Problematische Suchergebnisse So will Google gegen Hass und Falschmeldungen vorgehen

Googles Prüfteams sollen laut einer neuen Richtlinie verstörende, beleidigende oder falsche Inhalte genauer markieren. Die Qualität der Suchergebnisse soll so steigen.

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Google arbeitet offenbar daran, Websites mit verstörenden, beleidigenden und rassistischen Inhalten stärker aus den Suchergebnissen zu filtern. Mit einer neuen Richtlinie will der Konzern erreichen, dass auf den oberen Plätzen der Ergebnislisten keine Websites auftauchen, die zu Gewalt aufrufen und die gegen Minderheiten und bestimmte Volksgruppen hetzen. Außerdem scheint Google gegen Fake News vorzugehen, also bewusst verbreitete Falschmeldungen.

Das Unternehmen hat seine Richtlinien angepasst, die weltweit an rund 10.000 Teams verteilt worden sind. In dem rund 200 Seiten umfassenden Werk hat Google nun eine neue Kategorie mit der Bezeichnung "verstörend und beleidigend" eingeführt. Das berichtet unter anderem das Portal "Search Engine Land".

Die Mitarbeiter in diesen Teams kontrollieren die Qualität der Google-Suchergebnisse und markieren Websites mit Schlagwörtern. Die Änderungen sollen es den Mitarbeiter ermöglichen, Websites mit wirklich passenden Begriffen zu kennzeichnen. Bisher mussten die Qualitätsprüfer die Inhalte unter anderem mit den Begriffen "Pornografie", "Fremdsprache" und "lädt nicht" markieren.

Außerdem beurteilen die Teams die Qualität von Seiten. Wie es in dem Bericht heißt, sollen die Mitarbeiter etwa Nachrichtenseiten "mit sieben Pulitzer-Preisen" eine hohe Qualität bestätigen - im Gegensatz zu Portalen, die Artikel mit vielen Grammatik- und Zeichensetzungsfehlern veröffentlichen.

Einfluss nur indirekt spürbar

Die Ergebnisse der Prüfteams wirken sich allerdings nicht direkt auf die Bewertung einer Website aus. Stattdessen wird die Auswahl als einer von vielen Faktoren in den Google-Suchalgorithmus eingespeist. Google hofft offenbar, dass durch die Anpassungen Websites mit vertrauenswürdigen Inhalten in den Suchergebnissen weiter nach vorn geschoben werden.

Als Beispiel für die Prüfer wird in den Richtlinien die Suche nach der Geschichte des Holocaust aufgeführt. Google gibt darin vor, dass ein Text mit dem Titel "Zehn Gründe, warum der Holocaust nicht passiert ist" eindeutig in die Kategorie der rassistischen Inhalte fällt - wegen Antisemitismus und Holocaustleugnung. Ein Suchergebnis aus dem Themenbereich beim Fernsehsender "History Channel" hingegen sei nicht als anstößig zu kennzeichnen.

Wegen Hassbotschaften und Falschmeldungen im Netz geraten Unternehmen wie Google und Facebook in Europa immer mehr unter Druck. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters wollen europäische Verbraucherschutzbehörden die Tech-Unternehmen nun auffordern, ihre Nutzungsbedingungen anzupassen. Dazu liefen derzeit Gespräche. Sollten die Firmen nicht auf die Forderungen reagieren, würden ihnen Strafen drohen, berichtet gegenüber Reuters eine Person, die mit den Vorgängen vertraut sein soll.

jbr/AP/rtr



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
vox veritas 17.03.2017
1.
Ich verstehe ja, was damit beabsichtigt wird. Ich befürchte jedoch, daß wir eines Tages aufwachen werden und feststellen müssen, daß wir uns selbst ein goldenen Käfig gebaut haben, aus dem wir nicht mehr rauskommen. So hat zuletzt Frau Künast bemängelt, daß das Gesetz von Herr Maas gegen Hatespeech auf Social Media nur gegen strafbare Inhalte gerichtet ist und dies nicht noch lange nicht ausreichend sei. Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/gesetz-gegen-hasskommentare-kuenast-beklagt-fokussierung.1939.de.html?drn:news_id=721566
latrodectus67 17.03.2017
2. Ausgezeichnet
ich hoffe damit kann man dann auch Parteien und alle deren Mitglieder auf Zeit und Ewigkeit ausblenden, die mit Alternative Facts wie der "0+2=3" Steuerlüge 2005 hausieren gingen. Schliesslich sind Unwahrheiten während des Wahlkampfes ja des Teufels und werden von Blendern, Demokratiefeinden und Populisten verbreitet. Oder sind Fake News und Alternative Facts nur dann schlimm wenn sie von Trump kommen?
Spiegelwahr 17.03.2017
3. Google als Manipulator
Durch das vorsetzliche Unterdrücken von Informationen werden die Menschen mit unzureichenden Information versorgt. Somit können die Menschen keine Wahlentscheidung mehr auf Tatsachen richtig in ihren eigenen Intresse treffen. Wenn ich meine demokratischen Rechte auf Grund des Fehlen von Information wahrnehmen will, warum soll ich wählen, wenn ich nicht abschätzen kann, was die Folgen meiner Wahlentscheidung sind. Demokratie ohne den absolut freien Zugang zu allen Informationen ist keine Demokratie mehr. Denn kein Wähler ist in der Lage eine begründete Wahlentscheidung zu treffen. Noch gilt bei Wahl in Deutschland kein Fraktionszwang wie im Bundestag, auch wenn sich manche Partei sowas wünscht. Wahlen sind keine Lotterie, wo es nur wenige Gewinner und viele Verlierer gibt.
peterpeterweise 17.03.2017
4. Wo anfangen und wo enden?
Natürlich sind Beiträge die ganze Volksgruppen herabwürdigen problematisch. Aber konsequent umgesetzt, müsste dann auch der neue Werbespot der Bahn, in dem die Deutschen als dumme Menschen voller Vorurteile, und Moslems als kluge tolerante Menschen ohne Vorurteile, gezeigt werden, aus den Suchergebnissen verschwinden. Was ist mit kritischen Beiträgen über Sekten? Über Kaptialisten? Über Politiker? Gibt es wirklich objektive Kriterien, oder liegt die Grenzüberschreitung immer nur im Auge des Zensors? Müssen jetzt Journalisten, die ostdeutsche Kleingartenanlagen als Hort des Rechtsextremismus bezeichnen, mit juristischen Konsequenzen rechnen? Oder wird es wie in Nordkorea, dass die Regierung bestimmt, wer beleidigt werden darf, und wer nicht?
go-west 18.03.2017
5. Grundsätzlich nicht schlecht,
aber wo zieht man die Grenze? Wenn ich zum Beispiel auf der Suche nach kritischen Beiträgen oder Informationen über eine bestimmte Religion und deren Gründer suche, möchte ich nicht nur mit beschönigenden Informationsquellen konfrontiert werden sondern mit der nackten Wahrheit. Egal, ob diese nun politisch korrekt sein möge oder nicht.
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