Schnüffel-Programme: Großbritannien will Trojaner-Exporte überwachen

Die britische Regierung will offenbar nicht länger zusehen, wie Überwachungstechnik an fragwürdige Regime geliefert wird. Der Gamma-Firmengruppe wurden für den Export der Spionagesoftware FinFisher Lizenzauflagen gemacht - ein erster Schritt zu mehr Kontrolle.

FinFisher-Software: Britische Regierung will Exporte überwachen Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

FinFisher-Software: Britische Regierung will Exporte überwachen

London - Die britische Regierung will Exporte von Überwachungssoftware stärker kontrollieren. Das hat ein Rechtsberater der Regierung in einem Brief an die Bürgerrechtsorganisation Privacy International angekündigt wie der "Observer" berichtet. Konkret ist in dem Schreiben von den FinFisher-Programmen der Gamma-Firmengruppe die Rede. Nach Syrien und Iran könne die Software wohl nicht verkauft werden.

Das Treasury Solicitor's Department, eine Behörde, die für britische Regierungsorganisationen Rechtsberatung leistet, erklärte, für den Export in Länder außerhalb der Europäischen Union benötige Gamma eine Lizenz. Dies habe man dem Unternehmen mitgeteilt. Es ist offenbar das erste Mal, dass die britische Regierung den Export von Spionagesoftware einschränkt. Grund dafür ist die eingesetzte Verschlüsselungstechnik. In dem Brief an Privacy International heißt es außerdem, Wirtschaftsminister Vincent Cable denke derzeit über eine internationale oder EU-weite Regelung nach.

Mit FinFisher lassen sich Computer überwachen und fernsteuern. Gamma hat in der Vergangenheit damit geworben, Trojaner über ein gefälschtes iTunes-Update auf zu überwachenden Rechnern einschleusen zu können. Ende 2011 wurde bekannt, dass das deutsche Bundeskriminalamt in mindestens einem Fall Testsoftware des Unternehmens erworben hatte. Der Name der Firma tauchte Anfang 2011 auch auf, als Aktivisten in Ägypten ein Geheimdienstbüro stürmten und Akten auswerteten.

Eine enthielt ein detailliertes Angebot für diverse Anwendungen der Gamma Group, Produkte mit dem Namen FinFisher. Analysten des ägyptischen Geheimdienstes lobten in anderen Dokumenten besonders die Möglichkeit, Skype-Gespräche abzuhören.

Dem "Observer" sagte Gamma-Gründer Martin J. Muench nun, die Spionagesoftware sei der ägyptischen Regierung sechs Monate vor dem Aufstand vorgestellt worden. Gamma habe aber keine Produkte geliefert, die während des Arabischen Frühlings hätten eingesetzt werden können.

Eine Anwaltskanzlei hatte damals für das Unternehmen erklärt, Gamma International UK Limited habe keines der Produkte aus der FinFisher-Suite an die ägyptische Regierung geliefert. Das Unternehmen liefere nur an Regierungen, befolge dabei britisches Recht und alle anderen relevanten Vorschriften. Darüber hinaus könne das Unternehmen keine Auskunft über "vertrauliche Geschäftsbeziehungen und die Art der Produkte, die es anbietet" geben.

lis/ore

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Kontrolle über was?
hanfiey 10.09.2012
Da gibt es keine Möglichkeiten etwas zu kontrollieren, das Scham Feigenblatt mal ausgenommen. Der Code wird gekauft oder Raubkopiert und dann angepasst. Da wohnen doch nicht nur Höhlenmenschen mit Fellumhang. Wieder mal alles sinnlos und soll wohl heißen: "Wir haben bedenken das diese Programme weiterentwickelt und irgendwann gegen unser Land eingesetzt wird". So ergibt das einen Sinn .
2.
Oberleerer 10.09.2012
Zitat von sysopREUTERSDie britische Regierung will offenbar nicht länger zusehen, wie Überwachungstechnik an fragwürdige Regime geliefert wird. Der Gamma-Firmengruppe wurden für den Export der Spionagesoftware FinFisher Lizenzauflagen gemacht - ein erster Schritt zu mehr Kontrolle. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,854801,00.html
Kein Tag ohne Apple-Werbung :)
3. Nicht sonderlich neu
fgranna 10.09.2012
Für Verschlüsselungssoftware gelten solche Exportbeschränkungen seit Jahrzehnten... Gebracht hat es nichts, ausser Bürokratie für "Hersteller" und Verkäufer.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema Überwachung
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.