mächtigsten Internetkonzerne die Lage sondiert. Es könnte unter Umständen diese positive Entwicklung sogar fördern.
3. Soziale Medien?
meinsenf1 07.01.2013
Computer in allen Schulen ja, aber der Ausbau sozialer Medien könnte der Anfang vom Ende dieser geschlossenen Gesellschaft sein.
4. .
markus_wienken 07.01.2013
Zitat von verleihnicksWas will dieser Kim eigentlich? Kommunistische Marktwirtschaft?
Warum nicht? Etwas ähnliches funktioniert in China doch auch ganz gut. Mal sehen wie sich Nordkorea entwickelt.
5.
Mancomb 07.01.2013
Zitat von markus_wienkenWarum nicht? Etwas ähnliches funktioniert in China doch auch ganz gut. Mal sehen wie sich Nordkorea entwickelt.
Naja, "kommunistisch" ist China schon lange nicht mehr. Die Einkommensschere klafft auch hier weit auseinander und die Parteibonzen haben allesamt mehrere Millionen, wenn nicht Milliarden, auf dem Konto. Übrigens hat Nordkorea schon 2009 alle Bezüge zum Kommunismus aus der Verfassung gestrichen und versteht sich nur noch als eine Art Militärstaat: Nordkorea (http://de.wikipedia.org/wiki/Nordkorea#Politisches_System)
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Fotostrecke
Reformversprechen in Nordkorea: Das unberechenbare Regime

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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Karte

Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
REUTERS
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
AP
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)

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