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Internet-Zensur: Populäre Blogs in China geschlossen

China führt derzeit offenbar wieder einmal einen Schlag gegen allzu freie Meinungsäußerung im Internet. Diverse populäre Blogs, auch solche prominenter Kritiker der offiziellen Politik, sind ohne Ankündigung geschlossen worden. Ein Mikroblogging-Dienst ist derzeit unerreichbar.

China: Regierungsamtliches Ankämpfen gegen die Wörterflut aus dem Netz Zur Großansicht
DPA

China: Regierungsamtliches Ankämpfen gegen die Wörterflut aus dem Netz

Peking - Dutzende von Weblogs in China sind offenbar abrupt geschlossen oder gesperrt worden. Gleichzeitig verzeichnen chinesische Internetnutzer auffällige Schwierigkeiten bei der Benutzung von Mikroblogging-Diensten, die Twitter ähneln. Einer der vier beliebtesten Dienste ist derzeit nicht erreichbar, offiziell aus Wartungsgründen. Drei weitere sind Associated Press zufolge derzeit mit einem Vermerk versehen, sie seien in der Beta- also Testphase - dabei seien die Dienste schon seit Monaten im Normalbetrieb gewesen. Von den Betreibern sei nicht zu erfahren, warum.

Twitter selbst wird in China generell blockiert, ist aber über spezielle Anwendungen dennoch zu erreichen. Manche Dissidenten loben die Plattform deshalb als Hort der Freiheit, weil "etwas, das bereits zensiert ist, nicht noch einmal zensiert werden kann", sagte einer von ihnen kürzlich im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Twitter gilt ihm als neues, mächtiges Werkzeug im Kampf um mehr Transparenz und ausgewogenere Information, etwa aus Krisengebieten innerhalb des Riesenreiches oder über lokale Korruption - eben weil es offiziell in China gar nicht erreichbar ist.

Ohne längere Texte, wie sie sich in Blogs veröffentlichen lassen, funktioniert dieser Mechanismus jedoch kaum. Der Anwalt Pu Zhiqiang und der Rechtsexperte Xu Zhiyong sagten der Agentur, ihre Blogs seien für sie selbst nicht mehr erreichbar. Beide seien dafür bekannt, auch sensible Themen offen anzusprechen.

"Kanäle und Wege für jede Art schädlicher, fremder Information"

Ein weiterer Blogger namens Yao Yuan listete in einem neu angelegten Blog mindestens 61 geschlossene oder gesperrte Blogs innerhalb der Blogportals Sohu auf. Er befürchtet, dass dies der Anfang einer neuen Repressionswelle gegen allzu freimütige Schreiber sein könnte: "Wenn die Internetnutzer jetzt nicht aufstehen, werden auch andere Sites in Zukunft solche Angriffe erleben", so der Internet-Unternehmer Yuan, "normale Menschen werden auf ewig die Freiheit verlieren, sich online auszudrücken, und die Regierung kann sich dann beruhigt zurücklehnen".

Schon im April hatte ein Behördenvertreter in China die Forderung formuliert, dass Internetnutzer in China künftig unter ihrem echten Namen erscheinen sollten, wenn sie online etwas veröffentlichen. Wang Chen, Direktor des Informationsbüros des Staatsrates sagte: "So lange das Internet unseres Landes mit dem globalen Internet verknüpft ist, wird es Kanäle und Wege für jede Art schädlicher, fremder Information in unser lokales Internet geben."

Gerade Mikroblogging ist eine Technologie, die sich die Kommunistische Partei Chinas bereits selbst zu eigen zu machen versucht. Das Parteiblatt "People's Daily" hat ein Mikroblog, und auch das Pekinger Büro für öffentliche Sicherheit hat gerade erst angekündigt, es werde ein eigenes Mikroblog aufsetzen.

China ist bekannt für seine aufwendige und umfassende Internetzensur. Die "Great Firewall" filtert standardmäßig der Regierung nicht genehme Websites aus dem Datenstrom an Chinas Grenzen. Eine Software namens "Grüner Damm" soll zudem auf den Rechnern einzelner Nutzer verhindern, dass dort vermeintlich zersetzendes Material abgerufen werden kann. Chinas Internetnutzer sind allerdings auch findig darin, die Sperren zu umgehen oder auf andere Weise auszuhebeln. Anwalt Pu Zhiqiang etwa hat gerade einfach ein neues Sohu-Blog aufgelegt - sein bislang dreizehntes.

cis/AP

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