Sicherheitsvorfall Hackerangriff auf Regierungsnetz läuft noch

Der Hackerangriff aufs deutsche Regierungsnetz ist laut Innenministerium unter Kontrolle - läuft aber trotzdem weiter. Das teilte das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags mit.

Auswärtiges Amt in Berlin
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Auswärtiges Amt in Berlin


Der Hackerangriff auf die Bundesregierung dauert offenbar weiter an. Das teilte das Geheimdienst-Kontrollgremium des Bundestages nach einer Unterrichtung durch Sicherheitsbehörden und Regierungsvertreter mit.

Es handele sich um "einen veritablen Cyberangriff auf Teile des Regierungsnetzes", sagte der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages (PKGr), Armin Schuster (CDU). Das Gremium war zu einer rund zweistündigen Sondersitzung zusammengekommen. Es gehe um einen "noch laufenden Angriff", sagte Schuster im Namen des gesamten PKGr.

Deswegen, so Schuster weiter, "wären öffentliche Diskussionen über Details schlicht eine Warnung an die Angreifer, die wir nicht geben wollen." Für eine Bewertung des Schadens sei es noch zu früh. Schuster betonte aber: "Der Geheimnisverrat an sich ist ein beträchtlicher Schaden." Die Bundesregierung versuche, den Vorgang unter Kontrolle zu halten. Das Parlamentsgremium werde sich in der kommenden Woche erneut mit dem Thema befassen.

"Ich befürchte, das wird sich auswachsen"

Der stellvertretende Vorsitzende der Runde, Konstantin von Notz (Grüne), sagte, es möge gute Gründe geben, warum der Bund bestimmte Informationen über den Vorgang "sehr eng gehalten" habe. Es sei aber inakzeptabel, dass das Kontrollgremium erst über die Medien von alldem erfahre. Das sei ein "handfestes Problem" und müsse ebenfalls aufgeklärt werden.

Konstantin von Notz vor dem Sitzungssaal des Parlamentarischen Kontrollgremiums
DPA

Konstantin von Notz vor dem Sitzungssaal des Parlamentarischen Kontrollgremiums

André Hahn, der für die Linke in dem Kontrollgremium sitzt, beklagte, er habe den Eindruck, dass Regierung und Sicherheitsbehörden den Vorgang versuchten herunterzuspielen. "Ich befürchte, dass in den nächsten Wochen noch einiges ans Licht kommen wird", sagte er. "Ich befürchte, das wird sich auswachsen in den nächsten Tagen."

Am Mittwochabend war bekannt geworden, dass das als sicher geltende Bundesnetz Opfer eines Hackerangriffs wurde. Zuerst berichtet hatte die Nachrichtenagentur dpa. Das Bundesinnenministerium (BMI) sprach am Abend von einem "Sicherheitsvorfall". Dieser betreffe die Informationstechnik und Netze des Bundes. Es geht um das sogenannte Datennetz der Bundesverwaltung - der Informationsverbund Berlin-Bonn (IVBB). Nach aktuellen Informationen ist das Auswärtige Amt von dem Angriff betroffen.

Wer hinter der Attacke steckt, ist bislang unklar. Erste Verdächtigungen weisen auf russische Akteure hin. Im Dezember 2017 sollen die Behörden den Angriff bemerkt haben.

Der parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium, Ole Schröder (CDU), sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Donnerstagvormittag, der Angreifer sei "jederzeit voll kontrolliert von den Sicherheitsbehörden beobachtet worden, um weitere Erkenntnisse über den Angriffsmodus zu erhalten und Sicherheitsmaßnahmen im IVBB einzuleiten".

gru/AFP/dpa



insgesamt 50 Beiträge
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chico 76 01.03.2018
1. Man lässt den
Hackerangriff weiterlaufen, damit die Hintermänner nicht gewarnt werden. Gleichzeitig wird in den Medien der Vorfall publik gemacht. Aha, die Hacker lesen keine Medien, da muss man erst mal draufkommen.
joG 01.03.2018
2. Ich glaube,....
....wir sollten warten, bis die Hacker nicht mehr hacken und die Daten sicher sind, bevor wir der Regierung erlauben unsere Daten zu sammeln. Die Zentralgewalt hat nämlich weit empfindlichere Informationen des Privatbereichs als Facebook.
keine-#-ahnung 01.03.2018
3. Bei dieser deutschen Expertise in Sachen Datensicherheit ...
... freut man sich förmlich auf die Telematikinfrastruktur der GEMATIK. Da müssen Datensammler nicht mal mehr mühevoll eigene, teure Kliniken wie die Apfelfirma hinwuchten ... :-)
gkendo 01.03.2018
4. Eine Frage des Betriebssystems
und eine Frage der Monopolstellung von Microsoft. Bestens zu sehen wie Microsoft seine Interessen durchsetzt am Münchener Beispiel. Vor Jahren wurde LIMUX eingeführt (open source) hat sich bewährt, jedoch der neue Bürgermeister von München, glühender Microsoft Befürworter, will LIMUX (basierend auf Linux) sofort wieder abschaffen. Bei soviel Parteilichkeit wird mir ganz übel und das ein amerikanisches Betriebssystem, das auch noch proprietär ist, sicherer sein soll als open Source, sollte man Kindern als gute Nacht Geschichte vorlesen, aber nicht die Intelligenz von Erwachsenen beleidigen. Siehe der Hackerangriff auf die Regierung, aber München ist sicher!!!
der_rookie 01.03.2018
5. Hm
Letztes Jahr den Bundestag gehackt. Dann weicht der Bundestag auf das sichere Regierungsnetz aus und schwupps ist das gehackt. Ich wuerde vorschlagen sich mal die Bundestagsmitglieder inkl. Verwaltung genauer anzusehen. Vielleicht treibt es da ja jemand mit seiner Russland(?)liebe sehr weit.
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