Studie zur Internetgeschwindigkeit Highspeed? Von wegen!

Internetverbindungen liefern nur selten das Tempo, das die Werbung verspricht. Zu diesem Schluss kommt die Bundesnetzagentur. Besonders ärgerlich ist die Lage für Kunden mit ohnehin geringen Geschwindigkeiten.

Ethernetkabel
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Bei ihren Angeboten für "schnelles Internet" halten viele Anbieter nicht, was sie versprechen. Das berichtet die Bundesnetzagentur auf Grundlage von Messungen mit insgesamt rund 160.000 Festnetz- und Mobilanschlüssen. Die Breitbandanschlüsse erreichten in den allermeisten Fällen nicht die versprochenen und oft breit beworbenen Maximalwerte, heißt es.

Im Festnetz haben laut der Studie nur rund zwölf Prozent der Anschlüsse tatsächlich die vertraglich zugesicherte Maximalgeschwindigkeit oder gar eine höhere geliefert. Bei Mobilfunkanschlüssen waren es nur rund fünf Prozent.

Gemessen wurde bei gut 106.000 Festnetz- und knapp 54.000 Mobilfunkkunden, die zwischen September 2015 und September 2016 ein entsprechendes kostenloses Angebot der Behörde per App oder Website in Anspruch genommen hatten. Die Stichprobe ist nicht repräsentativ, betont die Netzagentur: Die Kunden haben aus eigenem Antrieb an der Messung teilgenommen.

Tagsüber Tempo, abends Probleme

Beim Festnetz seien vor allem die kleineren Leitungen mit Geschwindigkeiten zwischen acht und 18 Mbit pro Sekunde (Mbit/s) durch schlechte Leistungen aufgefallen, heißt es. Leitungen der höchsten Klasse zwischen 200 und 500 Mbit schnitten vielfach besser ab. Bei ihnen gebe es aber in der abendlichen intensiven Nutzungszeit Probleme - möglicherweise, weil sich dann mehrere Kabelanschlusskunden die Kapazitäten teilen müssten.

Netzagenturchef Jochen Homann sagte, insgesamt hätte immerhin die Hälfte der Festnetznutzer mindestens 60 Prozent der vereinbarten Datenrate tatsächlich bekommen.

Beim Mobilfunk liegt das Leistungsniveau laut der Netzagentur aber deutlich unter den Festnetzangeboten. Vor allem hohe LTE-Geschwindigkeiten von 300 Mbit pro Sekunde, die viele Anbieter in der Werbung versprechen, würden in der Praxis nur "in Ausnahmefällen" erreicht.

Kaum Verbesserungen

Der Vergleich zu Studien aus den Jahren 2012 und 2013 habe gezeigt, dass die Internetbranche mit dem aktuellen Ergebnis keine wesentlichen Verbesserungen erreicht habe, erklärte die Behörde. Ein Sprecher sagte: "Wenn die Anbieter zukünftig weiter keine realistischen Geschwindigkeitsangaben machen, kann die Bundesnetzagentur gegen einzelne Unternehmen Verfahren durchführen."

Sanktionen bei hohen Abweichungen von der vertraglichen Übertragungsgeschwindigkeit hatten bereits die Grünen im Bundestag gefordert. Sie stützten sich dabei auf eine EU-Verordnung, nach der kontinuierlich abweichende Leistungen der Anbieter ihre Vertragstreue infrage stellen.

Die Ergebnisse der Messungen der Netzagentur lassen sich auf Breitbandmessung.de in Form einer Karte nachvollziehen, dort kann man auch seinen eigenen Anschluss testen. Die Hintergründe des Verfahrens erklärt die Netzagentur in ihrem Bericht. So wird zum Beispiel erwähnt, dass die jeweiligen Messergebnisse durch verschiedene Effekte beeinflusst werden können - etwa durch ein weiteres Gerät, das parallel denselben Internetanschluss nutzt.

Sind die gemessenen Werte des eigenen Anschlusses deutlich niedriger als versprochen, sollten Kunden beim Anbieter Nachbesserung fordern, rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Anschlussinhaber sollten am besten an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen zu jeweils unterschiedlichen Zeitpunkten messen und die Ergebnisse protokollieren.

mbö/dpa

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