Handy-Überwachung: Berliner Polizei rasterte mehrfach Mobilfunk-Nutzer

Umstrittene Praxis, häufiger Einsatz: Nach Informationen des SPIEGEL hat die Berliner Polizei bei Ermittlungen im Fall des mutmaßlichen Serienbrandstifters André H. mehrfach Mobilfunkdaten ausgewertet.

Funkzellen-Visualisierung: Das Blog netzpolitik.org enthüllt Berliner Fahndungstaktik Zur Großansicht
netzpolitik.org

Funkzellen-Visualisierung: Das Blog netzpolitik.org enthüllt Berliner Fahndungstaktik

Die Berliner Polizei hat auch im Fall des mutmaßlichen Serienbrandstifters André H. Funkzellenabfragen durchgeführt. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dem SPIEGEL bestätigte, wurde die umstrittene Maßnahme bei den Ermittlungen "in mehreren Fällen" eingesetzt.

Später hätten die Ermittler festgestellt, dass das Handy des Verdächtigen zur Tatzeit in der Nähe des Tatorts aktiv gewesen sei, hieß es. Der Mann war im Oktober 2011 festgenommen worden und hatte 67 Brandstiftungen eingeräumt. Mittlerweile gehen die Ermittler sogar davon aus, dass er in über 100 Fällen Autos angezündet und weitere beschädigt hat.

Bei der Verhaftung des Verdächtigen hatten die Behörden bei der Darstellung der Fahndung dieses wichtige Detail verschwiegen. Damals stellte die Polizei den Fall so dar: Man sei dem Mann durch die Auswertung von Überwachungsvideos aus Haltestellen auf die Spur gekommen. Der später Verhaftete sei Fahndern aufgefallen, weil er kurz vor und nach Brandanschlägen auf Überwachungsfilmen zu sehen war. Polizisten hätten André H. "später zufällig identifizieren" können, hieß es damals.

Wie identifizierte die Polizei André H.?

Bislang hat die Berliner Polizei nicht veröffentlicht, wie oft wie viele Handy-Daten abgefragt wurden. Die bislang verfügbaren Informationen deuten jedoch darauf hin, dass Tausende Besitzer von Mobiltelefonen betroffen sein könnten. Das Blog netzpolitik.org hatte am Donnerstag Teile einer Strafakte veröffentlicht. Konkret geht es darin um eine versuchte Autobrandstiftung am 24. Oktober 2009 in der Rigaer Straße im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Um ermitteln zu können, wer sich zur Tatzeit vor Ort befand, bat die Polizei den Dokumenten zufolge um Auskunft über "sämtliche Verkehrsdaten" von insgesamt 13 Mobilfunkzellen in der Umgebung. Vier große Mobilfunkbetreiber mussten daraufhin die Daten in der Zeit von 03.45 Uhr bis 05.00 Uhr am Morgen des fraglichen Tages offenlegen.

Zu den Verkehrsdaten gehören unter anderem die Telefonnummer und Standortinformationen. Um Namen und Adressen der jeweiligen Handy-Besitzer zu ermitteln, müssen die Ermittler in einem zweiten Schritt diese sogenannten Bestandsdaten bei den Mobilfunkanbietern abfragen. Ob dies in Berlin geschehen ist, geht nicht aus den bislang vorliegenden Informationen hervor.

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Wo ist das Problem?
frank_w._abagnale 22.01.2012
Und? Wo ist das Problem? Brandstiftung ist eine schwere Straftat. Wenn Straftäter durch eine derartige Rasterung gefasst und weitere Taten verhindert werden können, habe ich kein Problem damit. Ich habe auch kein Problem damit, wenn mein Telefon dabei auch ins Raster gerät. Ich habe schließlich nichts zu verbergen.
2. habe nichts zu verbergen.
zins-bürger 22.01.2012
Zitat von frank_w._abagnaleUnd? Wo ist das Problem? Brandstiftung ist eine schwere Straftat. Wenn Straftäter durch eine derartige Rasterung gefasst und weitere Taten verhindert werden können, habe ich kein Problem damit. Ich habe auch kein Problem damit, wenn mein Telefon dabei auch ins Raster gerät. Ich habe schließlich nichts zu verbergen.
Haben Sie wirklich ein Alibi, oder vermuten Sie es nur ?
3.
bambus07 22.01.2012
Zitat von zins-bürgerHaben Sie wirklich ein Alibi, oder vermuten Sie es nur ?
In high tech Zeitalter wird die Polizei schwerlich mit "Steinzeitmethoden" Kriminelle ermittelen sollen, oder? Wer so argumentiert, darf sich nicht über ausufernde Kriminalität wundern!
4. Held der Arbeit
Loewe_78 22.01.2012
Zitat von frank_w._abagnaleUnd? Wo ist das Problem? Brandstiftung ist eine schwere Straftat. Wenn Straftäter durch eine derartige Rasterung gefasst und weitere Taten verhindert werden können, habe ich kein Problem damit. Ich habe auch kein Problem damit, wenn mein Telefon dabei auch ins Raster gerät. Ich habe schließlich nichts zu verbergen.
In der DDR wären Sie ein Musterbürger gewesen. Allerdings waren die Überwachungsmöglichkeiten der Stasi nicht ganz so dich. Wahrscheinlich hätten die aber doch rausgekriegt, was Sie eben doch zu verbergen haben. P.S.: Was das genau ist, sagt man ihnen dann, wenn Sie eingefahren sind. Weil die über Sie gesammelten Daten mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von, sagen wir mal, 10% darauf hindeuten, dass Sie einer von den 100 naheliegendsten Personen sind, die ganz dolle Systemfeinde sind. Dann wird man Ihnen eröffnen, dass man weiß, welche Praktiken Sie sexuell über die Maßen erregen, dass Sie Ihr Klopapier beidseitig benutzen oder oderoder - und ob das Ihre Nachbarn wirklich alles erfahren müssen.
5. Schon mal nachgedacht?
iketchup 22.01.2012
Zitat von frank_w._abagnaleUnd? Wo ist das Problem? Ich habe schließlich nichts zu verbergen.
Nicht nur die Bürger können Geheimnisse gegenüber dem Staat haben, sondern der Staat hat auch Geheimnisse gegenüber dem Bürger. Heinz Ketchup
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