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Internetsperre: Thailand sperrt WikiLeaks aus

Die Indiskretions- und Enthüllungsseite WikiLeaks kann in Thailand nicht mehr aufgerufen werden. Die Regierung in Bangkok ließ das zuletzt wegen der Veröffentlichung militärischer Afghanistan-Akten heftig umstrittene Portal "aus Sicherheitsgründen" sperren.

Bangkok - Thailand hat den Zugang zu der auf die Veröffentlichung von nicht für die Öffentlichkeit gedachten oder geheimen Dokumenten spezialisierten Internetplattform WikiLeaks gesperrt. Die Seite sei aus Sicherheitsgründen nicht mehr abrufbar, teilte eine Regierungssprecherin am Mittwoch in Bangkok mit.

Grundlage für die Sperrung sei der Ausnahmezustand nach den Oppositionsunruhen im Frühjahr, der in der Hauptstadt Bangkok und sechs weiteren Provinzen weiter gilt. Die wochenlangen Proteste hatten das Land im März und April an den Rand eines Bürgerkriegs gebracht und waren von der Armee gewaltsam aufgelöst worden. Insgesamt kamen 91 Menschen ums Leben, rund 1900 weitere wurden verletzt.

Thailand hat in den vergangenen Jahren Tausende Web-Seiten gelöscht, mehrheitlich wegen Beleidigung der Monarchie - ein Delikt, das in dem südostasiatischen Land mit bis zu 15 Jahren Haft geahndet wird. Die Regierung in Bangkok richtete sogar ein Büro für Cyber-Kriminalität ein, das Kritik an der Königsfamilie im Netz verfolgen soll.

WikiLeaks versteht sich als Plattform für die anonyme Veröffentlichung brisanter Geheimdokumente im Internet, um auf diese Weise Skandale zu enthüllen und Missstände aufzudecken. In den vergangenen Wochen erregte die Web-Seite international Aufsehen mit der Veröffentlichung Zehntausender geheimer US-Unterlagen zum Afghanistan-Einsatz, die ihr von unbekannter Seite zugespielt wurden. Zuvor hatte WikiLeaks bereits ein Video der US-Armee von einem Hubschrauberangriff auf eine Gruppe Iraker ins Netz gestellt. Unterstützer des Angebots sehen darin ein Instrument, Propaganda und die Manipulation von Öffentlichkeit zu hintertreiben, Gegner nehmen WikiLeaks dagegen als verantwortungslosen Sensationstreiber wahr: Die Veröffentlichung von Dokumenten aus oder über Kriegs- und Krisenregionen könne Menschenleben gefährden.

pat/AFP

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