Hacker USA und Großbritannien fordern globalen Kampf gegen Cyber-Attacken

Nach den Sony-Hacks und Angriffen auf E-Mail-Konten haben die Verteidigungsminister von USA und Großbritannien gefordert, den Kampf gegen Hacker-Attacken zu intensivieren. Es müsse auch geklärt werden, ab wann es sich um kriegerische Akte handelt.

US-Verteidigungsminister Gates: Hacker-Angriffe seien eine ernste Bedrohung
REUTERS

US-Verteidigungsminister Gates: Hacker-Angriffe seien eine ernste Bedrohung


Wenn sich Weltpolitiker derzeit treffen, steht auf der Tagesordnung neben arabischer Revolution, Krieg und Euro-Krise immer häufiger ein weiteres Thema: die Sicherheit im Netz. Erst vor wenigen Tagen, beim G8-Gipfel in Deauville, verabredeten die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen, wie sie das Internet zähmen wollen.

Jetzt, nach erneuten Hackerangriffen auf E-Mail-Dienste und Onlinenetzwerke, melden sich auch die Verteidigungsminister der USA und Großbritanniens zu Wort - und fordern einen internationalen Kampf gegen solche Attacken.

Die Angriffe dürften nicht nur aus der Perspektive "des einen oder anderen Landes" gesehen werden, sagte US-Verteidigungsminister Robert Gates am Samstag auf einer Sicherheitskonferenz in Singapur. Gates forderte, mittels internationaler Regeln festzulegen, welche Bedrohungen hinnehmbar, strafbar oder sogar als "kriegerische Handlung" zu werten seien. Er betonte, dass die USA und vor allem deren Verteidigungsapparat "ständig" Hackerangriffen ausgesetzt seien. Diese nehme die US-Regierung "sehr ernst". Ähnlich äußerte sich ein Vertreter des US-Flugzeugbauers Boeing am Rande der Konferenz in Singapur.

Großbritanniens Verteidigungsminister Liam Fox kündigte für das laufende Jahr eine internationale Konferenz in London an, die sich mit dem Problem befassen solle. "Online- Attacken kommen bereits in großer Zahl und regelmäßig vor", sagte er. Sie könnten "katastrophale Auswirkungen" auf betroffene Staaten haben. Bei der Zusammenkunft in London solle daher über gesetzliche Maßnahmen verhandelt werden, sagte Fox.

China weist jede Beteiligung an den Attacken zurück

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass private E-Mail-Konten von US-Regierungsvertretern und chinesischen Aktivisten bei Googles E-Mail-Dienst Gmail Ziele eines Hackerangriffs aus China geworden waren. Die chinesische Regierung, die bei der Konferenz in Singapur ebenfalls vertreten war, wies im Vorfeld jede Beteiligung an dem Angriff von sich und bezeichnete entsprechende Beschuldigungen als nicht akzeptabel.

Das Sony-Tochterunternehmen SonyPictures entschuldigte sich in den USA in einer Erklärung ausdrücklich bei allen Nutzern seiner Internetseite "für die entstandenen Probleme" nach einem neuerlichen Hackerangriff. Der Konzern habe eine interne Untersuchung eingeleitet und auch die Bundespolizei FBI eingeschaltet, damit dieser "die Verantwortlichen für die Straftat festnimmt".

Eine Hackergruppe mit Namen "LulzSec" hatte am Donnerstag erklärt, von SonyPictures.com mehr als eine Million sensibler Nutzerdaten gestohlen zu haben. Wer sich beim E-Mail-Service der Seite anmeldet, bekommt automatisch Informationen zu Filmen und Fernsehshows zugeschickt. Von dort stahlen die Hacker nach eigenen Angaben sensible Daten.

Hacker lieben Sony

Sony war erst im April Ziel einer Hackerattacke gewesen. Dabei wurden Daten von weltweit etwa hundert Millionen Kunden des Playstation-Netzwerks und des Musik- und Filmdienstes Qriocity gehackt. Später räumte der Konzern ein, dass auch Daten aus seinem Spielenetzwerk Sony Online Entertainment gestohlen worden waren. Daraufhin stoppte der Konzern zunächst sämtliche Angebote.

Das auf Sicherheitsmaßnahmen im Internet spezialisierte US-Unternehmen Trend Micro berichtete von Angriffen auf den E-Mail-Dienst Yahoo und das vom Computerkonzern Microsoft betriebene Hotmail. Die beiden Dienste und Gmail seien zwar offensichtlich getrennt voneinander angegriffen worden, teilte Trend Micro mit. Es gebe aber "auffällige Gemeinsamkeiten".

Die Urheber der ersten Attacke auf Sony sind bisher nicht gefunden, die Spekulationen reichen von professionellen Banden bis hin zu Aktivisten der Web-Guerilla Anonymous. Das lose Netzwerk distanzierte sich zwar von dem Einbruch, wollte aber nicht für einzelne Mitglieder sprechen. Womöglich handelt es sich um auch um eine Racheaktion, weil der Konzern juristisch gegen einen Programmierer mit dem Nickname GeoHot vorgegangen war, der den Kopierschutz der Playstation 3 geknackt hatte.

Der Einbruch bei SonyPictures.com hingegen kann als klassischer "Hack" bezeichnet werden, es handelt sich wohl nicht um den ausgeklügelten Raubzug einer Verbrecherbande, die Kundendaten zu Geld machen wollen. Die Gruppe LulzSec ist in den vergangenen Wochen in eine ganze Reihe Websites eingebrochen. Der Name des nach eigenen Angaben kleinen, spaßorientierten Teams ist eine Kurzform von Lulz Security und lässt sich in etwa mit "Lächerliche Sicherheit" übersetzen.

otr/AFP

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Seite 1
bauagent 04.06.2011
1. Schöne neue Weltordnung
Zitat von sysopNach den Sony-Hacks und Angriffen auf E-Mail-Konten haben die Verteidigungsminister von USA und Großbritannien gefordert, den Kampf gegen Hacker-Attacken zu intensivieren. Es müsse auch geklärt werden, ab wann es sich um kriegerische Akte handelt. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,766676,00.html
Dann dürfen wir uns ja jetzt auf ein endgültig zensiertes Netz freuen. Pünktlich vor dem Absturz des Weltfinanzsystems macht diese Drohung ja auch Sinn.
shran 04.06.2011
2. Ekelhaft
Einfach nur widerlich wie sich hier manche Staatsmänner echauffieren über solche Attacken dann aber gleichzeitig deren Geheimdienste in diversen anderen Staaten rum hacken und versuchen dort wertvolle Informationen über Regierungen oder wirtschaftliche Innovationen zu klauen ! Sorry aber da könnte ich echt kotzen ! Und dann nimmt sich die USA jetzt auch noch bei Cyberattacken das Recht raus dies als Kriegsgrund anzusehen. Mit der selben Logik könnte der Iran jetzt ebenfalls die USA und Israel zubomben. (Stichwort "Stuxnet") Einfach nur noch gaga was zurzeit so alles passiert !!
medienspektakel 04.06.2011
3. ....
Solange es das Internet geben wird, solange wird es auch Hacker geben. Solange es Lebewesen gibt, solange wird es auch Bakterien geben. That´s life
martian-spy-trap 04.06.2011
4. Heute...
...bezeichnet man die Hacker als staatsfeindlich und man "entfernt" sie. Morgen werden es die kritischen Blogger sein, die man als Staatsfeinde deklariert. Das gleiche Schicksal wird sie dann auch ereilen. Und dann? ...
medienspektakel 04.06.2011
5. Ja,
Zitat von martian-spy-trap...bezeichnet man die Hacker als staatsfeindlich und man "entfernt" sie. Morgen werden es die kritischen Blogger sein, die man als Staatsfeinde deklariert. Das gleiche Schicksal wird sie dann auch ereilen. Und dann? ...
ich gehe stark davon aus, dass es so kommen wird. und dann... weiß ich auch nicht. Aber ich hoffe, dass es immer noch ein paar ganz Schlaue geben wird....
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