Antragsformular im Netz Google setzt "Recht auf Vergessenwerden" um

Google beugt sich dem Urteil des europäischen Gerichtshofs: Der US-Konzern hat jetzt ein Formular ins Netz gestellt, mit dem Betroffene die Tilgung unerwünschter Suchergebnisse beantragen können.

Google-Logo: Tausende Anfragen nach Löschung von Suchergebnissen
AP

Google-Logo: Tausende Anfragen nach Löschung von Suchergebnissen


Mountain View - Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu Löschmöglichkeiten in Ergebnislisten von Suchmaschinen vor gut zwei Wochen hat Google mit der technischen Umsetzung begonnen. Am späten Donnerstag stellte der Suchmaschinen-Gigant ein Formular ins Internet, mit dem Europäer die Löschung unliebsamer Daten beantragen können (den Link finden Sie hier). "Um dem jüngsten Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu entsprechen, stellen wir für Europäerinnen und Europäer ein Webformular zur Verfügung, mit dem die Entfernung von Ergebnissen aus unserer Suchmaschine beantragt werden kann", erklärte ein Google-Sprecher dazu.

Die Antragsteller müssen die Forderung zu jedem Link begründen und die Kopie eines Ausweises hochladen, um einen Missbrauch der Funktion zu vermeiden. Google werde jede Anfrage individuell prüfen und zwischen den Datenschutzrechten des Einzelnen und dem Recht der Öffentlichkeit auf Auskunft und Informationsweitergabe abwägen, hieß es.

Die Initiative findet nach einem Bericht der "Financial Times" auch bei großen US-Unternehmen Beachtung, die wie etwa der Sportartikel-Hersteller Nike in der Vergangenheit wegen umstrittener Geschäftsmethoden - etwa der Ausbeutung von Arbeitskräften in Entwicklungsländern - stark unter Druck geraten sind. Google ist nach ihrer Überzeugung einer der wichtigsten Multiplikatoren von Initiativen, die andererseits allenfalls eine regional begrenzte Wirkung entfalten würden.

Wann die Löschung tatsächlich vollzogen wird, wurde nicht mitgeteilt. Einem Insider zufolge hat Google bereits Tausende Anfragen erhalten. Das Urteil zwinge Google, schwierige Entscheidungen zu treffen zwischen dem "Recht des Einzelnen auf Vergessenwerden" und dem Informationsrecht der Öffentlichkeit, sagte der Sprecher.

Ein Beraterausschuss soll dem Konzern künftig helfen, zwischen beiden Interessen die Waage zu halten. Ihm gehören Ex-Konzernchef Eric Schmidt, Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, Experten der Universitäten von Oxford und Leuven (Belgien), Spaniens ehemaliger oberster Datenschützer José Luis Pinar sowie der Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung, Frank La Rue, an.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte Mitte Mai entschieden, dass Internet-Suchmaschinen wie Google bei einer Suche nach einem Namen in bestimmten Fällen nicht alle Treffer anzeigen dürfen. EU-Bürger können von Suchmaschinenbetreibern verlangen, dass sie Links nicht mehr anzeigen, wenn die Inhalte ihre Persönlichkeitsrechte verletzen. Lehnen die Suchmaschinenbetreiber dies ab, können Betroffene die zuständigen Datenschutzbeauftragten einschalten oder klagen.

Von dem Urteil sind zwar auch andere Suchmaschinenbetreiber wie Yahoo oder Microsoft betroffen. Allerdings laufen mehr als 90 Prozent der europäischen Suchanfragen über Googles Server.

mik/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 78 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bürger_dieses_landes 30.05.2014
1. Der Nutzen?
Dieses angebliche Recht auf Vergessenwerden wird lediglich die Nutzung mehrerer Suchmaschinen, - oder die Gründung neuer -, zur Folge haben, solange unerwünschte Daten im Web nicht am Ursprung gelöscht werden. Alles nur eine unnötige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.
whiteelephant1 30.05.2014
2. Warum...
...fällt der EuGh nicht mal ein solches Urteil gegen die NSA?
molldur 30.05.2014
3. Lol...
"...die Kopie eines Ausweises hochladen." Bei Google... gnmpf... da muss man eine Löschung ja sehr nötig haben.
cryn 30.05.2014
4.
Vielen Dabk den Klägern und Richter! Ihr macht es mir nicht leichter die Wahrheit aus dem Internet zu erforschen, wenn negative Schlagzeilen gelöscht werden.. Hoffentlich kommt Zeitnah ein Google clon *g* -.
Peter Werner 30.05.2014
5.
Man kann jedem Betreiber von Internetseiten / Internetdiensten nur den Ratschlag geben, um Europa bzw. dortigen Firmensitzen / Niederlassungen einen großen Bogen zu machen. Der Betrieb von innovativen Geschäftsideen ist dort - auf Grund der immer weiter umsichgreifenden Regulierung - schlicht nicht (mehr) möglich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.