Neues iPhone: Apple-Zulieferer soll chinesische Arbeiter ausbeuten

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Apple-Schatten: Neue Kritik an Arbeitsbedingungen in China

Rund 30.000 Arbeiter sind in einer Fabrik in China beschäftigt, die auch Plastikteile für Apples neues iPhone anfertigt. Die Organisation China Labor Watch erhebt nun in einem Report schwere Vorwürfe und prangert Überstunden, niedrige Löhne und gefährliche Arbeitsbedingungen an.

Apple-Chef Tim Cook machte sich im vergangenen Jahr persönlich ein Bild von der Situation in China. Er besuchte Zuliefererbetriebe, in denen iPhones und iPads hergestellt werden. Diese Firmen, allen voran Foxconn, waren wegen illegaler Überstunden und mieser Arbeitsbedingungen in die Kritik geraten.

Cooks Werbebotschaft: Apple kümmert sich, will besser darauf achten, dass Standards eingehalten werden. Genau das bestreitet nun China Labor Watch, die mit einem ausführlichen Report den Apple-Zulieferer Jabil kritisieren. Der Bericht liegt SPIEGEL ONLINE vor. Am Standort Wuxi, an dem rund 30.000 Menschen beschäftigt sind, habe man Verstöße gegen chinesische Gesetze und gegen Apples "Code of Conduct" festgestellt.

Hergestellt werden dort angeblich auch Teile für ein günstigeres Modell des iPhones, das Apple am 10. September vorstellen soll. Für die Fertigung seien extra Maschinen aufgebaut und Leiharbeiter eingestellt worden. Die Fabrik gehört der US-Firma Jabil aus Florida.

Von China Labor Watch befragte Arbeiter gaben an, mehr als 60 Stunden in der Woche zu arbeiten - erlaubt sind in China maximal 49. Im Monat würden 100 Überstunden anfallen, was Abrechnungszettel belegen sollen.

  • Die Grundlöhne seien mit umgerechnet 245 Dollar weit unter dem Durchschnitt in der Stadt Wuxi (472 Dollar). Zwei dieser Einkommen würden nicht reichen, um ein Kind großzuziehen - die Arbeiter seien auf Überstunden angewiesen.
  • Jeden Monat kämen pro Arbeiter 11 unbezahlte und nicht registrierte Überstunden hinzu, wodurch die Firma angeblich jährlich 8,3 Millionen Dollar spart.
  • Die Einarbeitung neuer Arbeiter betrage nur zwei Stunden, die Hinweise zum Umgang mit gefährlichen Maschinen und Werkstoffen seien unzureichend.

Jabil erklärte gegenüber Fox Business, man werde die Anschuldigungen untersuchen. Ein Team sei unterwegs nach Wuxi, um die Behauptungen zu überprüfen. Apple teilte unterdessen mit, eigene Mitarbeiter würden den Vorwürfen vor Ort nachgehen. Jabil habe die Apple-Standards in der Vergangenheit erfüllt. Bei einer Prüfung seien dieses Jahr Verstöße gegen die Auflagen bei den Arbeitszeiten festgestellt worden.

In dem ausführlichen Report von China Labor Watch kommen Arbeiter zu Wort, Fotos illustrieren die bemängelten Zustände. Über die Cafeteria gibt es sogar lobende Worte. Ausgestattet mit einer Klimaanlage sei diese, habe genügend Sitzplätze und biete eine groß Auswahl verschiedener Speisen und Getränke. Jedoch sei das Gelände so weitläufig und die Essenspause von 30 Minuten so knapp bemessen, dass Arbeiter kaum Zeit hätten, sich hinzusetzen, um rechtzeitig wieder an ihrem Arbeitsplatz zu sein.

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Den Arbeitern würden kostenpflichtige Schlafplätze angeboten. Acht Menschen würden sich dabei einen Raum teilen, es würde dabei keine Rücksicht auf verschiedene Arbeitszeiten genommen. So würden Nacht- und Tagschichtarbeiter sich gegenseitig stören.

Die Produktion von Plastikteilen für ein neues iPhone-Modell soll dem Bericht zufolge den Arbeitern besondere Härten abverlangen. Angeblich will Apple zwei neue iPhones vorstellen, eines davon soll aus Plastik und günstiger sein - dieses soll in der Jabil-Fabrik hergestellt werden. Offenbar muss es schnell gehen: Um die hohen Vorgaben einzuhalten, würden Sicherheitsstandards gezielt unterlaufen.

Bereits im Juli hatte China Labor Watch einen Bericht namens "Apples gebrochene Versprechen" veröffentlicht. Bei den Herstellern, die das Unternehmen in China anstelle von Foxconn ausgewählt haben soll, beklagte die Organisation nach Interviews mit Arbeitern noch schlimmere Zustände.

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Wenn's
MPeter 05.09.2013
doch so hip ist! Wen jucken da die Arbeitsbedingungen.
2. optional
wobbitwz 05.09.2013
Also mal ehrlich! Das klingt auch nicht anders, als die Umstände unter denen viele Arbeitnehmer in Deutschland leiden müssen.
3. gääähhhnnnn.....
medicus31 05.09.2013
...geht ja endlich mit dem apple-bashing wieder los...vllt sollten Sie in Ihrem Artikel noch erwähnen, dass Jabil ebenfalls für RIMM ( Blackberry ) und viele andere als Zulieferer fungiert.... Aber : Neues Blackberry: Blackberry-Zulieferer soll chinesische Arbeiter ausbeuten - als Schlagzeile hört sich das einfach langweilig an. Willkommen auf Bild-Zeitungs-Niveau !!
4. Apple
FrankDr 05.09.2013
Nichts Neues. Bei anderen gibt es dass auch, aber die Intensität und Häufigkeit bei Apple ist dennoch erschütternd. Und das trotz der höchsten Margen. Da wird wegen 2 Cent am Teil oder Lohn verhandelt oder der Produktionsstandort verlagert, aber dann kommen 400€ für Werbung und Gewinn obendrauf. Wer Apple kauft, befeuert das.
5. Ja nee, ist doch kein Thema
twana 05.09.2013
Das sind doch eh nur fiese, von Samsung in die Welt gestreute Gerüchte. Außerdem machts ja Samsung nicht anders. Und da die Fabrik irgendwo in China steht (wo jeden Tag ein anderer Reissack umfällt) und nicht in Bochum, ist das schon in Ordnung. So, und jetzt können die ganzen Fanboys sich hinsetzen und mal was neues überlegen. ;-)
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