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Internet-Institut: Universitäten brauchen die Google-Geldspritze

Google lässt ab Herbst in Berlin die Auswirkungen des Internets auf die Gesellschaft erforschen - was zu der Frage führt, warum deutsche Universitäten damit nicht längst schon beschäftigt sind.

Max Senges von Google Deutschland: Schlafen deutsche Universitäten? Zur Großansicht
dapd

Max Senges von Google Deutschland: Schlafen deutsche Universitäten?

Köln - Was macht die Internet-Technik mit dem Anwender, wie verändert sie ihn? Das wird ab Herbst im Berliner "Institut für Internet und Gesellschaft" erforscht. Das Geld, immerhin 4,5 Millionen Euro für die ersten drei Jahre, kommt vom Suchmaschinenbetreiber Google, der auf die Forschungsinhalte keinen Einfluss nehmen will. Eigentlich eine tolle Sache, sollte man meinen, doch in Wahrheit stellt die Institutsgründung ein Armutszeugnis für die deutsche Wissenschaftsgemeinde dar - das jedenfalls meint Philip Banse.

Der Journalist kritisiert, dass die deutschen Forscher eine der wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahre schlichtweg verschlafen hätten. Und nun käme Google mit noch nicht einmal besonders viel Geld daher. "Im akademischen Betrieb ist das nicht mehr als eine Anschubfinanzierung und reicht nicht mal für zwei Dutzend Institutsmitarbeiter. Und das sollen die deutschen Hochschulen nicht selber stemmen können?", erregt sich Banse. Damit stünden die deutschen Netz-Forscher gleich doppelt blamiert da.

Auch die "Süddeutsche Zeitung" fragt sich, "warum es in der deutschen Forschungslandschaft für eine derart konzertierte Auseinandersetzung mit dem Internet erst des Anstoßes von Google bedurfte". Für das Münchner Blatt ist das monetäre Argument stichhaltig, es habe schlicht am Geld gemangelt.

Jeanette Hofmann, eine der Institutsforscherinnen, berichtet von ihrem "Neid", mit dem sie auf finanziell bestens ausgestattete Institute der Universitäten Harvard oder Oxford geblickt habe. Immerhin erwartet die "Süddeutsche" vom neuen Institut auch für Google einen positiven Effekt. Wenn den Forschern gelingt, den Deutschen "das Internet ... besser zu erklären, dann kann das natürlich auch den Damen und Herren im kalifornischen Mountain View nur nützen".

meu

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Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.

Google
Der Konzern
Google wurde 1998 von den Studenten Sergey Brin und Larry Page gegründet und ging ein Jahr später online. 2010 machte die Firma mit ihren rund 20.000 Angestellten einen Umsatz von mehr als 29 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieben davon 8,5 Milliarden Dollar als Gewinn übrig. Die dominierende Stellung im Markt für Online-Werbung sorgt für ein attraktives Geschäftsmodell, birgt aber auch die Gefahr der extremen Abhängigkeit von nur einer Ertragsquelle. Immerhin 96 Prozent der Einnahmen erzielte Google im vergangenen Jahr mit Werbung.
Die Geschäftsfelder
Google hat im Laufe der Jahre zahlreiche Unternehmen übernommen - so etwa 2006 die Videoplattform YouTube und 2007 den Online-Vermarkter Doubleclick. Gleichzeitig hat die Firma ihre Geschäftstätigkeit auch selbst ausgebaut, zum Beispiel mit dem Dienst Google Street View oder dem E-Mail-Anbieter Google Mail.

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