Internet-Pornofilter No Sex Please, We're British

Britische Internetprovider wollen offenbar ab Jahresende mit Internetfiltern Ernst machen: Eine Beraterin von Premier Cameron erklärte, alle Provider würden Software zum Ausfiltern pornografischer Websites künftig standardmäßig einschalten.

Altersabfrage auf Pornoseite: Standardmäßige Filter in Großbritannien
DPA

Altersabfrage auf Pornoseite: Standardmäßige Filter in Großbritannien


London - Britische Internetnutzer werden bald explizit "ja" sagen müssen, bevor ihr Browser Pornografisches anzeigt - zumindest bei Websites, die auf entsprechenden Filterlisten stehen. Eine Beraterin von Premier David Cameron erklärte "Wired UK" zufolge bei einer Veranstaltung in der vergangenen Woche: "Die Filter werden aktiv sein, wenn Sie nichts tun, die Jugendschutzfilter werden schon angehakt sein."

Ende 2013 werde das System landesweit eingeführt, sagte die Abgeordnete Claire Perry. Auch die Betreiber von öffentlichen W-Lan-Hotspots würden verpflichtet, Jugendschutzfilter standardmäßig einzuschalten.

Wenn die Filter von den Eltern deaktiviert würden, könnten sie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt automatisch wieder selbst einschalten, erläuterte Perry weiter. "Wir werden eine Automatik einbauen", erklärte Perry, "wenn Sie den Filter abends um 21 Uhr ausschalten, wird er sich morgens um 7 Uhr wieder einschalten."

Vor Jahren angekündigt, nie vollständig umgesetzt

Avisiert wurde ein solches System schon vor Jahren. Die vier großen Internetprovider des Landes hatten schon 2011 verkündet, Nutzer müssten künftig "eine aktive Entscheidung treffen", um Netz-Pornografie auf ihren Rechnern verfügbar zu machen. Umgesetzt wurde der Plan aber offenbar nicht von allen.

Die Netzanbieter reagierten damals auf einen Bericht über die Sexualisierung von Jugendlichen. Der Autor des von der Regierung in Auftrag gegebenen Berichts hatte kritisiert, dass die Jugendschutzfilter der Anbieter standardmäßig abgeschaltet seien, also ein Eingreifen der Eltern erfordern.

Im März 2013 erschien ein weiterer Bericht einer parlamentarischen Kommission zum Thema. Die beteiligten Abgeordneten kamen darin zu dem Schluss, dass standardmäßig aktivierte Filter nötig seien. Perry, die der Kommission vorsaß, erklärte damals: "Familien fehlt die nötige Information und Ausbildung in Sachen Internetsicherheit." Nun scheint sie sich der Umsetzung ihrer Pläne sicher zu sein.

"Selbstzufriedene" Eltern?

Einige Provider, etwa TalkTalk, haben Neukunden schon seit März 2012 vor die Wahl gestellt, Jugendschutzfilter als Standard zu aktivieren. TalkTalk hatte "Wired UK" zufolge erst kürzlich begonnen, auch Kunden mit bereits länger laufenden Verträgen vor diese Wahl zu stellen. Bei der Veranstaltung, bei der auch Perry auftrat, sagte eine Sprecherin des Unternehmens, etwa ein Drittel ihrer Kunden hätten die Filter aktiviert. Auch einige britische Mobilfunkbetreiber haben schon jetzt standardmäßig aktivierte Jugendschutzprogramme.

Perry sagte, viele Eltern seinen "selbstzufrieden" im Umgang mit den Gefahren von Online-Pornografie, nur vier von zehn würden entsprechende Filter nutzen.

Die Filtersoftware arbeitet mit schwarzen Listen von Websites - was gleichzeitig bedeutet, dass sie sich auf diversen Wegen leicht umgehen lässt. Sowohl pornografische Inhalte innerhalb von gemischten Angeboten wie Reddit, Tumblr oder Imgur dürften durchs Raster fallen als auch viele Porno-Sites, die zu neu, zu klein oder zu unbekannt sind, um schon auf den Filterlisten gelandet zu sein.

Kritiker monieren stets, dass standardmäßige Filterregimes ein erster Schritt zu einer weitergehenden Zensur von Internetinhalten sein könnten. Die Perry-Kommission etwa wünscht sich auch die Filterung anderer Inhalte, etwa von Seiten, die Selbstverletzungen oder Essstörungen in einem positiven Licht darstellen.

cis



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