Hacker-Vorwürfe aus den USA Solarworld-Chef geißelt Spionageangriffe aus China

Der Skandal um mutmaßliche Angriffe chinesischer Hacker auf US-Konzerne erreicht Deutschland. Laut US-Regierung soll auch Solarworld betroffen sein. Firmenchef Asbeck unterstützt die neuen Ermittlungen und warnt vor der Komplettübernahme der Branche durch die Konkurrenz aus Fernost.

Solarworld-Chef Asbeck: Froh über die Initiative der USA
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Solarworld-Chef Asbeck: Froh über die Initiative der USA

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Bonn - Der Bonner Solarkonzern Solarworld zählt offenbar zu den Opfern des mutmaßlichen Hackerangriffs aus China auf US-Konzerne. Wie das Washingtoner Justizministerium am Montagabend mitteilte, ist die amerikanische Tochterfirma von Solarworld eines der fünf US-Unternehmen, welche fünf mutmaßliche Hacker im Dienst der chinesischen Volksbefreiungsarmee ausgespäht haben sollen.

Nach Ministeriumsangaben sollen der Offizier Wen Xinyu und ein nicht idenfizierter Kompagnon im Jahr 2012 Tausende elektronische Datensätze von SolarWorld USA in Hillsboro/Oregon gestohlen haben. Kurz zuvor hatte die Bonner Konzernzentrale bei der US-Handelskommission eine Anti-Dumpingklage gegen mehrere chinesische Konkurrenten wegen angeblicher Niedrigpreise eingereicht. Laut Justizministerium lasen die Hacker die Kommunikation des Unternehmens mit seinen Anwälten über die Dumpingklage mit. Dazu beschafften sie sich Informationen über Solarworlds finanzielle Lage, Produktionsverfahren, Herstellungstechniken und Kosten.

"Wir sind froh, dass die amerikanische Regierung jetzt die Initiative ergreift und unterstützen alle Ermittlungen der US-Behörden", sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck SPIEGEL ONLINE. Die Volksrepublik plane "die komplette Übernahme der weltweiten Solarindustrie mit Mitteln des Dumpings und der Industriespionage".

Nachdem die Solarbranche in den USA und auch in Europa chinesischem Dumping die Stirn geboten habe, sei es zudem nicht überraschend, dass China zu dem bewährten Mittel der Industriespionage greife, sagte Asbeck. "Faire Mittel werden von China mit unfairen Mitteln vergolten."

In der Branche tobt seit Jahren ein Preiskrieg zwischen westlichen Herstellern und ihren meist deutlich billigeren Wettbewerbern aus Fernost. Solarworld hat die Chinesen nicht nur in den USA, sondern auch in Europa wegen Dumpings verklagt. Im Sommer 2013 beschloss die EU Strafzölle auf chinesische Module und setzte Mindestpreise fest. Zurzeit laufen auf Antrag von Solarworld in den USA schon wieder neue Ermittlungen gegen die Chinesen wegen des Verdachts, die Asiaten könnten die Anordnungen umgehen.

Neben Solarworld stehen der Aluminiumproduzent Alcoa, der Atomkraftwerkshersteller Westinghouse, die United States Steel Corporation, der Metallhersteller Allegheny Technologies sowie die Gewerkschaft USW auf der Liste der so genannten "Opfer" der mutmaßlichen Hackerangriffe, die das US-Justizministerium veröffentlichte.

Die Regierung in Peking stritt alle Vorwürfe entschieden ab. Weder Regierung noch das Militär oder das zugehörige Personal seien je in den "Online-Diebstahl" von Geschäftsgeheimnissen verwickelt gewesen.

Dennoch hat in Pennsylvania bereits eine Grand Jury Klage gegen die Chinesen erhoben. Es ist das erste Mal, dass die USA strafrechtlich wegen Cyberspionage gegen einen anderen Staat vorgehen.

Aber auch die USA betreiben Industriespionage gegenüber China: Im März hatte der SPIEGEL enthüllt, dass der US-Militärgeheimdienst NSA mit großem Aufwand den chinesischen IT-Ausrüster Huawei infiltriert hatte.

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tylerdurdenvolland 20.05.2014
1. Da drängt sich eine Frage auf, oder?
Zitat von sysopDPADer Skandal um mutmaßliche Angriffe chinesischer Hacker auf US-Konzerne erreicht Deutschland. Laut US-Regierung soll auch Solarworld betroffen sein. Firmenchef Asbeck unterstützt die neuen Ermittlungen und warnt vor der Komplettübernahme der Branche durch die Konkurrenz aus Fernost. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/hackerangriff-auf-solarworld-asbeck-geisselt-chinesische-spionage-a-970364.html
Wie ist es möglich, dass in Firmen NICHT zwei verschiedene Netzwerke parallel installiert werden? Eines mit Internet Anschluss, und eines ohne? Wären die Angestellten unzufrieden wenn sie nicht je nach Lust und Laune für Privates ins Internet könten? Oder, was genau ist der Grund?
abcstudent 20.05.2014
2. Wie soll man das aufnehmen?
Ich habe den glauben an die USA komplett verloren. Wie soll man das jetzt aufnehmen? die Regierung in Berlin macht garnichts gegen die NSA Spionage und überlässt das der Wirtschaft. Jetzt bei China, logisch das Solar World diese als Konkurrenz fürchtet und laut wird. Die anderen haben Angst vor Umsatzeinbußen und sind leise gegenüber China und den USA. Bei China werden konkrete Ergebnisse aufgelistet. Bei den USA außer Snowdens aussagen nicht wirklich etwas
bezim 20.05.2014
3. wie du mir so ich dir
oder wie es in den wald hineinschallt, so kommt es heraus. Da tun sich alle Beteiligten nicht weh. Glaubt denn jemand, die USA würden darauf verzichten in Europa und dem Innovationsland Deutschland Wirtschaftspionage zu betreiben?
freddygrant 20.05.2014
4. Ja das wird ...
... ja noch richtig spannend. Alle wollen mit allen Mitteln den größten "Global Player" spielen. Nur ist es so, dass der eine muss, und der Andere sollte nicht dürfen - nicht spionieren, nicht nachbauen, nicht billiger verkaufen, nicht unterbieten? Alles im Sinne der Marktwirtschaft und Märkte - die Einen eben mit der kapitalistischen und die anderen mit der kommunistischen Methode. Und wer ist nun der Gute und wer der Böse? Oder ist es nur eine Frage der Sichtweise oder Ideologie. Sehr gefährlich - Letzteres!
izach 20.05.2014
5. So ein Quatsch!
Wir verkaufen alles nach China. Produzieren dort und bilden Leute aus. Wir errichten Hightech Fabriken und liefern damit die Technologie frei Haus. Warum sollten sich die Chinesen die mühe machen und zu spionieren? Eine einfache Anfrage per e-Mail tut es auch. Die Solarzellen werden in China mit deutschen Automaten produziert. Legal hier gekauft und bezahlt. Jetzt bitte nicht jammern meine Herren.
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