Internet-Zensur: Iran will Google aussperren

Iran verschärft die Internet-Zensur: Die Regierung will das Mohammed-Schmähvideo zum Anlass nehmen, ihren Bürgern den Zugriff auf Google und Gmail künftig zu verbieten. In wenigen Monaten soll das Land vom internationalen Web abgekoppelt werden.

Techniker bei Service-Provider in Teheran: Iran-Web könnte schon im März für alle kommen Zur Großansicht
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Techniker bei Service-Provider in Teheran: Iran-Web könnte schon im März für alle kommen

Hamburg - YouTube ist in Iran ohnehin schon gesperrt, als nächstes sollen Google und Gmail für Nutzer in dem Land nicht mehr verfügbar sein. Das teilten die Behörden am Sonntag mit. Die Zensur wird verbrämt als Schritt für mehr Sicherheit im Internet. Künftig soll Iran ein eigenes, vom Internet losgelöstes Netzwerk haben. Der Plan wurde Anfang 2011 zuerst vorgestellt.

Behörden sind an das iranische Intranet bereits angeschlossen, im März könnte es für Privatanwender eingeführt werden. Neben China und Nordkorea, die einen Teil des Internets hinter Filterservern verbergen, wäre Iran das dritte Land mit einer derart großen Anstrengung, den Internet-Verkehr von Millionen Nutzern streng zu kontrollieren.

Die iranische Nachrichtenagentur ISNA meldete, die Google-Blockade stehe im Zusammenhang mit dem jüngsten Mohammed-Schmähvideo. Die islamische Republik hat jetzt schon einen so umfangreichen Internet-Filter wie kaum ein anderes Land. Begründet wird dies offiziell mit anstößigen oder kriminellen Inhalten von Seiten.

Am Montagmorgen war google.com in Iran offenbar noch abrufbar, youtube.com. google.de und SPIEGEL ONLINE hingegen nicht. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse eines Abfragedienstes hin, mit dem die Erreichbarkeit von Webadressen in Iran getestet werden können soll.

Viele Iraner sagen indes, dass die Blockade etwa von YouTube oder Facebook darauf zurückzuführen sei, dass diese Seiten bei den Anti-Regierungsprotesten nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Jahr 2009 genutzt wurden. Ein Jahr später hatte der Iran seine Internet-Sicherheit deutlich verstärkt, nachdem es einen Sabotage-Angriff auf das Atom-Programm des Landes mit Hilfe des Computervirus Stuxnet gegeben hatte.



Im Mai hatte Iran rechtliche Schritte gegen Google angekündigt, nachdem der US-Konzern beschlossen hatte, den Namen "Persischer Golf" aus seinem Kartendienst Google Maps zu tilgen und das Gewässer stattdessen ohne Namen zu führen. In vielen arabischen Ländern heißt das Gewässer "Arabischer Golf", was der Iran als nicht hinnehmbar bezeichnet.

ore/Reuters

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insgesamt 75 Beiträge
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1.
lalito 24.09.2012
Zitat von sysopIran verschärft die Internet-Zensur: Die Regierung will das Mohammed-Schmähvideo zum Anlass nehmen, ihren Bürgern den Zugriff auf Google und Gmail künftig zu verbieten. In wenigen Monaten soll das Land vom internationalen Web abgekoppelt werden. Internet-Zensur: Iran will Google aussperren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,857516,00.html)
Schere im Kopf ist doch ein Auslaufmodell und macht die gesperrten Infos unter der Hand nur noch spannender. Das richtet sich über kurz oder lang gegen die danach nicht mehr Machthabenden. Aussitzen.
2. Macht nur so weiter
herbert_sax 24.09.2012
Das wird die Unzufriedenheit in der Jugend noch weiter anheizen bis eines Tages der Kessel platzt und das gesamte Regime einschließlich aller Ajatollas hinweg gefegt wird.
3. Suppi
frunabulax 24.09.2012
Das freut mich. Vielleicht sollte die islamische Welt wirklich ihr Halal-WWW einführen und uns einfach in Ruhe lassen. Am besten mit islamischer Technologie. Achne, dann ist es ja erst in ein paar hundert Jahren so weit.
4. Das wird ein wirtschaftlicher Riesenerfolg!
stefanhinz 24.09.2012
Keine Zeitverschwendung mehr durch Facebook, Twitter und Konsorten. Keine E-Mails aus dem Ausland, die man mühsam übersetzen muss. Keine Computerviren, außer staatlich zugelassene. Iran wird ein Paradies der Effizienz und Wirtschaftlichkeit werden. Und wenn sich diese Erkenntnis erst mal weltweit verbreitet hat (Frage ist nur, wie), werden alle anderen Länder schon aus diesem Grund die nationale Intranet-Karte ziehen wollen. Aber vielleicht ist das nur der Anfang. Was müssen einen Berliner beispielsweise Nachrichten aus Bayern interessieren? Blog-Posts aus Schwaben, die man ohnehin nicht verstehen kann?
5. Praktisch
spon-facebook-1051511335 24.09.2012
Wenn sich der nächste Shitstorm nicht gegen ein Video sondern die eigene Regierung wendet, kann man nicht nur entsprechende Seiten einfach vom Netz nehmen, sondern die Urheber möglicher Protestaufrufe auch viel Leichter ausfindig machen.
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Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 74,962 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

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Republik Iran
Land
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Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei, und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit 2005 Mahmud Ahmadinedschad.
Leute
Corbis
Iran hat rund 72 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 84 (Deutschland ist auf Platz 22). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 70 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 79 Jahren).
Wirtschaft
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Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
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Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).

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