Mutmaßlicher Dateneinbruch E-Mail-Liste verrät Verbindungen von EU-Parlamentariern

Der mutmaßliche Einbruch in das E-Mail-System des Europaparlaments gibt noch viele Rätsel auf. Jetzt wurden einem Abgeordneten Metadaten von rund 40.000 E-Mails zugespielt. Sie zeigen, wer wann wem zu welchem Thema Nachrichten geschickt hat.

Von

EU-Parlament in Straßburg: Metadaten von Parlaments-E-Mails verraten vieles
DPA

EU-Parlament in Straßburg: Metadaten von Parlaments-E-Mails verraten vieles


Es war eine bewegte Woche für die Europa-Parlamentarier: Am Donnerstag berichtete die französische Nachrichtenseite "Mediapart", ein Hacker sei erfolgreich in das Netzwerk des Parlaments eingedrungen; mit wenig Aufwand sei es ihm gelungen, an vertrauliche E-Mails und persönliche Dokumente von einigen Abgeordneten, Mitarbeitern und selbst von IT-Experten des Hauses zu gelangen. Das bestätigte Befürchtungen und Gerüchte, die im Parlamentsumfeld wohl schon vorher die Runde gemacht hatten.

Nun wurde dem fraktionslosen österreichischen EU-Abgeordneten Martin Ehrenhauser auf einem USB-Stick eine Liste zugespielt, die SPIEGEL ONLINE in Auszügen einsehen konnte. 3386 Seiten ist sie lang, zu sehen sind Metadaten von rund 40.000 E-Mail-Verbindungen: Betreffzeilen, Datum, Absender, Empfänger und die Beschriftung der Anhänge. Laut Ehrenhauser befinden sich darunter Nachrichten des EU-Parlaments, des Deutschen Bundestages, der EU-Kommission, von Parteien und Lobby-Verbänden. Auch die Adressen von deutschen EU-Abgeordneten sind in dem Datensatz zu finden.

Ehrenhauser geht fest davon aus, dass der Datensatz mit dem mutmaßlichen Angriff auf das Netzwerk des EU-Parlaments in Verbindung steht. Er vermutet, dass es sich um jene E-Mails handelt, die "Mediapart" erwähnte. Darin war die Rede davon, dass sich Unbekannte Zugriff auf die E-Mail-Konten von sechs Abgeordneten, vier Assistenten, zwei Fraktionsmitarbeitern und zwei Parlamentsmitarbeitern der IT-Abteilung verschafft hätten.

"Aus der Liste wird ersichtlich, dass der Parlaments-Hack wahrscheinlich weitaus umfangreicher ist als angenommen", so Ehrenhauser. Auch seinen eigenen Namen hat der Abgeordnete mehrmals in der Empfängerzeile entdeckt.

Wer schreibt wem?

Die angeführten E-Mails stammen - soweit bisher gesichtet - aus dem Jahr 2013. In dem Auszug, den SPIEGEL ONLINE einsehen konnte, sind die ältesten auf April dieses Jahres, die jüngsten auf November datiert. Aus den Betreffzeilen lässt sich herauslesen, worum es in etwa geht: Bewerbungen, EU-Beamtenstatut, Reiseinformationen, Saatgut, Geburtstagsglückwünsche, Konzerttermine, E-Zigarette oder auch "Aktuelles zu den Koalitionsverhandlungen".

Auch die Namen der Anhänge geben Aufschluss darüber, was sich wohl dahinter verbirgt. Vertrauliche Papiere zum Beispiel, Kommentierungen, eine Bewerberliste, Teilnahmeformulare oder Reiseunterlagen. Er habe es selbst noch nicht geschafft, den gesamten Datensatz zu sichten, sagte Ehrenhauser. Aber allein, wer wem schreibt, ist aufschlussreich.

Wie sehr, zeigen Absender-Adressen, von denen er einige Endungen nennt: @bundestag.de, @helmholtz-berlin.de, @cdu-nrw.de, @awo.org, @mittelstand-deutschland.de, @hrk.de, @gdv.de, @muenchen.ihk.de. "Aufgrund dieser Metadaten ist es durchaus möglich, dass - sofern E-Mails veröffentlicht werden - sich ein großer Lobby-Skandal ergibt", so Ehrenhauser.

Jaume Duch, Sprecher des Europäischen Parlaments, sagte SPIEGEL ONLINE, die Berichte über den Angriff würden ernst genommen, es seien Nachforschungen im Gange. Nur gebe es bisher noch kein endgültiges Ergebnis, so dass er weder eine Aussage darüber machen könne, wie viele E-Mail-Konten betroffen sein könnten, noch welche Daten ein Angreifer womöglich einsehen oder kopieren konnte. Mit einem Ergebnis und weiteren Informationen, so Duch, sei erst Anfang kommender Woche zu rechnen.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
h.vonbun 22.11.2013
1. Omnia
Warum denn auch nicht dort! Hoffentlich dauert die Auswertung nicht lange, um zu Resultaten zu gelangen. Es gibt ja nicht nur einen Snowden, der sich über Orwell's "Schüler" ärgert. Aber reicht die Zeit noch generell, alle Wahlen zu stoppen, bis eine Lösung der Ausspähpraxis gefunden ist? Können digitale Wahlen verfälscht werden? - Kann Snowden darüber etwas liefern?
fleischwurstfachvorleger 22.11.2013
2. Verstehe die Aufregung nicht
Zitat von sysopDPADer mutmaßliche Einbruch in das E-Mail-System des Europaparlaments gibt noch viele Rätsel auf. Jetzt wurden einem Abgeordneten Metadaten von rund 40.000 E-Mails zugespielt. Sie zeigen, wer wann wem zu welchem Thema Nachrichten geschickt hat. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/hack-im-eu-parlament-liste-verraet-verbindungen-von-eu-parlamentariern-a-935182.html
H-P F. übrigens auch nicht. Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten. Außerdem hat Pofalla die Angelegenheit für beendet erklärt. Was soll das also?
ks82 22.11.2013
3. Die EU wird transparent
Eine solche Speicherung und Offenlegung der Metadaten braucht der Sourverän, also wir alle, zur Bekämpfung von Terror und Lobbyismus dringend. Wir haben uns vor einem Geheimgericht darauf verständigt, dass die Metadaten der EU-Parlamentarier jetzt regelmäßig gespeichert und veröffentlicht werden.
radio eriwan 22.11.2013
4. und wenn die IT Abteilung noch zu doof ist..
oder eventuell gekauft von der NSA die sind nicht mal fähig eine richtige Verschlüsselung hinzukriegen abner haben wahrscheinlich irre Gehälter einfach rausschmeissen bitte oder sind es CSC Leute??
WolfImSchafsPelz 22.11.2013
5. optional
Sind doch eh nur Metadaten, mit denen kann man doch nichts anfangen. Das zumindest wollten sie uns weismachen - so und jetzt wäre es noch Interessant zu erfahren wie es zum Thema "Saatgut" (Monsanto) steht und wer wie oft mit diesem amerikanischen Monopolriesen lobbyiert. Ein Schelm wer jetzt auch noch Geldtransfer Metadaten fordert (Offenlegung des Bankgeheimnis)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.