Chaos Communication Congress Hacker warnt vor Wahlcomputern in den USA

Ein US-amerikanischer Informatiker hat auf dem Jahrestreff des Chaos Computer Clubs vor möglichen Wahlmanipulationen gewarnt. Auf den eingesetzten Rechnern laufe uralte Software - und das sei noch das kleinste Problem.

J. Alex Halderman auf dem Hackertreffen 35C3
SPIEGEL ONLINE

J. Alex Halderman auf dem Hackertreffen 35C3

Von


Es braucht nicht viel, um eine landesweite Wahl in den USA zu hacken. Das ist eine von zwei zentralen Botschaften von J. Alex Halderman auf dem 35. Chaos Communication Congress in Leipzig (35C3).

Vor zwei Jahren war der Experte für Wahlcomputer von der Universität Michigan schon einmal auf dem Hacker-Kongress zu Gast, kurz nach der US-Präsidentschaftswahl also. Die fiel bekanntlich knapp zu Gunsten von Donald Trump aus. So knapp, dass von den 137 Millionen abgegebenen Stimmen nur 27.500 in ausgewählten Staaten hätten manipuliert werden müssen, um ein Unentschieden zu erreichen.

Halderman gehörte damals zu denen, die in mehreren Bundesstaaten Neuauszählungen durchsetzen wollten. In einer Stichprobe hatte er Unregelmäßigkeiten festgestellt, zudem wusste er um die technischen Schwächen der verschiedenen in den USA eingesetzten Wahlcomputer. Die Neuauszählungen fanden nur zum Teil statt, Beweise für Hacks und Manipulationen wurden dabei nicht gefunden. Haldermans damaliges Fazit lautete trotzdem: Bis zur nächsten Wahl müssen sich die USA besser auf Hackerattacken vorbereiten.

Software teils seit 2005 nicht mehr aktualisiert

Der Satz gilt noch immer, das ist seine zweite zentrale Botschaft in diesem Jahr. Die Kongresswahlen 2018 seien geradezu "unheimlich ruhig" verlaufen, "aber nicht, weil wir unsere Wahl-Infrastruktur so viel besser abgesichert hätten. Sondern weil unser Gegner beschlossen hat, nicht den Abzug zu betätigen".

Denn an den größten Problemen hat sich nach Ansicht von Halderman wenig geändert:

  • Noch immer würden in 18 Bundesstaaten Wahlcomputer vom Typ AccuVote TS-X eingesetzt, mit einer Software, die zum Teil seit 2005 nicht mehr aktualisiert worden sei. Dabei sei bereits 2007 eine lange Liste mit Schwachstellen dieser Maschinen und der Software veröffentlicht worden. Ihr vollständiger Ersatz im ganzen Land würde zwischen 130 und 420 Millionen Dollar kosten.
  • Die Computer seien massiv hackbar, auch ohne direkten Zugang. Ihre wichtigsten Funktionen würden über Speicherkarten gesteuert, und die wiederum würden oft zentral von kleinen Firmen mithilfe alter Windows-PCs vorbereitet, sagt Halderman. Wer diese Computer kompromittiere, könne die Speicherkarten manipulieren und damit dann die eigentlichen Wahlcomputer.
  • Viele der eingesetzten Maschinen gäben keinen vom Wähler kontrollierbaren Papierausdruck aus, mit dem sich die Stimmen nachträglich noch einmal auszählen ließen.
  • In Georgia habe sich zudem auch das System zur Registrierung von Wählern als haarsträubend schlecht gesichert herausgestellt - wenige Tage vor der Wahl.
  • Die dringend empfohlene manuelle Überprüfung der von den Computern ausgegebenen Ergebnisse anhand einer statistisch abgesicherten Stichprobe finde oft nicht statt. Landesweit koste sie etwa 25 Millionen Dollar pro Jahr.
  • Eine vermeintliche Stärke des US-Systems hält Halderman eher für eine Schwäche: Es gibt keine bundesweiten Vorgaben für den Einsatz von Wahlcomputern, weshalb viele verschiedene Modelle im Einsatz sind. Halderman argumentiert, ein Angreifer könne sich deshalb schon vorab jene Gebiete aussuchen, in denen die Geräte besonders verwundbar seien.
  • Ein Gesetz, das viele dieser Probleme adressiert hätte und viel Zuspruch aus beiden Parteien bekam, ist vorerst am Widerstand aus dem Weißen Haus gescheitert.

"Bislang", sagt Halderman, "beruht das Vertrauen in das US-Wahlsystem auf dem Glauben in die Technik und das System als Ganzes. Aber die Wähler verdienen mehr, sie verdienen Beweise für die Sicherheit der Technik."

Die nächsten Präsidentschaftswahlen finden in 22 Monaten statt. Wenn Regierung und Kongress nicht bald handeln, kann Halderman auf dem 37C3 den gleichen Vortrag zum dritten Mal halten.

Hinweis: Die Videoaufzeichnung des Vortrags findet sich hier.



insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
m.klagge 27.12.2018
1. Äh, wundert das jemanden?
Alles. was im Land der Freien und Braven mit politischen Wahlen zu tun hat ist eine Lachnummer und zeigt eigentlich nur, dass diese sogenannten Wahlen keinerlei Rolle spielen wenn es um die Macht in den USA geht.
smokey55 27.12.2018
2. Das Wunderland der Demokratie
Es gibt in USA drei Sorten Menschen: a) die Einen interessiert nichts außer der unmittelbaren Umgebung, gehen auch meißt nicht wählen .. kommt eh nichts anders bei raus b) die Leute die "Gods own Country" für den perfektesten aller Staaten halten c) die Politiker und ihre Corona ... dazu sagt man besser nichts ohne vorher einen Anwalt zu konsultieren. Worüber sollte man sich wundern wenn das gesellschaftliche miteinander auf dem Stand von 1800 ist? Ausnahme: soziale Netze .. ein Kommentar dazu erübrigt sich.
ulrichkliegis 27.12.2018
3. An Bewährtem festhalten
Überrascht das noch irgendjemanden? Interessant wäre, wie man diese Bedenken in USA seitens der Wähler bewertet. Gibt es beim Spiegel noch jemanden, der darüber objektiv berichten kann?
geboren1969 27.12.2018
4. Das weisse Haus
war gegen die Gesetzesinitiative beider Parteien. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. MAGA....;-)
Forums-Geschwurbel 27.12.2018
5.
Zitat von smokey55Es gibt in USA drei Sorten Menschen: a) die Einen interessiert nichts außer der unmittelbaren Umgebung, gehen auch meißt nicht wählen .. kommt eh nichts anders bei raus b) die Leute die "Gods own Country" für den perfektesten aller Staaten halten c) die Politiker und ihre Corona ... dazu sagt man besser nichts ohne vorher einen Anwalt zu konsultieren. Worüber sollte man sich wundern wenn das gesellschaftliche miteinander auf dem Stand von 1800 ist? Ausnahme: soziale Netze .. ein Kommentar dazu erübrigt sich.
Doch, die gehen sogar umso mehr wählen ... Da kommt dann nämlich sehr wohl etwas bei raus ! Und zwar etwas, was das direkte Umfeld betrifft. Zum Beispiel die Legalisierung von Cannabis in etlichen US-Staaten. Das haben sich nämlich nicht "Politiker und ihre Corona" ausgedacht. Wann darf denn ein Deutscher darüber abstimmen ? Na ?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.