Hack-Wettbewerbe für den Nachwuchs Industrie sucht kleine Cyber-Krieger

Cyberwar wird als Risiko nicht nur zunehmend ernst genommen, sondern ist vor allem auch ein kommendes Geschäftsfeld von kapitaler Größe. In den USA sucht ein von IT- und Rüstungsbranche gesponsertes Institut die Cyber-Krieger der Zukunft. Das Ziel: 10.000 minderjährige Rekruten zu finden.

Cyber Challenge Wettbewerb: Rekrutierung kommender IT-Talente (und Krieger)

Cyber Challenge Wettbewerb: Rekrutierung kommender IT-Talente (und Krieger)


Hacking-Challenges haben in den USA Tradition. Immer wieder rekrutierten das FBI und diverse Geheimdienste ihre kommenden IT-Spezialisten per Wettbewerb - auch in Großbritannien ist das seit Jahren üblich. Die angelsächsische "Du bist, was Du kannst"-Mentalität begünstigt hackende Quereinsteiger vor Bewerbern mit formal guten Zeugnissen: Ob man einen Job bekommt, hängt mitunter eher davon ab, wie schnell man in einen Server einbrechen kann, als vom Uni-Zeugnis.

Das SANS-Institut, eine Industrie-gesponserte Firma, die unter anderem Weiterbildung und Ausbildungsförderung betreibt, aber auch hinter der bekannten privatwirtschaftlichen IT-Krisen-Koordinierungsstelle Storm Center steht, setzt jetzt noch früher an bei der Suche nach Talenten: Im Rahmen der " US Cyber Challenge" suchen die Veranstalter "10.000 junge Amerikaner mit der Fähigkeit, die Ränge der Cyber-Security-Experten, Forscher und Krieger" aufzufüllen.

Doch anders als bei den Challenges von FBI oder NSA sind hier nicht etwa Hacker gemeint - der Wettbewerb richtet sich an Jugendliche in der Endphase ihrer Schullaufbahn. Auf dass die Cyber-Krieger von Morgen eben nicht mehr aus einbrechenden Quereinsteigern rekrutiert werden müssen, sondern von der Schule an betreut und gefördert bestens qualifiziert daherkommen mögen.

Alle fördern mit: Parlamentarier, Unis, Rüstungsfirmen...

Es geht also darum, möglichst frühzeitig fähige Bewerber zu finden und sie in adäquate Ausbildungen oder an geeignete spätere Arbeitgeber zu vermitteln. Die Aktion kommt daher, als wäre sie staatlich - und liegt wohl tatsächlich in nationalem Interesse: Unterstützt wird sie unter anderem von einer ganzen Reihe von Volksvertretern. Daneben treten als Sponsoren das Center for Internet Security, eine Nonprofit-Organisation, die von zahlreichen Institutionen und Firmen gestützt wird, sowie zahlreiche staatliche wie Business-Sponsoren auf: Universitäten, Großunternehmen wie Cisco oder Microsoft, aber auch das New York State Office of Cyber Security, Netzwerkbetreiber, IT-Sicherheitsfirmen - und das Rüstungsunternehmen Lockheed Martin sowie die US Navy, die Stipendien in Aussicht stellt.

Quasi-offiziellen Segen erhielt der Wettbewerb, an dem ganze Schulklassen teilnehmen können und deren Gewinner Preise, Auszeichnungen und Stipendien erwarten dürfen, durch US-Politiker. Der Senator Thomas Carper, Kopf des Homeland Security Ausschusses des Senats und damit den Themen Innere Sicherheit und Geheimdienste aufs Engste verbunden, kleidete Sinn und Zweck der Aktion in klare Worte: "Um die immer größer werdenden Herausforderungen der IT-Sicherheit, mit der sich unsere vernetzte Gesellschaft konfrontiert sieht, zu bewältigen, müssen wir uns auf die nächste Generation Amerikaner konzentrieren, um sicher zu stellen, dass die die Fähigkeiten besitzt, unser Land zu verteidigen."

Das macht die Cyber Challenge zu dem, was die Armeewerbung in Schulklassen früher war - wenn man davon absieht, dass im Cyberwar die Landesverteidigung durchaus in Banken, Kraftwerken oder bei Telekommunikationsunternehmen stattfinden mag.

Zu den aktivsten Unterstützern der Aktion gehört der Kongressabgeordnete Jim Langevin, stellvertretender Vorsitzender der CSIS Commission on Cybersecurity des US-Präsidenten. Langevin ist selbst Schirmherr von ähnlichen, kleiner aufgehängten Schulwettbewerben, die sich zum Ziel gemacht haben, "eine kompetente Arbeiterschaft aufzubauen, die der Aufgabe gewachsen ist, die Sicherheit unserer Cyber-Netzwerke zu gewährleisten, eine Aufgabe, die schnell zu einer nationalen Priorität wird".

Um diesen Bedarf an qualifizierten "Cyber-Security-Experten, Forschern und Kriegern" zu decken, reichen die 10.000 Jung-Rekruten, die SANS sucht, noch nicht einmal aus. Schon 2008, weiß Langevin, bezifferte Jim Gosler, erster Chef des Information Technology Office der CIA, diesen Bedarf auf 20.000 bis 30.000 IT-Experten. Der Challenge-Schub an Amerikas Schulen kommt also kaum überraschend, denn der Mangel sei groß, zitiert Langevin Gosler in einer Pressemitteilung: Der Top-CIA-Mann schätzte 2008, dass die USA, "nicht mehr als 1000" Leute hätten, die über die "fortgeschrittenen Sicherheitskenntnisse verfügen, um auf Weltniveau konkurrieren zu können".

pat/AFP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.