Bankbetrug übers Internet: FBI verhaftet Urheber des Gozi-Virus

Sie sollen bis zu 50 Millionen Dollar erbeutet haben und verkauften ihren Computervirus auch noch an andere Kriminelle. Jetzt hat das FBI die Urheber des Gozi-Virus festgesetzt, der Bankdaten ausspähte. Den drei Europäern drohen lange Haftstrafen.

US-Staatsanwaltschaft erklärt das Gozi-Virus: Bankbetrug im großen Stil Zur Großansicht
REUTERS

US-Staatsanwaltschaft erklärt das Gozi-Virus: Bankbetrug im großen Stil

Der Virus befiel Rechner in Deutschland, Großbritannien, Polen, Frankreich und mehreren anderen europäischen Ländern. Er nistete sich in 40.000 Rechnern in den USA ein, davon allein 190, die bei der Nasa standen. Seine Schöpfer verdienten mit dem Gozi-Virus geschätzte 50 Millionen Dollar - nun werden sie in den USA angeklagt. Einer der drei sitzt offenbar schon seit Mai 2011 in Haft, der Russe Nikita K.

Der Rumäne Mihai P. und der Lette Denis C. sollen nun in die USA ausgeliefert werden. P. war schon im vergangenen November in Rumänien gefasst worden, C. im Dezember in Rumänien. Den dreien werden diverse Straftaten vorgeworfen, darunter die Gründung einer kriminellen Vereinigung.

Die drei Männer, alle unter 30, sollen zwischen 2005 und 2011 Rechner rund um die Welt mit ihrem Virus gekapert und auf diesem Weg Bankbetrug in großem Stil betrieben haben. FBI und US-Staatsanwaltschaft verkündeten in einer gemeinsamen Pressekonferenz in New York, der Fall solle "ein Weckruf für Banken und Verbraucher gleichermaßen" sein, dass "Cyberkriminalität eine der größten Bedrohungen ist, denen wir uns gegenübersehen".

Verdächtiger mit Spitznamen "Virus"

Der Schlag war offenbar von langer Hand geplant und auf internationaler Ebene koordiniert. In Rumänien habe man 51 Server und weitere Laptops, Desktop-Computer und externe Festplatten beschlagnahmt. Die Gesamtdatenmenge umfasse mehr als 250 Terabyte. Man werde noch Monate damit beschäftigt sein, die Daten auszuwerten, so das FBI.

Zwischen Dezember 2007 und August 2012 hatte der Gozi-Virus Nasa-Rechner befallen, die größten Schäden sollen im vergangenen Jahr entstanden sein. Der Computervirus verschickte Daten von den befallenen Rechnern an seine Herren, darunter die Login-Daten für einen Ebay-Account und einen Nasa-Mail-Account, den Browserverlauf und den Inhalt von Google-Chat-Konversationen.

Der 28-jährige Rumäne P., der in Rumänien verhaftet wurde, soll online eine Infrastruktur aufgebaut haben, die es auch anderen erlaubte, Viren und Schadsoftware zu verbreiten. Auch mit dem Zeus-Trojaner und den Viren namens SpyEye und BlackEnergy wird er demnach in Verbindung gebracht. P. soll in der Szene den Spitznamen "Virus" getragen haben.

Zusätzliche Funktionen für Gozi

Der Gozi-Virus selbst sei so konstruiert gewesen, dass er von Anti-Virus-Software nicht habe entdeckt werden können. K. habe den Virus im Jahr 2005 entwickelt und später einen Programmierer bezahlt, um an der Software zu arbeiten. Gozi sei auch in einschlägigen Foren angeboten und an andere vermietet worden. Ab 2009 bot K. der Anklage zufolge den Quellcode für 50.000 Dollar und einen Anteil an allen künftig erzielten Profiten feil.

C. scheint später an dem Virus gearbeitet zu haben und erweiterte ihn der Anklage zufolge um zusätzliche Funktionen. Ursprünglich war der Virus auf das Ausspähen von Bank-Zugangsdaten spezialisiert, später wurden immer mehr Informationen ermittelt, etwa der Mädchenname der Mutter des Benutzers - diese Information wird oft für die Sicherheitsfragen zur Passwort-Wiederherstellung verwendet.

Den drei Männern drohen lange Haftstrafen. K. könnte zu bis zu 95 Jahren verurteilt werden, C. drohen eine Strafe von bis zu 67 und P. eine Strafe von bis zu 60 Jahren.

cis/AP

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Endlich
lkm67 24.01.2013
Zitat von sysopSie sollen bis zu 50 Millionen Dollar erbeutet haben und verkauften ihr Computervirus auch noch an andere Kriminelle. Jetzt hat das FBI die Urheber des Gozi-Virus festgesetzt, der Bankdaten ausspähte. Den drei Europäern drohen lange Haftstrafen. Gozi-Virus: FBI setzt drei Europäer fest - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/gozi-virus-fbi-setzt-drei-europaeer-fest-a-879399.html)
Hurra! Endlich geht es einmal diesen modernen Zecken an den Kragen. Macht den Prozess fair und transparent und dann wenn sie im sinner der Anklage schuldig sind, dann ab in den Bau. Am besten mit einer Livecam in der Zelle, dann können sich alle zukünftigen Zecken anschauen wie viel Freude es macht als Cyber-Wegelagerer andere Menschen auszurauben.
2. Ich frage mich, ...
duanehanson 24.01.2013
... was das mit den hohen Haftstrafen soll. Da ist es mithin ja »billiger«, einen Geldtransporter zu überfallen. Die Jungs haben doch niemanden verletzt oder getötet? Wie kann man die länger wegsperren wollen, als jemanden, der getötet hat? Hier sieht man es mal wieder, wer in der westlichen Zivilisation das Recht bestimmt: Die, die das Geld haben.
3. Bankenbetrug
mase_1 24.01.2013
Immer wenn ich von B-A-N-K-E-N-betrug lese und dann solche lächerliche Summen von 50 Millionen auch noch angegeben werden, fällt mir das Sprichwort ein: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.
4. Auslieferung?
alteuropäer 24.01.2013
Was ich an dem Artikel nicht verstehe: Rumänien und Lettland sind beide Mitglieder der EU. wieso wird dann ein Rumänischer Staatsbürger nach USA ausgeliefert? Haben wir in Europa keine Gerichte?
5. ...die schleichende Übernahme Europas durch die US-Justiz
spon-facebook-10000049172 24.01.2013
...ist schon wieder ein Stück weiter gediehen mit der Auslieferung eines gebürtigen Rumänen an amerikanische Behörden. Europa - quo vadis?
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

Armeen von Computer-Zombies
Was ist ein Botnet?
AFP
Ein Botnet ist ein Verbund gekaperter Rechner, die zur Durchführung verschiedener Aufgaben ferngesteuert werden - beispielsweise für den Versand von Spam-Mails oder einen Massenansturm, der Webserver lahmlegt. Die Dienste einer solchen Zombie-Armee werden zum Teil gegen Gebühr angeboten. Mehr über Botnets auf unserer Themenseite.
Bin ich betroffen?
dapd
Das ist möglich, vor allem, wenn Sie einen Windows-Rechner benutzen. Im vergangenen Jahr sollen rund eine halbe Millionen Rechner Teil eines Botnets gewesen sein. Ein möglicher Hinweis auf eine Infektion ist eine ungewöhnlich langsame Internet-Verbindung. Microsoft bietet einen kostenlosen Scanner an, ebenso die Firma Trend Micro.
Wie kann ich mich schützen?
Corbis
Um Ihren Rechner in eine Zombie-Armee einzureihen, müssen ihn die Angreifer zunächst mit einem Wurm oder Virus infizieren. Dem können Sie vorbeugen, in dem Sie aktuelle Browser verwenden, regelmäßige Updates ihrer Programme durchführen, einen Virenscanner einsetzen und ihren Rechner mit einer Firewall schützen. Anleitungen dazu gibt es auf der Seite botfrei.de, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Internetverband eco angeboten wird.

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