Kritik an der Telekom: Diese Provider drosseln den Netzzugang

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DSL-Router: Die Pläne der Telekom wurden scharf kritisiert

Die Telekom ist nicht der einzige Anbieter, der das Internettempo ab einem bestimmten Datenvolumen senken will. Einige Provider haben die Bremse längst eingeführt. Große Unterschiede gibt es nicht nur bei der Drossel-Bereitschaft - sondern auch bei der Speicherung von IP-Adressen.

Hamburg - Sind die Drosselungs-Pläne der Deutschen Telekom Chart zeigen wirklich ein Tabubruch? Die Ankündigung des Konzerns, künftig DSL-Anschlüsse auf 384 Kbit/s pro Sekunde abzubremsen, sobald ein bestimmtes Volumen an Daten verbraucht ist, sorgt jedenfalls für viel Wirbel. Tausende erboste Facebook-Kommentatoren erregen sich über das Vorhaben. Die Bundesregierung warnte das Management am Mittwoch vor der Flatrate-Bremse.

Dabei steht die Telekom mit ihrer künftigen Volumenbegrenzung nicht allein da: Das Unternehmen ist weder der erste noch der einzige Internetprovider, der mit Bandbreitenkappungen für jene Surfer arbeitet, die ihre Leitungen besonders intensiv nutzen.

Kabel Deutschland hat bereits im Mai 2012 eine Obergrenze von 60 Gigabyte pro Tag eingeführt, ab der die Nutzung von Filesharing-Diensten und One-Click-Hostern auf 100 Kilobit pro Sekunde reduziert wird. Der Gebrauch sonstiger Online-Angebote bleibt von dieser Bremse allerdings unberührt, und sie gilt jeweils nur für einen Tag.

Freenet/1&1 bremst seine Kunden nach dem Verbrauch von 100 Gigabyte im Monat auf 1000 Kilobit pro Sekunde ab - allerdings nur im Einsteigertarif. Bei den Tarifen für mehr als 20 Euro pro Monat verspricht 1&1 explizit "Datenvolumen unbegrenzt".

Bei den übrigen Netzanbietern wird der Schritt der Telekom sehr genau beobachtet. Konkrete Pläne zur Einführung einer Bremse verneinten die befragten Firmen. Allerdings behielten sich einige Anbieter mögliche Volumenbegrenzungen in Zukunft vor. Ganz anders dagegen die Aussage von Unitymedia. Das Kölner Unternehmen teilte auf Anfrage mit, der Ausbau des Kabelnetzes sei im Einzugsbereich sehr weit fortgeschritten. Die Kapazitäten seien groß genug, dass eher noch mit einer Ausweitung der zur Verfügung gestellten Bandbreiten gerechnet werden könne. Die zwischenzeitlich kursierenden Zahlen von bis zu 400 Megabit pro Sekunde seien allerdings übertrieben. Vodafone erklärte via Twitter: "Aktuell haben wir keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden nach Volumenabhängigkeit zu drosseln."

Die Telekom verteidigt sich

Bei der Telekom gab man sich über die Proteste verwundert. Schließlich sei die technische Umsetzung der Volumenbegrenzung erst ab dem Jahr 2016 vorgesehen. Auch eine Ausweitung der Speicherfrist für Verbindungsdaten werde es nicht geben. Entsprechende Vermutungen waren nach der Telekom-Ankündigung aufgekommen, da der Konzern schließlich Abrechnungsdaten vorhalten müsse, wie es laut Gesetz vorgeschrieben sei. Damit aber betreibe die Telekom die Einführung der Vorratsdatenspeicherung durch die Hintertür, wenn sie Verbindungsdaten auf Vorrat lagere. Auf dieses Datenmaterial hätten Ermittlungsbehörden auch ohne gesetzliche Vorratsdatenspeicherung Zugriff, so Rechtsanwalt Udo Vetter.

Das sei nicht mehr als eine Verschwörungstheorie, sagt ein Telekom-Sprecher. Tatsächlich werde sich an der derzeitigen Speicherfrist von IP-Adressen für einen Zeitraum von sieben Tagen nichts ändern. Bis zur tatsächlichen Einführung der Begrenzungsmaßnahmen würden ganz andere technische Lösungen zur Verfügung stehen. So sei es denkbar, dass die Volumenmessung direkt über den Router des Nutzers erfolge.

Auch der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung zugunsten von Telekom-Paketen treffe nicht zu. Zwar werde das Inklusiv-Volumen durch die Nutzung von Apples iTunes, Amazons Lovefilm, Watchever oder YouTube schneller verbraucht. Nur sollten eben die Kunden des hauseigenen T-Entertain-Angebots nicht zweimal zur Kasse gebeten werden, müssten sie doch schon für den Dienst an sich zahlen.

Was die Speicherung der IP-Adressen ihrer jeweiligen Kunden angeht, fassen sich die meisten Internetanbieter kurz, wenn sie nicht sogar völlig darauf verzichten wie etwa Unitymedia oder Vodafone. Hier liegen die Telekom und Telefónica O2 mit einer Speicherdauer von sieben Tagen an der Spitze.

Nahezu allen Providern gemeinsam ist übrigens eines: Die tatsächlich angegebene Höchstgeschwindigkeit eines Anschlusses wird eher selten erreicht. Wie aus einer Studie der Bundesnetzagentur erst vor kurzem hervorging, werden die Maximalraten häufig nicht erreicht - und zwar bei allen Providern.

Wer testen will, was sein Internetzugang wirklich kann, der kann den Test zur Breitbandgeschwindigkeit auf der Seite der Initiative Netzqualität immer noch ausführen. Außerdem läuft über die Seite gerade ein weiterer Test, der die Netzneutralität der Internetanschlüsse überprüfen soll.

So drosseln und speichern Internet-Provider
Provider Drosselung IP-Adressen-Speicherdauer
Freenet/1&1 Ab 100 Gigabyte im Monat auf 1000 Kbps - im Einsteigertarif Bis zu sieben Tage
Kabel Deutschland Ab einem Datenvolumen von 60 Gigabyte pro Tag (laut AGB 10 Gigabyte) werden Filesharing-Dienste für einen Tag auf 100 Kbps gedrosselt. Ein Tag
Netcologne Keine Drosselung. Vier Tage
Telefónica O2 Keine Drosselung. Sieben Tage
Telekom Je nach gebuchter Geschwindigkeit wird beim Erreichen eines bestimmten Datenvolumens auf 384 Kilobit pro Sekunde gedrosselt:
Bis zu 16 Mbit/s: 75 GB
Bis zu 50 Mbit/s: 200 GB
Bis zu 100 Mbit/s: 300 GB
Bis zu 200 Mbit/s: 400 GB
(gültig ab 2. Mai 2013)
Sieben Tage
UnityMedia Keine Keine
Vodafone Keine Keine
Korrektur: In einer früheren Version dieser Tabelle war für Freenet/1&1 keine IP-Speicherdauer angegeben. Tatsächlich werden die IP-Adressen der Nutzer bei diesem Anbieter bis zu sieben Tage lang gespeichert. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 310 Beiträge
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1. Nochmal melken bitte
El Plagiator 26.04.2013
Zitat von sysopBis zur tatsächlichen Einführung der Begrenzungsmaßnahmen würden ganz andere technische Lösungen zur Verfügung stehen. So sei es denkbar, dass die Volumenmessung direkt über den Router des Nutzers erfolge.
Die alte Hardware wird also unbrauchbar gemacht.
2. Na wenigstens mal ein Artikel ...
shimodax 26.04.2013
... der nicht gleich vor panischer Erregung hyperventiliert. Verkauf der Leitung nach Volumen ist generell der fairere Weg. Und Entertain wird nicht "bevorzugt", weil es ja (anders als Youtube usw.) extra kostet und die Telekom mit diesen Einnahmen die Entertain-Kosten decken kann. Mein Fazit: Weltuntergang fällt diesmal aus. Ich hatte mich von Anfang an (seit die aufkamen) über die Flatrates gewundert. Das kam mir vor, als würden alle Restaurants nur All-You-Can-Eat anbieten.
3.
webstoney 26.04.2013
Übersetzung des Telekom-Sprech: Wir führen die Drossel ein, aber aktuell lohnt sich die Infrastruktur noch nicht, weil zuwenige Kunden davon betroffen sind. Wenn sich das in der Zukunft geändert hat, dann investieren wir.
4. Geht doch
Hans_Kammerer 26.04.2013
Sieht man sich mal die Unternehmen an, die weder die IP Adresse speichern, noch Pläne hegen die Bandbreite zu drosseln, kann man wohl gut abschätzen, wie die Kundenwanderung aussehen wird. Die Bandbreitendrosselung ist ohnehin nichts anderes als eine versteckte Preiserhöhung. Wenn es anders wäre, würden die Preise für Wenignutzer sinken. Schließlich würden durch die Umlegung der höheren Kosten für Intensivnutzer gleichzeitig die Kosten pro Normalnutzer oder Wenignutzer sinken. Preissenkunden wären auf der anderen Seite angebracht. Dies plant die Telekom natürlich nicht. Daher ist die Marschroute klar. Weg von der Telekom, hin zu echten Flatrates.
5.
smonkey 26.04.2013
Zitat von sysopSchließlich sei die technische Umsetzung der Volumenbegrenzung erst ab dem *Jahr 2016* vorgesehen.
Was denn nun?
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Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.


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