Indien: Frauen für Facebook-Posting verhaftet

Indische Beamte haben eine junge Frau festgenommen, weil sie bei Facebook ihre Meinung gesagt hat - es ging um die Beisetzung eines fundamentalistischen Politikers. Eine weitere Frau wurde verhaftet, weil sie auf den Like-Button geklickt hatte. Indische Medien reagierten empört.

Bal Thackeray: Sie nannten ihn "Sahib" Fotos
DPA

Mumbai - Die junge Frau, die am Wochenende verhaftet wurde, hatte sich bei Facebook zur Beisetzung eines einst mächtigen fundamentalistischen Hindu-Politikers geäußert. Sie hatte kritisiert, dass in Mumbai der Verkehr praktisch zum Stillstand gekommen und Geschäfte geschlossen worden waren, als Tausende am Sonntag von dem verstorbenen hinduistischen Politikers Bal Thackeray Abschied nahmen. Eine weitere Frau wurde offenbar verhaftet, weil sie per Klick auf den "Gefällt mir"-Knopf ihre Zustimmung zu dem kritischen Posting bekundet hatte.

Thackerays Leichnam war am Sonntag im offenen Sarg durch die Straßen Mumbais getragen worden und dann in einem Park verbrannt worden. Am Samstag war er im Alter von 86 Jahren nach längerer Krankheit an Herz-Lungen-Versagen gestorben. Tausende Anhänger hatten sich daraufhin vor seinem Wohnsitz versammelt.

Thackeray war ein umstrittener Mann. Einst hatte er sich selbst als Hitler-Bewunderer bezeichnet und sowohl gegen Muslime als auch gegen die christliche Missionierung in Indien mobil gemacht - auch mit konkreten Aufrufen zu Gewalttaten. 1966 hatte Thackeray im Bundesstaat Maharashtra die radikal-nationalistische Hindu-Partei Shiv Sena (Shivajis Kampftruppe) gegründet. Er benannte diese nach dem Hindu-Feldherrn Shivaji, der einst gegen die muslimischen Mogul-Herrscher kämpfte.

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Bal Thackeray: Sie nannten ihn "Sahib"

Shiv Sena und Thackeray persönlich sind für die Ausschreitungen zwischen Hindus und Muslimen mitverantwortlich gemacht worden, bei denen von Dezember 1992 bis Januar 1993 in Maharashtras Hauptstadt Mumbai Hunderte Menschen ums Leben kamen.

Die Behörden von Maharashtra waren es nun, die die beiden Frauen wegen des Facebook-Postings und der Zustimmung per Like-Button verhaften ließen. Am Dienstag wurde in indischen Medien viel Kritik an der Entscheidung geübt. Den Behörden wurde vorgeworfen, die Meinungsfreiheit einzuschränken. Beide Frauen wurden am Montag gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt.

Die Behörden hatten die beiden möglicherweise festgesetzt, um Gewalt durch Unterstützer Thackerays zuvorzukommen. Die Beisetzungsfeierlichkeiten in Mumbai wurden mit einem gewaltigen Polizeiaufgebot gesichert: 20.000 Beamte waren im Einsatz. Überwiegend verlief der Tag friedlich. Die vom Onkel einer der beiden Frauen betriebene Klinik wurde jedoch von wütenden Anhängern des verstorbenen Politikers verwüstet.

cis/AP/dpa

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