Debatte um Leistungsschutzrecht: Google-Optimierer unterstützen Google

Wie wichtig sind die Websites deutscher Verlage für Google? Laut einer Untersuchung machen sie nur 7,5 Prozent der Top-Treffer bei populären Suchanfragen aus. Das Fazit der Studie: Google verdient sein Geld in Deutschland zum größten Teil ohne Inhalte der Presseverleger.

Google-Screenshot: Kein großes Geschäft mit Presseinhalten? Zur Großansicht
REUTERS

Google-Screenshot: Kein großes Geschäft mit Presseinhalten?

Hamburg - Wie viele Links in Googles gigantischem Index führen zu Inhalten deutscher Verlage? Und wie viel Geld verdient der Konzern mit der Vermarktung von Anzeigen im Umfeld dieser Links? Diese Fragen, die Google nach eigenen Angaben nicht selbst beantworten kann, könnten sehr bald sehr interessant werden.

Denn am Mittwoch will das Bundeskabinett offenbar nach mehreren Verzögerungen das sogenannte Leistungsschutzrecht auf den Weg bringen. Ein Gesetz, das die gewerbliche Nutzung von Presseerzeugnissen durch Suchmaschinen lizenzpflichtig machen soll. Suchmaschinen wie Google müssten dann bei Verlagen eine Erlaubnis einholen, um kurze Textanrisse in den Suchindex aufzunehmen - und könnten dafür zur Kasse gebeten werden. Im nun aktuellen Entwurf, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, gilt dies auch für "gewerbliche Anbieter von Diensten erfolgt, die Inhalte entsprechend aufbereiten".

In der Begründung für das Leistungsschutzrecht heißt es:

"Jedoch ist ein Schutz nur vor systematischen Zugriffen auf die verlegerische Leistung durch die Anbieter von Suchmaschinen geboten, da deren Geschäftsmodell in besonderer Weise darauf ausgerichtet ist, für die eigene Wertschöpfung auf die verlegerische Leistung zuzugreifen."

Braucht Google die Inhalte der Verlage, um Geld zu verdienen? Diese Annahme wird jetzt in einer Studie grundsätzlich in Frage gestellt. Die Studie stammt von den Firmen TRG und Sistrix. Beide verdienen Geld mit Suchmaschinenoptimierung, für beide Unternehmen ist Google deshalb sehr wichtig. Die Firmen kommen zu dem Schluss: "Den überwältigenden Teil seines Geschäfts realisiert Google ohne die Nutzung von Inhalten der Presseverleger."

Weil Google keine Zahlen nennt, haben die Firmen für 15 Millionen populäre Suchbegriffe jeweils mehr als hundert Ergebnisse geprüft. Nur 7,5 Prozent der mehr als 1,5 Milliarden Links sollen laut der Studie auf Verlagsangebote führen. Internetangebote wie Immobilienscout24, die neben Kleinanzeigen auch redaktionelle Inhalte anbieten, wurden dabei nicht als Presseangebote gezählt.

Erstes Ergebnis der Studie: Nur wenige Treffer populärer Suchanfragen verweisen auf die Websites von Presseverlagen. Die Frage nach dem Geldverdienen, ist ungleich schwerer zu beantworten. TRG und Sistrix behalfen sich damit, nachzusehen, auf welchen ersten Trefferseiten mindestens fünf Verlagsangebote und Werbung zu sehen waren. Sie kamen auf 1,1 Prozent.

Insgesamt vermarktet Google nach den Ergebnissen der Studie 55,6 Prozent der 15 Millionen untersuchten Suchbegriffe mit seiner Adwords-Werbung. Die Autoren der Studie stellen fest, dass Google vor allem mit Suchbegriffen wie "Stromvergleich", "Kredite" oder "billig fliegen" Umsatz macht, nicht mit "typischen Presse-Wörtern" wie "USA Wahlkampf", "Olympia 2012" oder "Euro-Rettung". Auch wenn das zweite Ergebnis weniger transparent erklärt wird, erscheint eine Schlussfolgerung der Google-Freunde plausibel: Die Suchmaschine dürfte in Deutschland mehr Geld mit Werbung im Umfeld von Links verdienen, die nicht auf klassische Presseinhalte führen.

SPIEGEL ONLINE wird von TRG in technischen Fragen beraten.

ore/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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1.
Hank_Chinaski 28.08.2012
Zitat von sysopREUTERSWie wichtig sind die Websites deutscher Verlage für Google? Laut einer Untersuchung machen sie nur 7,5 Prozent der Top-Treffer bei populären Suchanfragen aus. Das Fazit der Studie: Google verdient sein Geld in Deutschland zum größten Teil ohne Inhalte der Presseverleger. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,852533,00.html
Die Frage wie wichtig Google für die deutschen Presseverleger ist finde ich ja auch interessant?
2.
niska 28.08.2012
Zitat von sysopREUTERSWie wichtig sind die Websites deutscher Verlage für Google? Laut einer Untersuchung machen sie nur 7,5 Prozent der Top-Treffer bei populären Suchanfragen aus. Das Fazit der Studie: Google verdient sein Geld in Deutschland zum größten Teil ohne Inhalte der Presseverleger. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,852533,00.html
Wenig überraschend, wenn man die Zusammensetzung des Internets und das Konsumverhalten betrachtet. Unabhängig davon wird google einfach sicherheitshalber die die deutschen Inhalte aus dem Index nehmen müssen, um nicht plötzlich vor immensen Forderungen zu stehen. Das wird zur Folge haben, dass man seiner kostenlosen Listung zu Werbezwecken bei google explizit zustimmen muss.
3. Wieso für Werbung bezahlen ?
xyz1234 28.08.2012
Ich versteh das nicht. Google wirbt für eine Webseite und die Betreiber der Webseite wollen dafür Geld? Einfache Lösung die Webseite aus dem Index nehmen und gut ist.
4. Schuss ins eigene Bein
240379 28.08.2012
Zitat von sysopREUTERSWie wichtig sind die Websites deutscher Verlage für Google? Laut einer Untersuchung machen sie nur 7,5 Prozent der Top-Treffer bei populären Suchanfragen aus. Das Fazit der Studie: Google verdient sein Geld in Deutschland zum größten Teil ohne Inhalte der Presseverleger. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,852533,00.html
Die deutschen Verlage werden keinen Cent von Google bekommen. Wer sich nicht nicht kostenlos listen lässt wird einfach aus dem Index entfernt. Nachdem dann die Klickzahlen einbrechen, werden die Verleger winselnd zu Kreuze kriechen und um wiederaufnahme in den Index betteln. Was kümmert es den Mond, wenn der Hund ihn anheult? Niemand hat die Verlage gezwungen ins Netz zu gehen. Falls sie im Netz nicht kostendeckend arbeiten können, müssen sie halt wieder gehen. Bei den meisten wäre es eh kein Verlust.
5. gespannt
bingo` 28.08.2012
Ich bin wirklich gespannt, wie Google damit umgehen wird. Auch meine Meinung ist es, dass die Verlage so sehr von Google bzw. den Suchmaschinen profitieren, dass sie sich hiermit gehörig ins eigene Bein schießen könnten, wenn Google sich quer stellt.
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