Regeln für soziale Netzwerke Facebook bittet Nutzer um Lösungsvorschläge

Charmeoffensive gegen wachsenden politischen Druck: Mit einer neuen Initiative will Facebook umstrittene Entscheidungen bei Themen wie Fake News und Online-Hetze besser erklären - und gibt sich demütig.

Facebook-Logo auf einer Konferenz in den USA
AFP

Facebook-Logo auf einer Konferenz in den USA


Egal ob es um Fake News, das Entfernen von Hetze oder die Online-Radikalisierung von Terroristen auf der Plattform geht: Facebook steht wegen seines Umgangs mit solchen Problemen weltweit in der Kritik.

Nun hat der US-Konzern eine Initiative gestartet, um der Öffentlichkeit seine Entscheidungsprozesse besser zu erklären - und zu verkaufen. In der Serie "hard questions" (auf deutsch: "schwierige Fragen") will Facebook sieben umstrittene Themen aus dem Alltagsgeschäft des sozialen Netzwerks in Blogposts aufarbeiten und Feedback zu diesen Themen von seinen Nutzern einholen. Wie Facebook die so gesammelten Kommentare und Anregungen konkret nutzen oder umsetzen will, wird in dem Blogeintrag nicht erklärt.

Die Auswahl der Themen liest sich wie eine Auflistung der Probleme, die Facebook derzeit am meisten zu schaffen machen und die gewaltig am Image des Konzerns kratzen:

  • Online-Terrorismus: Wie soll Facebook gegen Terror-Propaganda vorgehen?
  • Digitales Erbe: Was passiert mit den Nutzerdaten, wenn eine Person stirbt?
  • Anstößige Beiträge: Wie aggressiv soll Facebook Inhalte entfernen? Nach welchen Regeln soll das passieren?
  • Fake News: Wie soll Facebook zwischen falschen Nachrichten und zulässiger politischer Meinungsäußerung entscheiden?
  • Sind soziale Medien gut für die Demokratie?
  • Datennutzung: Wie können Nutzerdaten von Facebook verwendet werden?
  • Junge Internetnutzer: Wie können neue Wege gefunden werden, über die sich junge Nutzer ausdrücken - und dabei sicher fühlen - können?

Facebook reagiert auf Druck aus der Politik

Vor allem in Europa hat der politische Druck auf Facebook und andere Online-Dienste zugenommen, härter gegen terroristische Propaganda vorzugehen. So erklärte die britische Premierministerin Theresa May nach dem jüngsten Attentat auf der London Bridge, Extremismus finde im Netz eine sichere Brutstätte - und die großen Internetunternehmen ließen dies zu.

Deshalb ist es wohl kein Zufall, dass es im ersten Beitrag der "hard questions"-Serie um dieses Thema geht. "Wir wollen terroristische Inhalte sofort entdecken, bevor Menschen in unserer Community sie zu sehen bekommen", betont die zuständige Facebook-Managerin Monika Bickert in einem Blogeintrag vom Donnerstag - um dann zu belegen, wie viel ihr Unternehmen bereits gegen das Problem unternehme.

Künstliche Intelligenz soll es richten

Facebook setze zum Beispiel künstliche Intelligenz ein, um terroristische Inhalte auf seiner Plattform zu entdecken. Dabei gehe es unter anderem darum, bereits bekannte Bilder und Videos beim erneuten Hochladen zu stoppen. Zugleich experimentiere man auch mit Software, die automatisch eine terroristische Einstellung in Texten erkennen solle. Aktuell würden dafür Einträge ausgewertet, die bereits gelöscht wurden, weil sie Terror-Organisationen wie Isis oder Al-Kaida unterstützen.

Mit den Ergebnissen dieser Analyse will Facebook einen Algorithmus füttern, der gerade lerne, derartige Posts selbst zu erkennen. Außer auf Englisch laufe die Arbeit auch in weiteren Sprachen, zum Teil aus dem arabischen Raum, schreibt Bickert. Ihr zufolge wird mittlerweile mehr als die Hälfte der Facebook-Accounts, die wegen Terror-Propaganda gelöscht werden, vom Netzwerk selbst entdeckt.

Die Erkenntnisse aus der Arbeit an Facebook sollen auch verwendet werden, um Profile mit terroristischen Inhalten bei anderen Diensten des Unternehmens, etwa Instagram und WhatsApp, zu finden. Deshalb sei es wichtig, dass deren Apps Daten an Facebook weiterreichen dürfen, heißt es in dem Blogeintrag.

Dieser Hinweis kommt alles andere als uneigennützig: Facebooks Versuch, Zugriff auf Informationen von WhatsApp-Nutzern zu bekommen, wurde im vergangenen Jahr in Europa von Datenschützern blockiert.

gru/dpa

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