Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Google, Twitter, Facebook: Die Netz-Hippies werden selbstgerecht

Von

"Don't be evil!" Im Silicon Valley glaubt man noch an das Gute - in sich selbst. Nicht nur Google, auch die Gründer von Facebook und Twitter preisen sich für ihre Wohltätigkeit. Das liegt an den Hippie-Wurzeln der New Economy, doch aus ehrenhafter Gesinnung wird schnell gefährliche Selbstgerechtigkeit.

Altamont-Festival: Hippie-Kultur, Wurzel der Web-Ideologen Zur Großansicht
AP

Altamont-Festival: Hippie-Kultur, Wurzel der Web-Ideologen

Vermutlich ist Kevin Kelly an allem schuld. Hätte der erste "Wired"-Chefredakteur nicht 1994 ein Buch namens "Out of Control" geschrieben, in dem er eine neue Ära gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Organisation prophezeite, gäbe es heute vielleicht weniger Naivität und Heuchelei im Silicon Valley.

Kelly erfand eine Vorstellung von unternehmerischem Handeln, die bis heute in den Köpfen vieler Internet-Firmengründer herumspukt. Der "Harvard Business Review" paraphrasierte sie 1994 so: "Die Erfordernisse wirtschaftlichen Wettbewerbs mit einer Sehnsucht nach persönlicher Befriedigung und demokratischer Teilhabe zu vermählen." Kelly glaubte, dass Unternehmen, wenn man sie nur richtig, nämlich dezentral und vernetzt organisiert, im Wortsinne "gut" sein könnten.

Genau diese Vorstellung durchweht das Silicon Valley bis heute - was einerseits den naiven Charme so vieler Start-ups ausmacht, andererseits aber zu wachsender Heuchelei bei vielen führt, die das Netz derzeit unter sich aufzuteilen versuchen.

Kelly und viele seiner Mitstreiter, die in den achtziger und neunziger Jahren netzphilosophische Utopien formulierten, waren Ex-Hippies. Als John Perry Barlow - einst Songtexter für "The Grateful Dead" - 1996 seine berühmt gewordene "Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace" formulierte, klang das noch ganz nach dem Geist der Gegenkultur. Er schleuderte den "Regierungen der industriellen Welt, den müden Giganten aus Fleisch und Stahl" Sätze voller Pathos entgegen: "Wir erschaffen eine Welt, die jeder betreten darf, ohne Privilegien oder Vorurteile aufgrund von Rasse, wirtschaftlicher Macht, militärischer Gewalt oder Stand. Wir schaffen eine Welt, in der jeder, an jedem Ort, seine oder ihre Überzeugungen ausdrücken darf, egal wie einzigartig sie sein mögen, ohne Furcht davor, zum Schweigen oder zur Anpassung gezwungen zu werden."

Heute sieht die Welt des Netzes etwas anders aus. Konzerne diktieren Anbietern von Software und Inhalten ihre Bedingungen, totalitäre Regimes zensieren, reglementieren und überwachen das Netz, so gut sie können.

"Eine Kraft, die Gutes bewirkt"

Die Hippie-Rhetorik der Web-Visionäre von damals ist aber nicht verklungen - ihr Echo findet sich in den Mission Statements und Bekenntnissen vieler Netzunternehmen von heute.

Googles (inoffizielles) Motto ist bekanntlich "Don't be evil" - auch wenn das manchem im Unternehmen schon nicht mehr so recht behagt.

Wenn man Facebook-Gründer Mark Zuckerberg fragt, was sein Ziel ist, spricht er am liebsten vom "Sharing", vom Teilen und Mitteilen, von gemeinsamem Nutzen. Geld stehe für ihn nicht so im Vordergrund.

Twitter-Mitgründer Evan Williams kassierte vor einigen Tagen Häme, weil er bei einer Podiumsdiskussion verkündete, ein Ziel seines Unternehmens sei es, eine "Kraft, die Gutes bewirkt", zu sein. Ein Schelm, wer dabei an Goethes Mephisto denkt.

Dass Unternehmen und ihre Protagonisten öffentlich bekennen, sie seien primär an Geld interessiert, an Moral aber weniger, erwartet niemand. Mit so viel Inbrunst und humanistischem Gestus wie im Silicon Valley aber wird nirgends von der eigenen Mission gesprochen. Gerade bei fremdfinanzierten Unternehmen, deren erstes Ziel es nun einmal per definitionem ist, ihre Anteilseigner zufrieden zu stellen, führt das zu Verrenkungen. Das Gerede von der eigenen Wohltätigkeit ist im besten Fall Naivität, im Zweifel routiniertes Marketing-Bla-bla und im schlimmsten Fall schlicht Heuchelei.

"Wir haben das Übel abgewogen"

Google-Spitzenfrau Marissa Mayer wäre es womöglich lieber, die Firmengründer hätten das Motto im Geiste Kellys und Barlows nicht in die Welt gesetzt. Sie reagierte ein bisschen genervt, als ein australischer Journalist sie 2008 mal wieder auf "Don't be evil" ansprach. Das sei ja eigentlich gar kein "ausgewähltes, bestimmtes Motto" gewesen, gab Mayer zurück. Und es sei immer "sehr einfach, mit dem Finger darauf zu zeigen, wenn Google etwas macht, was ihnen persönlich nicht gefällt".

Als jemand Google-Chef Eric Schmidt 2006 auf die freiwillige Selbstzensur seines Unternehmens im Dienste der chinesischen Regierung ansprach, sagte er, man habe "das Übel abgewogen und entschieden, dass es ein noch schlimmeres Übel gewesen wäre, den Nutzern dort gar nicht zu dienen". Heute sieht Google das aus irgendwelchen Gründen anders - die womöglich auch mit dem mangelnden wirtschaftlichen Erfolg in der Region zusammenhängen.

Auch Gut und Böse sind eben eine Frage des Standpunktes. Twitter-Gründer Evan Williams ist derzeit noch in einer komfortableren Situation als die Google-Führungsspitze, was das Gutsein angeht: Er kennt seine etwa 140 Mitarbeiter vermutlich noch persönlich. Und er ist keinen gesichtslosen Aktienbesitzern und institutionellen Anlegern verpflichtet, sondern nur einer Gruppe von Wagniskapitalgebern.

Die aber haben bisher immerhin 160 Millionen Dollar in sein nach wie vor nicht profitables Unternehmen gesteckt - und wollen zweifellos eines Tages ein Return on Investment sehen.

Es ist durchaus glaubhaft, dass Williams, Zuckerberg und andere von den menschheitsbeglückenden, weltverbessernden Eigenschaften ihrer Dienste überzeugt sind. Gleichzeitig ist es beunruhigend, wenn Unternehmer, die eben Unternehmen und keine Wohltätigkeitsorganisationen führen, so öffentlich über das Gute in sich selbst sinnieren.

Gewohnt zynisch, aber durchaus treffend formulierte es "TechCrunch"-Chefblogger Michael Arrington: Solche Sprüche könnten ein Anzeichen dafür sein, "dass sich hinter den Kulissen eine gehörige Portion Selbstgerechtigkeit zusammenbraut".

"Gefährliche Kultur der Selbstgerechtigkeit"

Genau das vermutet inzwischen mancher bei Google - zum Beispiel "Fortune"-Redakteur Jon Fortt. Google halte sich offenbar für einzigartig, schrieb er kürzlich und warf die Frage auf, ob das dem Unternehmen einen "dauerhaften moralischen Kompass verleihen" werde oder "nur eine gefährliche Kultur der Selbstgerechtigkeit".

Anlass für Fortts Überlegungen war eine Rede, die Google-Chef Schmidt bei einer Medienkonferenz in Abu Dhabi gehalten hatte. Dort sagte er unter anderem, Google sei nicht wie andere börsennotierte Unternehmen, weil er selbst und die Gründer immer noch die Mehrheit der stimmberechtigten Anteile hielten. Man sehe sich selbst "als Firma mit einer Mission in Sachen Information, nicht mit einer Mission in Sachen Umsatz oder Profite".

Google-Anteilseigner sehen das möglicherweise anders. Bisher haben sie bloß wenig Grund zur Klage. Wie viel aber wäre Googles Güte noch wert, wenn der Konzern Verluste machen würde oder weniger stark weiterwüchse?

Das stets besonders boshafte Blog Valleywag nahm Schmidts Rede zum Anlass, "sechs Wahnvorstellungen von Googles arroganter Führungsspitze" aufzulisten. Da wurde etwa darauf hingewiesen, dass es nicht eben nutzerfreundlich war, für die Einführung des Social-Networking-Dienstes Buzz die gesamte Google-Mail-Nutzerschaft zu unfreiwilligen Betatestern zu machen - und dabei auch noch gravierende Datenschutzverletzungen zu begehen.

Google steht mit solchen Aktionen keineswegs allein. Auch Facebook bezog nach der jüngsten unternehmensdienlichen Privatsphären-Rückbildung zu Recht ordentlich Prügel. Twitters jüngste Ankündigung, man werde künftig auch auf Partnerseiten Tweets absetzen können, dient auch in erster Linie den eigenen Interessen und denen der kommerziellen Partner - nicht denen der Nutzer. All diese Unternehmen handeln nicht zuletzt zum eigenen Nutzen.

Unternehmen handeln nach den Gesetzen des Marktes

Wer sich aber selbst für gerecht hält, nimmt Kritik oft persönlich. Das gilt für die Web-Konzerne im besonderen - deren Mitarbeiter identifizieren sich oft sehr stark mit ihrem Arbeitgeber.

Man muss ja nicht gleich so weit gehen wie der kanadische Juraprofessor Joel Bakan. Er vertrat in seinem Buch "The Corporation" und im gleichnamigen Dokumentarfilm die These, moderne Aktiengesellschaften seien "so beschaffen, dass sie wie eine psychopathische Persönlichkeit funktionieren": ohne Rücksicht auf andere, ausschließlich auf den eigenen Vorteil bedacht.

Fakt ist: Unternehmen treffen in der Regel Entscheidungen, die in erster Linie ihnen selbst nutzen. Tun sie das nicht, überleben sie nicht auf Dauer. Solange dieser Nutzen für das Unternehmen sich mit dem für die Gesellschaft, für Kunden oder Nutzer deckt, haben alle etwas davon (außer der Konkurrenz).

Doch im Laufe der Entwicklung vieler Branchen kommt irgendwann der Punkt, an dem manche Entscheidung womöglich doch mehr dem Unternehmen dient als dem Rest der Welt. Manager können sich bemühen, so etwas zu vermeiden. Manchmal aber sind die Anforderungen des Marktes oder der eigenen Geldgeber stärker als persönliches Moralempfinden.

Um Auswüchse zu vermeiden, braucht es staatliche Verfügungsgewalt - der Markt allein regelt eben nicht alles zum Besten. Demokratische Staaten haben zur Kontrolle der Macht Verfassungen und die Gewaltenteilung. Konzerne sind in der Regel autokratisch organisierte Gebilde, in denen am Ende anschafft, wer zahlt.

Wer wirklich wohltätig sein will, sollte seine Energie in Wohltätiges stecken. Dass das Netz auch dafür Möglichkeiten bietet, zeigt Wikipedia. Nebenaktivitäten wie Google.org oder die Gates-Stiftung sind löblich und begrüßenswert - sie ändern aber nichts daran, dass die Unternehmen, die sie finanzieren, nach den Gesetzen des Marktes handeln.

Wenn Firmenchefs das eigene Unternehmen als Wohltäter der Menschheit preisen, weckt das eher Miss- als Vertrauen. Insbesondere, wenn es sich um Web-Konzerne handelt, deren Geschäftsmodell ganz maßgeblich darauf basiert, Aufmerksamkeit, private Daten und digitale Lebensäußerungen ihrer Nutzer zu Geld zu machen.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Natürlich steht der Gewinn an erster Stelle
lupo.55 19.03.2010
Wobei Gewinn nicht nur Geld bedeutet, sondern auch in Form von Macht, Ansehen und Einfluss daher kommt. Über den Sinn und Unfug von "social media" kann man verschiedener Meinung sein, alleine der Betrieb und die Werbung dafür kostet Geld, und zwar keine Cyber Dollar. Linux und Open Office sind Beispiele dafür, wie machtvoll eine Entwicklung vorangetrieben werden kann, wenn viele user mitarbeiten. Aber am ende des Tages werden Konzerne wie sun versuchen, die Produkte unter ihre Kontrolle zu bekommen und auszubeuten. Übrigens gibt es keine ernsthafte Theorie, die einen offenen Markt als demokratisch betrachtet. Im Gegenteil, Märkte neigen immer zur Klumpung von Interessen. Ob Kartell, marktbeherrschende Stellung oder anders benannt, nur im Monopol kann man so richtig satt Geld verdienen, weil dann die Konkurrenz ausgeschaltet ist. Der Propaganda Spruch "Der Markt wird es richten" bezieht sich nur auf eine kurze Zeitspanne am Beginn einer Entwicklung, der von interessierte Seite dann zur Verteidigung von Ungleichgewichten und Pfründen mißbraucht wird. Im Sinne dieses Artikels muss man wohl sagen, dass kein Anbieter von social media bisher Gewinne macht, und eine Änderung ist eher nicht in Sicht. Woher auch? Da kann man sich leicht liberal geben. Dumm wer´s glaubt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Produkte, die Google nie veröffentlichen wollte

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil


Marktanteile der Tech-Riesen
Suchmaschinen (Desktop)
Google 75,68%
Baidu 11,95%
Yahoo 5,92%
Bing 4,24%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Suchmaschinen (Mobil)
Google 88,35%
Yahoo 6,63%
Baidu 3,34%
Bing 1,08%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Desktop)
Microsoft Internet Explorer 58,35%
Firefox 23,72%
Chrome (Google) 11,50%
Safari (Apple) 4,15%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Mobil)
Safari (Apple) 54,03%
Opera Mini 21,42%
Android Browser 12,74%
Symbian 6,89%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Desktop)
Windows 91,92%
Mac 6,92%
Linux 1,16%
*weltweit, erhoben auf der Webbrowser-Angabe zum user-agent Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Mobil)
Android (Google) 49,7
iOS (Apple) 30,1
Symbian 6,9
RIM 2,1
Nokia 1,8
andere 9,4
Marktanteil an Smartphone-Betriebsystemen im März 2011 in Deutschland (%). Quelle: InMob Mobile Insights, Basis der Auswertung sind 518,7 Millionen inMobi-Werbeeinblendungen auf Mobilgeräten in Deutschland im März 2011 und 470,3 Millionen Werbeeinblendungen im Januar
Werbung
Umsatz gesamt* Umsatz Google* Anteil Google (in %)
Internet 72,842 36,531 50,15
Magazine 43,122 0
TV 184,29 0
Zeitungen 91,495 0
gesamt 458,385 36,531 7,97
*Werbeumsätze 2011, weltweit in Mrd. Dollar, veröffentlicht von ZenithOptimedia 15. März 2012, Googles Werbeumsatz im Jahr 2011
Webnutzer
Angebot Unique Visitors (Mio.) Ø-Stunden
Webnutzer gesamt 366,8 26,75
Google 333,4 3.,14
Microsoft 270,8 3,22
Facebook 240,0 5,43
Wikimedia 161,3 0,22
Yahoo 141,0 1,23
eBay 107,6 0,99
Amazon 91,4 0,27
Top 30 Online Portale in Europa nach Gesamtzahl der Unique Visitors. Mai 2011, Internetnutzer in Europa, Alter 15+, Zuhause und am Arbeitsplatz; Quelle: comScore Media Metrix
Twitter
Prinzip
zu Deutsch zwitschern oder schnattern, ermöglicht es, kurze Textnachrichten als Mikroblog per SMS, Instant Messaging oder Web-Oberfläche zu veröffentlichen. Andere Nutzer können diese Meldung beispielsweise mit ihrem Mobiltelefon oder RSS-Reader verfogen. Der Dienst heißt Twitter, die SMS-ähnlichen Nachrichten Tweets. mehr zu Twitter auf der Themenseite
Geschäft
Twitter hat bislang kein Erlösmodell. Im Gespräch sind Werbung oder kostenpflichtige Twitter-Accounts für Unternehmen. Ende 2008 lehnte CEO Evan Williams ein Übernahmeangebot über 500 Millionen Dollar von Facebook ab. Akute Geldsorgen hat die Firma dennoch nicht - 55 Millionen US-Dollar Risikokapital hat das Unternehmen seit Gründung erhalten, zuletzt brachte eine Finanzierungsrunde noch einmal 35 Millionen US-Dollar.
Dienste von SPIEGEL ONLINE

Facebook: Das Weltnetz
Mitglieder
Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach Angaben von Goldman Sachs hatte Facebook Anfang 2011 600 Millionen Mitglieder weltweit, nach eigenen Angaben loggt sich jeden Tag die Hälfte von ihnen auf der Seite ein (Stand: Januar 2011).
Plattform
Seit Mai 2007 können externe Entwickler auf Nutzerdaten zugreifen, wenn die Facebook-Mitglieder dem zustimmen. Seit die Plattform für externe Entwickler geöffnet wurde, wächst das Angebot des einstigen Studentennetzwerk rasant – die Nutzer können aus mehreren tausend kostenloser Anwendungen wählen – Spielen, Fotoverwaltern, Programmen zum Abgleich von Lese-, Film- und Musikvorlieben zum Beispiel.
"Mir gefällt das"
Facebook überall: Die "Mir gefällt das"-Funktion können Website-Betreiber auf ihren eigenen Seiten einbauen. Mit einem Klick teilen Facebook-Nutzer ihren Freunden mit, was ihnen gefällt. Im Gegenzug kann Facebook Werbung gezielter schalten - und weiß, welche Seiten die Mitglieder ansurfen.
Geschäft
Der Umsatz von Facebook lag 2009 schätzungsweise bei 800 Millionen Dollar. Als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im November 2007 bei einer Präsentation in New York 250 Werbekunden ein "Interface, um Erkenntnisse über die Facebook-Aktivitäten von Mitgliedern zu sammeln, die fürs Marketing relevant sind", versprach, brach ein Proteststurm los.
Firmenwert
Facebook hat Google 2010 als meistbesuchte Website in den USA überholt. Anfang 2011 investierten die US-Großbank Goldman Sachs und die russische Beteiligungsgruppe Digital Sky Technologies 500 Millionen Dollar in das US-Unternehmen. Der Wert des Netzwerks klettert auf 50 Milliarden Dollar.
Hollywood
Der Film zum Phänomen: Die Gründungsgeschichte von Facebook wurde 2010 von David Fincher mit Jesse Eisenberg in der Hauptrolle verfilmt. "The Social Network" zeigt Zuckerberg als soziopathischen Nerd, der Facebook aus enttäuschter Liebe gründet.
Googles Geschichte
1995 - When Larry met Sergey
Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.
1996 - Es begann mit einer Rückenmassage
Die erste Suchmaschine, die Page und Brin gemeinsam entwickelten, hatte den Arbeitstitel "BackRub" (Rückenmassage), weil sie im Gegensatz zu anderen zu dieser Zeit eingesetzten Suchtechniken auch "Backlinks" berücksichtigte, also Links, die auf die entsprechende Web-Seite verwiesen.
1998 - Finanzierung
Nachdem die Versuche gescheitert waren, die eigene Entwicklung an ein Unternehmen wie Yahoo zu verkaufen, entschlossen sich Brin und Page entgegen ihren ursprünglichen Plänen, selbst ein Unternehmen zu gründen. Der Legende nach bekamen sie von Andy Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, einen Scheck über 100.000 Dollar - ausgestellt auf Google Inc., obwohl ein Unternehmen dieses Namens zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Insgesamt brachten die beiden eine Anfangsfinanzierung von knapp einer Million Dollar zusammen - was reichte, um in der Garage eines Freundes in Menlo Park, Kalifornien, ein Büro einzurichten und einen Angestellten zu engagieren. Im September wurde das mit einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattete Büro eröffnet - was heute als offizielle Geburtsstunde von Google betrachtet wird.
1999 - Mehr Geld und ein neues Heim
Schon im Februar 1999 zog das rasant wachsende Unternehmen in ein richtiges Bürogebäude um. Inzwischen hatte es acht Mitarbeiter. Erste Firmenkunden bezahlten Geld für Googles Dienste. Am 7. Juni wurde eine zweite Finanzierungsrunde verkündet: Die Wagniskapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers schossen insgesamt 25 Millionen Dollar zu. Noch im gleichen Jahr bezog das Unternehmen den "Googleplex", den Kern des heutigen Hauptquartiers in Mountain View, Kalifornien.
2000 - AdWords
Das Jahr 2000 muss als jenes gelten, in dem Google tatsächlich zu dem gemacht wurde, was es heute ist: dem mächtigsten Werbe-Vermarkter im Internet. Der Start eines "Schlüsselwort-gesteuerten Werbe-Programms" schuf die Basis für den gewaltigen kommerziellen Erfolg von Google. Man benutze "ein proprietäres Anzeigen-Verteilungssystem, um eine der Suchanfrage eines Nutzers sorgfältig angepasste Werbeanzeige beizugeben", erklärt die Pressemitteilung von damals das Prinzip. Die Anzeigen konnten online auf sehr einfache Weise eingekauft werden - AdWords war geboren und brachte sofort Geld ein. Noch heute ist die Vermarktung der Textanzeigen auf der Suchseite die zentrale Säule des Google-Imperiums, die den Löwenanteil aller Umsätze ausmacht. Parallel wurden im Jahr 2000 neue Kunden gewonnen, die Google-Suche in ihre Angebote integrierten, darunter Web-Seiten aus China und Japan. Im gleichen Jahr wurde auch die Google Toolbar veröffentlicht, die es erlaubte, mit Google das Netz zu durchsuchen, ohne auf die Google-Web-Seite zu gehen.
2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt
Schon im Jahr 2001 machte Google Profit - was man von den meisten anderen Start-ups, die zu dieser Zeit noch die Phantasien der Börsenmakler beflügelten, nicht behaupten konnte. Um den Anforderungen eines rasant wachsenden Unternehmens gerecht zu werden, wurde Eric Schmidt, der zuvor schon führende Positionen in Firmen wie Novell und Sun Microsystems innegehabt hatte, im August 2001 zum Chief Executive Officer Googles ernannt.
2002 - Corporate Search, Google News, Froogle
Seit 2002 verkauft Google auch Hardware - Such-Lösungen für die Intranets von Unternehmen. Im September des Jahres wurde die Beta-Version von Google News livegeschaltet, dem Nachrichten-Aggregator, der bis heute für zuweilen böses Blut zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und den Suchmaschinisten sorgt. Ein Algorithmus sammelt Schlagzeilen und Bilder und komponiert daraus nach bestimmten Kriterien eine Übersichtsseite. Im Dezember startete zudem Froogle, eine mäßig erfolgreiche Produkt-Suchmaschine. Heute heißt Froogle schlicht Google Product Search.
2003 - AdSense und Blogger
AdSense ist die zweite wichtige Säule im Google-Anzeigenimperium. Im Jahr 2003 wurde der Dienst vorgestellt, der den Text auf Web-Seiten analysiert und daneben passende Werbeanzeigen platzieren soll. Das System bietet auch Betreibern kleiner Web-Seiten die Möglichkeit, ihre Angebote zu monetarisieren - die Einkünfte werden zwischen Seiteninhaber und Google aufgeteilt. Im gleichen Jahr kaufte Google Blogger, einen großen Blog-Hoster.
2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang
Der Start des E-Mail-Dienstes Googlemail (in den USA Gmail) wurde am 1. April verkündet, mitsamt der Nachricht, dass die Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung haben würden. Es wurde schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte - und dass Google daran selbstverständlich verdienen will. AdSense wurde von Anfang an eingesetzt, um E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und mehr oder minder passende Reklame daneben einzublenden. Im Juli kaufte Google Picasa, ein Unternehmen, das sich auf die digitale Fotoverwaltung spezialisiert hatte. Heute ist Picasa ein On- und Offline-Angebot - Googles Antwort auf Flickr.

Am 19. April konnte man Google-Aktien an der Technologiebörse Nasdaq erstmals kaufen. Eine Aktie kostete 85 Dollar. Heute ist sie knapp fünfmal so viel wert. Mit dem vielen neuen Geld stieß Google noch im gleichen Jahr verschiedene Projekte an - unter anderem Google Print: Mit den Universitäten Harvard, Stanford, University of Michigan, University of Oxford und der New York Public Library kam man überein, Bücher zu scannen, zu digitalisieren und online durchsuchbar zu machen. Im darauffolgenden Jahr wurde Google Print in "Book Search" umbenannt. Inzwischen sind zahlreiche andere Bibliotheken mit im Boot - auch deutsche.
2005 - Google Maps und Google Earth
Im Jahr 2005 kam die Google-Maschinerie richtig in Schwung. In rasantem Tempo veröffentlichte das Unternehmen, das bis zum dritten Quartal auf fast 5000 Mitarbeiter angewachsen war, eine Anwendung nach der anderen. Die im Rückblick wohl wichtigste: Google Maps, der Kartendienst, der die Welt geografisch durchsuchbar machen sollte, und sogleich mit der bis dahin nur mäßig erfolgreichen lokalen Suche Google Local verschmolz. Die im Jahr zuvor angekaufte Satellitenkapazität kam nun zum Einsatz: Sie bot die heute beinahe selbstverständliche Möglichkeit, Satellitenfotos statt abstrakter Karten anzusehen. Später im Jahr kam auch noch die Desktop-Software Google Earth, Googles Digitalglobus. Außerdem starteten: die "personalisierte Homepage", die heute iGoogle heißt, Googles Video- und Fotosuche, die Voice-over-IP und Instant-Messaging-Lösung Google Talk, der bis heute ziemlich glücklose Kleinanzeigendienst Google Base, ein eigener RSS-Reader. Und: Google kaufte das Unternehem Urchin und verwandelte dessen Webtraffic-Analysemethoden in sein Angebot Google Analytics. Damit bot das Unternehmen nun erstmals die vollständige Dienst-Palette einer Netz-Mediaagentur, eines Online-Werbevermarkters.

Die Geschäfte liefen auch 2005 hervorragend für Google - so gut, dass man eine Partnerschaft mit dem strauchelnden Online-Dinosaurier AOL verkünden und eine Millarde Dollar in das Unternehmen investieren konnte.
2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik
Anfang des Jahres stellte Larry Page bei einem Vortrag bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas Google Video vor - und Google Pack, einen ersten, offenkundigen Angriff auf Microsoft, denn das Software-Paket enthielt diverse Anwendungen, die als Konkurrenzprodukte zu Microsofts Angebot gelten können. Gegründet wurde die Wohltätigkeitsorganisation Google.org, an den Start gingen außerdem der Finanzinformationsdienst Google Finance und die Paypal-Konkurrenz Google Checkout. Vor allem aber ist 2006 das Jahr, in dem man bei Google ernsthaft damit begann, Office-Anwendungen ins Web zu verlegen. Neben dem Google-Kalender wurde am Jahresende auch Google Docs & Spreadsheets livegeschaltet. Zuvor hatte Google Upstartle gekauft, ein Unternehmen, das bis dahin das Online-Textverarbeitungsprogramm Writely hergestellt hatte - nur eine von mehreren Akquisitionen. Auch SketchUp (3-D-Gebilde für Google Earth) und die Wiki-Plattform JotSpot wurden 2006 ins Google-Reich integriert.

Der prominenteste Ankauf des Jahres war jedoch YouTube: Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für die Videoplattform und holte sich so Konkurrenz zum eigenen, eben erst gestarteten Videoangebot ins Haus. Zudem wurde eine Werbe- und Suchpartnerschaft mit dem eben von Rupert Murdoch aufgekauften MySpace verkündet: Google stieg endlich ernsthaft ins Geschäft mit dem Web 2.0 ein.

Parallel verlor Google in den Augen vieler Nutzer seine Unschuld: mit dem Start einer eigenen Suchmaschine für China, die sich den Zensurwünschen der dortigen Regierung beugt. Eine Tibet-Unterstützergruppe rief eine Initiative namens "No love 4 Google" ins Leben - und fasste damit einen globalen Meinungsumschwung zusammen. Der Engelsglanz des vermeintlich anderen, besseren Unternehmens, den Google lange hatte aufrechterhalten können, schwand nach und nach.

Ende 2006 hat Google mehr als 10.600 Angestellte.
2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android
Im Februar wird Googles E-Mail-Dienst für alle geöffnet - bis dahin brauchte man eine Einladung, um seine E-Mails von AdSense nach Schlüsselwörtern durchsuchen zu lassen.

Vor allem aber ging Google 2007 auf Einkaufstour - in seinem Kerngeschäftsbereich, der Online-Werbung. Zunächst wurde Adscape, ein Spezialist für Werbung in Computerspielen, aufgekauft, dann DoubleClick. Über drei Milliarden Dollar ließ man sich den Online-Anzeigenvermarkter kosten - und eine Menge Ärger. Erst im März 2008 segnete die EU-Kommission den Kauf ab. Datenschützer sehen Google seit der DoubleClick-Akquisition noch kritischer, denn das Unternehmen ist nicht zuletzt darauf spezialisiert, möglichst gründlich Nutzerdaten zu sammeln, um personalisierte Werbung servieren zu können.

Außerdem schickte Google 2007 seine Foto-Autos los: Für die Maps-Erweiterung Streetview fuhren die Kamera-Mobile zunächst durch US-Großstädte - im Jahr 2008 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Außerdem beginnt Google verstärkt, Fühler in Richtung der alten Medienwelt auszustrecken - es gibt Testläufe für Werbevermarktung im Radio, in Print-Publikationen und im traditionellen Fernsehen.

Schon seit Jahren hatte Google verschiedene seiner Dienste in speziellen Handy-kompatiblen Versionen angeboten - Ende 2007 kam dann der ganz große Schritt in die mobile Welt: Das Handy-Betriebssystem Android wurde angekündigt, ein Open-Source-Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Telekommunikationsanbietern und Handy-Herstellern.

Ein weiteres Open-Source-Projekt soll Google den Zugriff auf das Vermarktungspotential der Social Networks erleichtern: Die Plattform OpenSocial soll Netzwerkapplikationen transportabel machen, so dass sie bei MySpace genauso laufen können wie bei Xing. Die meisten der großen Communitys sind OpenSocial beigetreten - bis auf Facebook.
2008 - Knol, Chrome und kein Ende
Im laut offizieller Zeitrechnung zehnten Jahr seiner Existenz lässt die Suchmaschine im Tempo nicht nach. 2008 wurden eine kollaborative Wissensplattform (Knol), eine 3-D-Chatanwendung (Lively), Straßenansichten für noch mehr Großstädte - und ein eigener Google-Browser gestartet.

Gleichzeitig wächst die Kritik am Suchmaschinengiganten. Die immer neuen Projekte scheinen vielen Nutzern und Datenschützern inzwischen Ausdruck eines gewaltigen Datenhungers - sowohl auf persönliche Informationen über die Nutzer als auch auf nahezu jede beliebige Art von Information, die dem gewaltigen Weltarchiv Google einverleibt werden könnte. Der Google Leitspruch "Don't be evil" hat für manche inzwischen einen hohlen Klang, und die Missionserklärung, man wolle "alle Information der Welt organisieren", klingt zuweilen eher wie eine Drohung.


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: