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US-Dienst Bing: Microsoft zensiert in China strenger als landeseigene Suchmaschine

Internetcafé in Peking: Wikipedia in fünf Sprachen von der Suche ausgenommen Zur Großansicht
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Internetcafé in Peking: Wikipedia in fünf Sprachen von der Suche ausgenommen

Microsofts Suchmaschine Bing steht in der Kritik: Laut einer Studie filtert der US-Dienst seine Ergebnisse in China noch strenger als etwa der landeseigene Anbieter Baidu.

Die chinesische Bing-Version zeige für bestimmte Begriffe gar keine Ergebnisse an, moniert die Studie. Demnach existieren schwarze Listen für Begriffe und Adressen, ganze Websites kommen nicht vor - darunter bis vor kurzem auch die deutsche Wikipedia.

Greatfire.org, eine Webseite, die sich mit Zensur in China befasst, kritisiert dieses strenge Filtern der Suchergebnisse. Für eine unabhängige Studie, die unter dem Pseudonym Xia Chu erschienen ist, waren die Suchergebnisse zu insgesamt 30.000 Begriffen untersucht worden - darunter sensible, aber auch unbedenkliche Wörter.

Das Ergebnis der Stichprobe: Beim chinesischen Bing scheint es eine Liste "verbotener Begriffe" zu geben, 139 davon habe man ausgemacht. Wird nach diesen Begriffen gesucht, würden überhaupt keine Ergebnisse angezeigt. Außerdem habe Bing eine "schwarze Liste" von Websites, die chinesischen Nutzern in den Suchergebnissen nicht angezeigt würden. 329 Angebote seien davon betroffen.

Eine umfassende schwarze Liste gebe es auch für URLs. Man habe 1593 solcher Adressen ausgemacht, die chinesischen Nutzern nicht angezeigt werden, heißt es in der Studie, und das sei nur "die Spitze des Eisbergs".

Fünf Wikipedia-Seiten nicht unter den Suchergebnissen

Insgesamt soll Bing recht großflächig filtern: So sei etwa die gesamte Wikipedia in fünf Sprachen nicht in den Suchergebnissen vertreten gewesen: auf Japanisch, Französisch, Niederländisch, Schwedisch und Deutsch. Auch für bestimmte chinesische Webseiten wie blog.sina.com.cn, ifeng.com und douban.com habe Bing spezielle Filterregeln. Das soll es sonst nicht mal bei chinesischen Suchmaschinen wie Baidu geben.

Greatfire.org wirft Bing nun vor, seinem eigenen Anspruch nicht gerecht zu werden, der darin besteht, Informationen zugänglich zu machen und nur so wenig wie möglich zu filtern.

Gegenüber "The Register" hat Microsoft schon Stellung zu den Anschuldigungen genommen: Man sei bemüht, so wenig wie möglich zu filtern, sofern die Inhalte in Einklang mit den chinesischen Gesetzen stehen. Das Unternehmen schätze die Arbeit von Greatfire.org, Xia und anderen: "Ein solches Feedback hilft uns, unsere eigenen Arbeitsabläufe zu überprüfen." Weiter verspricht Microsoft, die Vorwürfe schnell und umfassend zu prüfen.

Tatsächlich scheint das Unternehmen bereits erste Konsequenzen gezogen zu haben: Die fünf Wikipedia-Seiten jedenfalls sollen laut Greatfire.org mittlerweile nicht mehr gesperrt sein.

juh

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Ist doch ganz normal so.
nmw 20.03.2014
Wundert Sie das? – So verhalten sich doch alle, die Geschäfte nicht gefährden wollen.
2.
kdshp 20.03.2014
Zitat von sysopAPMicrosofts Suchmaschine Bing steht in der Kritik: Laut einer Studie filtert der US-Dienst seine Ergebnisse in China noch strenger als etwa der landeseigene Anbieter Baidu. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/greatfire-org-bing-zensiert-in-china-mehr-als-baidu-a-959783.html
Zensiert wird doch nicht nur in china! Aus Rechtsgründen hat Google 10 Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt. Weitere Informationen über diese Rechtsgründe finden Sie unter ChillingEffects.org. Das kommt bei google.de oft vor das internetseiten aus "rechtsgründen" nicht angezeigt werden.
3.
Peter Werner 20.03.2014
Die Zeiten einer unzensierten Suche im Internet sind wohl endgültig vorbei. Egal ob in China, Russland, Deutschland, USA oder sonstwo. Besonders perfide ist es, wenn noch nicht einmal auf die Zensur hingewiesen wird. Bei Marktführer google erscheint immerhin "Aus Rechtsgründen wurden XXX Ergebnisse aus dem Suchergebnis entfernt". Teilweise kann dies durch einen Wechsel auf eine andere google-Version unterbunden werden. Bei bing erscheint noch nicht einmal diese Meldung.
4. Belastungsvergleich (1)
cavete 22.03.2014
Interessant erschiene vielleicht auch folgende imaginäre, unabhängige Studie, die womöglich den Vorteil aufwiese, daß sie jedenfalls vordergründig nicht so sehr von Lagerdenken geprägt schiene. Die Probanden könnten über folgende Alternativen ihr Urteil abgeben: 1. Die Befragten wissen, daß sie umfassend ausgespaeht werden, und das in jeder Hinsicht und umfassend, unter Ausnutzung und Inanspruchnahme der Mittel der “modernen” Massenkommunikation des Internets und darueberhinaus. Ausgenommen ist eine persönliche, personenbezogene Verfolgung. Stichwort: Alliierte Ausspäh-Allianz. Die hierfuer in Betracht kommenden Personen “haben nichts zu verbergen”, und “sich nichts vorzuwerfen”, bzw.”sind sich keiner Schuld bewußt”. Teile dieser Personengruppe halten dieses Vorgehen fuer angemessen, weil es dem Schutz vor Terror dient. Ihnen erscheint es auch richtig, daß der Staat dieses Bedürfnis nach Sicherheit an ausländische Maechte delegiert, die ihrerseits ein Interesse daran haben, fuehrende Politiker in Deutschland abzuhoeren und diese Freiheit auszunutzen. Diesen Politikern ist ihr eigener Schutz jetzt auch wichtig geworden. Auch sie haben eigentlich nichts zu verbergen, denn unter “Freunden” und “Partnern” vertraut man sich g e g e n s e i t i g. Sie vertrauen auch der Aussage von Praesident Obama, daß man bestimmte Staatenlenker nicht mehr abhoeren wolle. Wer gehoert wohl genau dazu? Jedenfalls scheint es so zu sein, daß das Abhören von Frau Merkel eingestellt worden ist. Sein soll, muß es vermutlich genau heißen. Das gilt für sie, nicht aber fuer andere politisch wichtige Figuren des Systems, also Minister, Staatssekretäre, Berater und Andere. Man kann es sich jetzt so vorstellen, daß, wenn Frau Merkel z.B. mit Innenminister de Maiziere telefoniert und – natuerlich theoretisch – die Alliierten-Ausspaehdienste dabei zuhoeren, diese sich auf die Anweisung von Hern Obama besinnen, und jedesmal schlagartig die Ueberwachung einstellen. Das gilt sowohl für die Aufzeichnung der Gespraeche, als auch für das bloße Zuhoeren. Nur, wie soll unter solchen Voraussetzungen die Pflicht erfuellt werden, alle anderen Politiker im Umfeld von Frau Merkel umfassend zu belauschen?
5. Belastungsvergleich (2)
cavete 22.03.2014
So sollte es per Definition laufen. Darauf kann man sich auch verlassen. Das ist sicher. Ehrlich. Um aber ganz sicher zu gehen, werden diese ganzen Telefonate jetzt neuerdings verschluesselt. Es ist also ausgeschlossen, daß Fremde noch zuhören können. Und "Fremde" bedeutet: Nicht nur Geheimdienste, sondern auch andere “Interessenten”. Man kann also jetzt Dinge, die immer schon geheimzuhalten waren, anscheinend auch geheimhalten.Klasse. Punkt 1 also zusammengefaßt: Die Menschen wissen, daß sie ausgespäht werden in jeder Weise, ohne jedoch persönlich verfolgt zu werden. Wehren kann man sich dagegen nur schwer. 2. Die Menschen wissen, daß ihre Kommunikation im Internet zensiert wird, also auch Nachrichten und Informationen im weitesten Sinne unterdrueckt oder manipuliert werden. Dennoch scheint es sich so darzustellen, daß die Privatsphäre der Nutzer nicht das Ziel der Zensoren ist. Und: Es erscheint auch nicht von vornherein aussichtslos, die Zensur zu umgehen. Eine Gegenwehr ist also grundsätzlich möglich. Frage: Welche Alternative erscheint als die weniger belastende fuer die Internetnutzer – und zwar unabhängig von jeglichen ideologischen Gesichtspunkten, die ich allerdings bei der Spiegel-Meldung an sich auch nicht unterstelle?
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