Zeichen gegen Internetzensur Journalistenvereinigung spiegelt blockierte Websites

In vielen Ländern wie China, Russland und Bahrain werden Nachrichtenseiten blockiert. Reporter ohne Grenzen hat nun neun Angebote auf andere Server kopiert und damit in den betroffenen Ländern wieder zugänglich gemacht.

Website von Reporter ohne Grenzen: Neun gesperrte Angebote gespiegelt

Website von Reporter ohne Grenzen: Neun gesperrte Angebote gespiegelt


Am heutigen Donnerstag ist der Welttag gegen Internetzensur, der Tag, an dem Reporter ohne Grenzen üblicherweise eine Übersicht sogenannter "Feinde des Internets" veröffentlicht. Angeprangert werden unter diesem Stichwort zum Beispiel Staaten mit starker Internetzensur, aber auch Geheimdienste wie die NSA und der GCHQ.

In diesem Jahr hat sich die Journalistenvereinigung entschieden, anlässlich des Welttags Websites wieder zugänglich zu machen, die in ihren Heimatländern und teils auch anderen Staaten auf Anweisung der Regierungen geblockt werden.

Dazu zählen zum Beispiel:

  • Grani.ru, ein laut Reporter ohne Grenzen unabhängiges Nachrichtenportal, dessen Seite in Russland seit März 2014 gesperrt ist
  • "Tibet Post International", eine Website, die tibetische Mönche im indischen Exil gestartet haben. Die in China blockierte Seite soll zu den wichtigsten Informationsquellen über die soziale und politische Lage der Tibeter gehören.
  • "Bahrain Mirror", ein unabhängiges Nachrichtenangebot, das im Mai 2011 gestartet und von den Autoren unter Pseudonymen betrieben wird. In Bahrain selbst wurde sie schon nach einem Monat auf eine Sperrliste gesetzt.

Insgesamt werden auf einer Übersichtseite zur Aktion neun Websites samt alternativem Aufrufweg vorgestellt. Gesperrt sind einzelne Seiten zum Beispiel noch in Saudi-Arabien, Vietnam und Kuba.

Die Seiten wurden gespiegelt

Um die Seiten für Internetnutzer in den betroffenen Ländern wieder einfacher erreichbar zu machen, hat Reporter ohne Grenzen die jeweiligen Seiteninhalte kopiert und über die Speicherdienste großer Internetanbietern wie Amazon und Microsoft erneut ins Netz gestellt. Ein Ansatz, den zum Beispiel auch das Portal GreatFire.org verfolgt, das sich gegen Internetzensur in China stark macht. In einem FAQ erklärt das Portal ausführlich, warum das sogenannte Spiegeln ein guter Weg ist, um eigentlich gesperrte Seiten wieder zugänglich zu machen.

Reporter ohne Grenzen erklärt die Idee knapper, aber ähnlich. "Die Webseiten kann man jetzt nur noch sperren, indem man die gesamte Cloud blockiert", heißt es bei der Journalistenvereinigung. "Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die Regierungen der von der Aktion betroffenen Länder so weit gehen, denn die Blockade einer Cloud hätte bei einem großen Anbieter wie Amazon oder Google die gleichzeitige Sperrung Tausender Websites anderer Betreiber zur Folge. Die wirtschaftlichen und politischen Folgekosten wären enorm."

mbö/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
The Restless 12.03.2015
1. Google?
Sorry, aber Google IST in China blockiert :-)
noalk 12.03.2015
2. ... spiegelt blockiertE Websites
Bitte bitte, liebe Redaktion, hängt das abgefallene "e" wieder dran!
Affenhirn 12.03.2015
3. Bitte die Überschrift mal korrekturlesen!
Danke!
achilles65 12.03.2015
4.
Da ist mir eine offene Zensur ja noch lieber, als die in Deutschland praktizierte. Hier wird einfach über gewisse Dinge gar nicht oder nur einseitig berichtet und das unter dem Deckmäntelchen der hochgelobten Pressefreiheit. Das ist meiner Meinung nach die viel gefährlichere Zensur.
bauklotzstauner 12.03.2015
5.
Zitat von achilles65Da ist mir eine offene Zensur ja noch lieber, als die in Deutschland praktizierte. Hier wird einfach über gewisse Dinge gar nicht oder nur einseitig berichtet und das unter dem Deckmäntelchen der hochgelobten Pressefreiheit. Das ist meiner Meinung nach die viel gefährlichere Zensur.
...und dann die Kommentare, die dieser Art von "Journalismus" widersprechen, einfach ausgeblendet, damit niemand die zu transportierende Botschaft mit Fragen oder korrigierenden/unterschlagenen Fakten stört. Genau.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.