Icann-Entscheidung: Web-Wächter erlauben Domain-Namen für Firmen

Diese Entscheidung verändert, wie wir im Netz navigieren: Der Web-Verwalter Icann hat den Weg für zahlreiche neue URL-Endungen, die Top-Level-Domains, frei gemacht. Statt ".de" oder ".com" können künftig auch Firmennamen am Ende von Web-Adressen stehen - wenn die Konzerne eine sechsstellige Summe bezahlen.

Icann: Die Internet-Adressverwalter Fotos
AFP

Singapur - "Die heutige Entscheidung wird ein neues Internetzeitalter in Gang setzen", sagte Peter Dengate Thrush am Montag. Der Vorsitzende der Organisation, die das Adressensystem im Internet verwaltet, begrüßte damit eine wegweisende Entscheidung: Es wird neue Domain-Endungen geben, Unternehmen sollen praktisch jedes Wort in jeder Sprache als sogenannte Top-Level Domain (TLD) beantragen können, das ist der Teil einer Internetadresse nach dem letzten Punkt.

Die Erweiterung hat der Verwaltungsrat der Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) auf seiner Sitzung in Singapur mit großer Mehrheit beschlossen. Hunderte neue Endungen könnten nun bis Ende nächsten Jahres geschaffen werden. Die Icann setzte sich damit über Befürchtungen hinweg, die neuen Domains als Ersatz für die bisherige allgemeine Firmenendung ".com" könnten das System der Namensgebung im Internet durcheinander bringen. "Die verwirrende Anfangsphase wird kurz sein", versprach Icann-Vorstandsmitglied Sébastian Bachollet.

"Wir sind sehr zufrieden mit der Entscheidung", sagte Thomas Rickert vom Verband der Internetwirtschaft in Deutschland eco. Nur schnell genug ist es ihm nicht gegangen: "Den Grundsatzbeschluss gab es schon vor drei Jahren, seitdem wurde verhandelt." Vor allem Rechteinhaber und Markenbesitzer hätten eine extrem beharrliche Lobby-Arbeit betrieben. Der sogenannte "Rights Protection Mechanism" schützt ihre Interessen, soll verhindern, dass sich Produktpiraten einfach einen Markennamen kapern. "Aber das ist auch okay so, die neuen Domain-Endungen sollen geprägt sein von Vertrauen", sagte Rickert.

Die Icann hatte neue Top-Level-Domains bisher nur äußerst restriktiv vergeben. Zu den Ländercodes mit zwei Zeichen wie .de oder .es kamen vor rund zehn Jahren einige wenige Endungen hinzu. Die neuen Adressen .aero, .coop, .museum, .biz, .info, .name und .pro konnten sich aber nur zum Teil durchsetzen. Im Jahr 2003 kamen weitere Endungen hinzu (.asia, .cat, .jobs, .mobi, .tel und .travel) - und dieses Jahr wurde die Rotlicht-Domain .xxx nach langem hin und her beschlossen.

Mit der nun getroffenen Entscheidung sollen Firmen eine eigene Endung beantragen können, nicht Privatleute. Es wird erwartet, dass vor allem Großkonzerne künftig ihre Websites unter eigenen Top-Level Domains betreiben. Die Hürden dafür liegen recht hoch. Im Januar 2012 soll der Registrierungsprozess beginnen - ein Antrag kostet 185.000 Dollar. Das genaue Verfahren erklärt die Icann auf ihrer Website (PDF-Datei). Sollte im Bewerbungsverfahren klar werden, dass der Antrag scheitert, kann er aber auch zurückgezogen werden. Für Unternehmen aus Entwicklungsländern soll der Preis niedriger ausfallen, hierzu gibt es aber bisher kein Ergebnis.

"Das ist die umfangreichste Änderung bei den Domain-Namen seit der Einführung von '.com' vor 26 Jahren", kommentierte Theo Hnarakis, Chef eines Internetdienstleisters im US-Bundesstaat Kalifornien, die Entscheidung. Mit der Neuerung müssten sich Firmen und andere Organisationen nicht länger auf bisherige Endungen wie ".com", ".net" oder ".org" beschränken.

Nach Ansicht von Hnarakis könnten gerade große Unternehmen mit einem besonderen Interesse an der Kundenbindung "Wettbewerbsvorteile" aus den neuen Internetadressen ziehen. Zugleich warnte er, dass die Vergabe der Domains nicht so einfach gestaltet werden solle wie die Registrierung einer ".com"-Endung. "Das wird eine komplexe Aufgabe, die Nachdenken und Investitionen erfordert", sagte Hnarakis. Den Konzernen riet er, gewünschte Registrierungen umgehend in Angriff zu nehmen.

ore/AFP/dapd

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insgesamt 61 Beiträge
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1. ...
butter_milch 20.06.2011
Unnötig und verwirrend. Dumme Idee, die nur umgesetzt wird weil sie Geld macht.
2. t
loncaros 20.06.2011
und wie verändert dies dann wie wir surfen? Eigentlich gar nicht, wir geben doch auch blos Buchstaben in die Zeile ein.
3. neue Möglichkeiten
critique 20.06.2011
Gibt es dann auch .möp? oder .punktkommastrichfertigistdasmondgesicht?
4. ...
Rodri 20.06.2011
Vollkommen schwachsinnige Idee... als ob nur eine einzige Person sich einem Unternehmen mehr verbunden fühlt, wenn es eine eigene Internetendung hat... rofl
5. stimmt nicht
Nonvaio01 20.06.2011
Zitat von butter_milchUnnötig und verwirrend. Dumme Idee, die nur umgesetzt wird weil sie Geld macht.
das ist unfug was Sie sagen. Momentan ist es doch so das Firmen die Weltweit Geschaeftlich taetig sind sich hunderte von adressen kaufen muessen, damit diese dann nicht von *Geldmachern* geblockt wird. Im falle von Coca Cola z.b. da ist es doch einfacher eine Cola domain zu haben als z.b. Cocacola.de Cocacola.at cocacola.ie cocacola.se Ich denke Sie wissen worauf ich hinaus will, da ich keine lust habe ueber hundert web addressen aufzulisten..;-) Fuer den kleinen laden neben an ist es nicht interessant, aber fuer Firmen wie Daimler, SAP,Oracle...etc sehr wohl.
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So funktioniert das DNS-System
DNS ist das Kürzel für "Domain Name System" und steht für eine Technik, die es erheblich erleichtert, das Internet zu benutzen. Das dem Internet als Netzstandard zugrunde liegende Internet-Protocol (IP) legt fest, dass jede Website durch eine aus vier Zahlen zusammengesetzte, vier- bis zwölfstellige IP-Adresse identifiziert wird. Im Grunde müsste man beim Websurfen deshalb immer Adressen nach dem Muster 195.71.11.67 (SPIEGEL ONLINE) in die Adresszeile des Browsers eingeben. Doch wer könnte sich schon die IP-Adressen all seiner Lieblings-Websites in dieser Form merken?

Als Lösung für dieses Problem wurde das DNS-System entwickelt. Dabei handelt es sich um Datenbanken, in denen jeder IP-Adresse ein für Menschen verständlicher Name zugeordnet ist. Im Fall von SPIEGEL ONLINE übersetzt eine solche Datenbank die Browsereingabe www.spiegel.de in die IP-Adresse 195.71.11.67. Weil aber eine einzige Datenbank nicht ausreichen würde, um die Anfragen aller Internetnutzer zu beantworten, gibt es davon etliche Kopien, welche die Zugangsanbieter auf ihren eigenen DNS-Servern bereithalten und deren Datenbestände regelmäßig untereinander abgleichen.

Zudem bleibt es oft nicht bei einer einzigen DNS-Anfrage, wenn eine Seite aufgerufen wird, da es in der Natur des Web liegt, Seiten miteinander zu vernetzen. Beispielsweise wenn Bilder, Texte oder Videos aus anderen Quellen eingebunden werden, können beim Aufruf der Seite mehrere DNS-Anfragen nötig sein, um alle Inhalte laden zu können - und das kann Zeit kosten.


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