Lahmes Netz Grüne fordern Strafen für zu langsame Internetanschlüsse

Das könnte Bewegung ins Netz bringen: Einem Zeitungsbericht zufolge fordern die Grünen im Bundestag, dass Internetprovider Bußgeld zahlen müssen, wenn ein Anschluss nicht hält, was die Werbung verspricht.

Netzwerkkabel
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In der Werbung klingen die Versprechen der Internetanbieter verlockend. Bis zu 16 Megabit, 50 Megabit, 100 Megabit oder gar 200 Megabit pro Sekunde werde der Internetanschluss liefern, wenn man sich nur an sie binde. In der Realität tröpfeln die Daten dann aber zuweilen viel langsamer durch die Leitung.

Deshalb ist in den Prospekten und auf den Plakaten auch meist der Zusatz "bis zu" vor der Angabe der versprochenen Geschwindigkeit zu finden. Dieses "bis zu" soll die Provider gegen allzu laute Beschwerden ihrer Kunden absichern. Schließlich versprechen sie damit nicht, dass die genannte Leistung auch tatsächlich erreicht wird. Sie sagen nur, dass sie im besten Fall erreicht werden könnte.

Nach Vorstellungen der Grünen soll diese Absicherung gegen Klagen künftig nicht mehr möglich sein. Sie fordern, dass Internetanbieter künftig Bußgelder oder Schadenersatz zahlen sollen, wenn die Übertragungsgeschwindigkeit zu gering ist. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Freitag) unter Berufung auf einen ihr vorliegenden Antrag, den die Grünen in den nächsten Tagen in den Bundestag einbringen wollen.

"Bis zu 100 Prozent zahlen"?

Darin wird gefordert, eine Mindestgeschwindigkeit festzulegen, die bei 90 Prozent der versprochenen Maximalgeschwindigkeit liegen soll. Dazu solle die Bundesnetzagentur den Unternehmen mit Bezug auf europäische Verordnungen Mindestanforderungen vorschreiben, heißt es in dem Bericht. Bei wesentlichen Abweichungen solle es Bußgelder und Schadenersatzansprüche geben.

"Die derzeitigen Verträge sind Mogelpackungen, beworben werden sie mit hohen Zahlen wie 50 Megabit in der Sekunde, daneben steht aber kleiner "bis zu"", sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner dem Blatt. "Wenn ich aber für 50 Megabit in der Sekunde zahle, will ich das auch bekommen. Wie würde wohl der Anbieter reagieren, wenn ich im Gegenzug nur "bis zu" 100 Prozent meiner Telefonrechnung bezahle?"

mak/dpa

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insgesamt 85 Beiträge
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Seite 1
Susi Sorglos 27.05.2016
1. Ich habe es mal getan
und dem Anbieter gesagt "Wenn ihr mir bis zu 16MBit liefert dann zahle ich bis zu 29 Euro. Da ich nur 8 dauerhaft hier habe, zahle ich ab sofort 14,50. Am nächsten Morgen stand ein Techniker vor der Tür und hat alles durchgemessen.
rudisresterampe 27.05.2016
2. Endlich!
..greift das mal jemand auf! Und wie ist es beim Mobilfunk? Noch schlimmer: Statt LTE, 3G und 4G nur Analogmodemspeed. Netzagentur? Fehlanzeige.
RamBo-ZamBo 27.05.2016
3. asdf
Der Vorschlag klingt nur auf den ersten Blick gut. Denn gerade auf dem Land gibt es oftmals nur geringere Bandbreiten. Der Provider würde dann dem Risiko einer Klage aus dem Weg gehen, indem er einfach gar keinen Tarif anbietet. Die Diskussion gab es vor 15 Jahren schon. Damals wollte die Telekom keine DSL Anschlüsse verkaufen die langsamer waren als 768kbit/s, auch wenn der Nutzer ausdrücklich einverstanden war. Die Betroffenen waren an 64kbit/s mit ISDN oder 56kbit/s mit dem Modem gefesselt, wofür es nur teure Minutentarife gab, statt eine 300er Flatrate zum 768er Tarif zu bekommen. Damals gab es keine "bis zu" Klauseln in den Verträgen. Die Telekom hat erst nach Jahren DSL light eingeführt um den Kunden entgegenzukommen.
felisconcolor 27.05.2016
4. Hm
ich lese diese Hinweise auch immer und wer sich auch nur einen Hauch mit der Technik auseinandergesetzt hat begreift auch den Spagat der Telkos. Und mit den Preis Leistungsverhältnissen klar bezahlt man 100% Denn man bezieht ja eine Leistung und die guten Telkos bauen ja auch meist ihre Leistung während der Vertragsdauer weiter aus. Ausserdem, wenn man einen kompetenten Mann am Telefon hat und kein Callcenter aus Indien, hört man "wenn wir ihnen nicht eine bestimme Leistung anbieten können dann schalten wir sie auch nicht in die nächste Stufe" Das finde ich durchaus fair. Die Alternative wäre ein Zähler im Router und wir würden Internet bezahlen wie unseren Stromverbrauch (also wie damals zu Kaisers Zeiten) aber welcher Kunde will das. Und die meisten Kunden haben Flat Internet Telefon Kabelfernsehen etc. Wie würde Frau Rößner reagieren wenn die Telko irgendwann mal sagt "So sie haben soooo viel Fernsehen geschaut, wie wäre es mal mit einer Nachzahlung". Ja die Kosten für x Teilnehmer gehen halt auch durch X Teilnehmer. Mal hat der eine mehr mal der andere an der Leitung gesogen. Oder sie soll sich bitte einen Minutenvertrag besorgen. Dann bezahlt sie auch nur was sie verbraucht.
juergenwollny 27.05.2016
5. ist das nicht schon Betrug...
... wenn ein Händler eine Leistung verkauft, wobei er WEISS, dass er sie nicht erfüllen kann? Als ich von 16.000 auf 50.000 MBit/s wechselte hat mir der beste Internetprovider nicht mitgeteilt, dass an meinem Wohnort bis frühestens Sommer 2017 technisch max. 25.000MBit/s möglich sind. Für die Monate, die ich brauchte, bis ich das bemerkte "durfte" ich auch den vollen Preis (für die halbe Leistung) zahlen. Rückwirkende Erstattung? Fehlanzeige! Da würde mich interessieren, ob das "bis zu" juristisch auch die Fälle abdeckt, in denen die maximale Bandbreite technisch - auch im Idealfall - gar nicht erreicht werden KANN. Insofern finde ich den Vorstoß der Grünen gut: da müssen die Provider ihre Kunden dann RICHTIG informieren und eben ein oder zwei Tarife mehr anbieten...
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