Internet-Zensur verschärft China geht gegen VPN-Dienste vor

Angebote wie Facebook, Twitter oder die Google-Suche sind in China routinemäßig blockiert. Bislang ließ sich die Zensur aber durch sogenannte VPN-Dienste umgehen. Nun geht China gegen diese Programme vor.

Nur mit Tricks zu erreichen: Die Google-Suche ist in China blockiert
Corbis

Nur mit Tricks zu erreichen: Die Google-Suche ist in China blockiert


China verschärft seine Internetzensur weiter. Sogenannte VPN-Verbindungen, mit denen Nutzer Website-Blockaden umgehen können, werden gegenwärtig mit verbesserten technischen Maßnahmen massiv gestört. Große Anbieter von VPN-Diensten wie Astrill oder Golden Frog berichteten am Montag, dass ihre Server von China aus teilweise nicht mehr erreichbar seien.

Nach Angaben von Astrill klagten Nutzer, dass sie mit iPhone oder iPad keine Tunnelverbindungen zu gesperrten Websites mehr herstellen könnten. Golden Frog berichtete, viele seiner Server seien von China aus "gegenwärtig nicht mehr erreichbar".

China blockiert in großem Stil soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder YouTube und selbst Dienste wie die Google-Suche oder Gmail. Auch Websites von Menschenrechtsorganisationen oder ausländischen Zeitungen wie der "New York Times" und dem "Wall Street Journal" sind gesperrt. Viele Chinesen benutzen deswegen die zum Teil kostenpflichtigen VPN-Dienste, um die Blockaden zu umgehen.

90 Millionen VPN-Nutzer in China

Die Tunneldienste sind in China weit verbreitet. Die Marktforscher von "GlobalWebIndex" schätzen die Zahl der VPN-Nutzer in China sogar auf 90 Millionen. "Es ist deutlich, dass die Tunneldienste den chinesischen Internetbehörden jetzt ein Dorn im Auge sind", sagt Jeremy Goldkorn von Danwei, einer Firma für Medien- und Internetbeobachtung in China.

Im Jahr kosten VPN-Dienste meist zwischen 60 und 100 Dollar. Computer oder Handy bauen dann mit spezieller Software eine verschlüsselte Verbindung zu einem Server im Ausland auf, der unbeschränkten Zugang zum Internet bietet. Schon bisher sperrte Chinas Zensur solche VPN-Server, jedoch meist mit Verzögerung, sodass die Nutzer immer wieder den Anbieter wechseln konnten.

Die Zahl der Internetnutzer in Chinas ist vergangenes Jahr auf fast 650 Millionen angewachsen. Im Jahr 2013 sind etwa 30 Millionen Nutzer hinzugekommen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf das China Internet Network Information Center berichtete. China hat schon seit Längerem mehr Internetnutzer als jedes andere Land der Welt.

dpa/afp/mei



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-facebook-10000154386 26.01.2015
1. Lösungen für den Touristen
dann würde ich meine gmail-Abfrage im Hotel über die TeamViewer Website-Version machen, auf dem heimischen Rechner. Oder die Mails auf meine Sina-Adresse umleiten.
noalk 26.01.2015
2. Das bevölkerungsreichste Land
"China hat schon seit Längerem mehr Internetnutzer als jedes andere Land der Welt." --- Bei 650 Mio. Webnutzern entspricht das einer Quote von 50%. So viel ist das nun auch wieder nicht.
Nordlicht1 27.01.2015
3. China - ein Vorbild für Innenminister Thomas de Maizière
Dann sind die Chinesen ja schon einen Schritt weiter als Deutschland. Laut SPON-Meldung ("Thomas de Maizière: Innenminister sieht Verschlüsselung als Problem") vom 21.01.15 überlegt unser Innenminister ja noch. Ich weiss nicht, ob unsere führenden Unternehmensköpfe das so lustig finden. Aber vermutlich ist nur wenigen bewusst was es heisst, die VPN-Verschlüsselung auf dem Altar der Terrorabwehr zu opfern.Privatsphäre und Industriespionageabwehr ade!
Enkidu 27.01.2015
4. Angst
Wieviel Angst müssen die chinesischen Machthaber vor dem eigenen Volk haben, daß sie derart zu knebeln versuchen?
multi_io 28.01.2015
5.
"Die Zahl der Internetnutzer in Chinas ist vergangenes Jahr auf fast 650 Millionen angewachsen." Wenn man das, was die da benutzen, denn als "Internet" bezeichnen will. "Chinanetnutzer" wäre wohl die realistischere Bezeichnung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.