Internet-Attacke "Iranian Cyber Army" hackt Twitter-Website

Die Website des Kurznachrichtendienstes Twitter ist über Nacht von Hackern angegriffen worden. Eine Weile war statt der üblichen Startseite eine Botschaft einer Gruppe zu sehen, die sich selbst "Iranian Cyber Army" nennt.

Hacker-Botschaft: "Wenn der Anführer es befiehlt, werden wir stürmen"

Hacker-Botschaft: "Wenn der Anführer es befiehlt, werden wir stürmen"


Hamburg - Der Dienst Twitter selbst war nach ersten Angaben der Betreiber nicht von der Attacke betroffen - einem aktuellen Eintrag im Unternehmensblog zufolge wurden die DNS-Eintragungen von Twitter.com vorübergehend geändert. Das bedeutet, dass alle Anfragen, die für Twitter.com bestimmt waren, auf eine andere Seite umgelenkt wurden. Die internen Datenbanken und Mechanismen des Dienstes sollten von einer derartigen Attacke allerdings unberührt bleiben. Dementsprechend funktionierte Twitter weiter - wenn man nicht über die Startseite auf das Angebot zugriff, sondern über eine der inzwischen zahlreichen Twitter-Anwendungen für Rechner, Browser oder Telefon. Dem Fachdienst "eWeek" zufolge war die Seite nach etwa einer Stunde wieder erreichbar.

Die Seite, auf die Twitter.com vorübergehend umgeleitet wurde, trug "Techcrunch" zufolge das Bild einer grünen Fahne und die Botschaft: "Diese Site wurde von der Iranian Cyber Army gehackt", gefolgt von einer E-Mail-Adresse. Die Grüne Fahne zierten in Farsi die Worte: "Wenn der Anführer es befiehlt, werden wir stürmen. Wenn er will, dass wir unser Leben einsetzen, werden wir das tun. Wenn er von uns Geduld und Beharrlichkeit verlangt, werden wir uns hinsetzen, ausharren und unser Leiden erdulden." Darunter hieß es hieß es auf der Seite, in holprigem Englisch und einer wilden Mischung aus Groß- und Kleinbuchstaben: "Die USA glauben, dass sie das Internet durch ihren Zugang kontrollieren und verwalten, aber sie tun es nicht. Wir kontrollieren und verwalten das Internet mit unserer Macht, versucht also nicht, das iranische Volk zu reizen ..." Man werde "die USA auf die Embargo-Liste drängen".

"Was für ein blaues Auge"

Auf der IT-Website Heise.de wird spekuliert, ein Twitter-Administrator könnte einer Phishing-Attacke zum Opfer gefallen sein. Mit seinen Logindaten hätten die Angreifer dann die DNS-Daten beim Website-Registrar ändern und so Besucher der Seite umleiten können. Die für den Internet-Adressraum zuständige Organisation Icann habe bereits im vergangenen Jahr vor derartigen Versuchen gewarnt, an Zugangsdaten für die Sites von WWW-Registraren zu kommen.

Twitter hatte im zurückliegenden Jahr immer wieder mit Sicherheitsproblemen zu kämpfen. Im Januar etwa wurden diverse Accounts von Prominenten übernommen und über sie unsinnige oder beleidigende Nachrichten verbreitet. Auch hier war ein Hacker am Werk gewesen. Damals wie heute erntete der vor allem in den USA inzwischen extrem populäre Dienst heftige Kritik von seinen Intensivnutzern. Unter der Überschrift "Was für ein blaues Auge" rechnet etwa Tech-Blogger Ben Parr bei "Mashable" heute mit Twitter ab: "Das hier ist für eine der 20 weltweit meistbesuchten Websites inakzeptabel", so Parr. Jemand werde für den Hack geradestehen müssen, Twitter müsse sicherstellen, "dass so etwas nie mehr geschehen kann".

Im inneriranischen Konflikt nach der umstrittenen Wiederwahl von Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten des Landes hatte Twitter eine maßgebliche Rolle gespielt. Die Protestbewegung wurde zum Teil über die Plattform koordiniert, Nachrichten, Bilder und Links zu Videos von Demonstrationen und Gewalttaten wurden über Twitter in die Welt getragen. In den gestern vom Unternehmen selbst veröffentlichten meistgenutzen Begriffen in Tweets im Jahr 2009 steht #iranelection, das Sammelthema der Protestbewegung, ganz oben.

Aus Iran gab es auch Berichte, dass Menschen, die bei Demonstrationen ihr Handy in die Höhe halten, um zu filmen oder zu fotografieren, Schläge der Ahmadinedschad-treuen Milizen riskierten. Es gab auch glaubhafte Gerüchte, iranische Sicherheitsbehörden hätten selbst Twitter-Accounts angelegt, um gezielt Propaganda und Desinformation unter den Protestierenden zu verbreiten.

cis

insgesamt 2 Beiträge
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Sabi 18.12.2009
1. Regime in Sorge
Das Mullah-Regime hat nun die Wirkung von Twitter, Internet,Mobil-Tel. , etc. erkannt und versucht massiv mit viel Gelddagegen zu halten . Die Revolutionswächter haben die iran.Telekom (Monopolist) gekauft. So haben sie Festnetz, Mobil-Netz, Internet, etc. alles in der Hand ! Außerdem gibt das Regime viel Geld aus um die Satelliten-Programme der Oppositionellen mitParasitsendern zu stören,sodaß diese Sender ständig neue Frequenzen suchen müssen,oder gar neue Satelliten !
Diomedes 19.12.2009
2. Die üblichen orientalischen Zoten…
Man fühlt sich angesichts dieser derben Zoten an die Worte Hegels über den Orient erinnert: "Die Orientalen wissen es noch nicht, daß der Geist oder der Mensch als solcher an sich frei ist; weil sie es nicht wissen, sind sie es nicht; sie wissen nur, daß Einer frei ist, aber ebendarum ist solche Freiheit nur Willkür, Wildheit, Dumpfheit der Leidenschaft oder auch eine Milde, Zahmheit derselben, die selbst nur ein Naturzufall oder eine Willkür ist. Dieser Eine ist darum nur ein Despot, nicht ein freier Mann." – und fragt sich gleichzeitig, höchst gelangweilt, wie lange dieses Posenspiel noch andauern soll; denn es bleibt noch immer vollkommen unklar wie die Frontenverläufe und Kräfteverhältnisse im Lande Persien sind; die Medien liefern hier wenig fassbares, sondern nur viele Berichte über vergänglichen Lärm und derbe Posen, aber eben nichts substanzielles; man weiß daher nicht zu sagen, ob hier eine ohnmächtige Opposition ein gefestigtes Regime ärgert oder sich ein veritabler Bürgerkrieg zusammenbraut; eine Revolution scheint zumindest bei der Masse an loyalen Sicherheitskräften und Anhängern der gegenwärtigen Machthaber relativ ausgeschlossen zu sein…
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