iPhone-Bewegungsprofile Behörden verlangen Speicher-Stopp von Apple

Apples iPhone speichert über Monate hinweg, wo sich das Gerät befunden hat. Datenschützer schlagen Alarm: Apple soll die Funktion abstellen, über die Speicherpraxis aufklären. Deutschlands oberster Datenschützer Schaar fordert ein lange angekündigtes Gesetz zum Umgang mit Positionsdaten.

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DPA

Hamburg - "Hier läuft etwas richtig falsch", sagt der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar. Seit Mittwochabend ist eine Software verfügbar, die allen iPhone-Nutzern eine bisher nahezu unbekannte Funktion zeigt: Ihr Telefon speichert ständig seinen Aufenthaltsort, unverschlüsselt, standardmäßig und mindestens seit Juni 2010. Bei einem Backup des Telefons werden die Daten unverschlüsselt auf den Computern der iPhone-Besitzer abgelegt. Deutschlands oberster Datenschützer Schaar sagt: "Diese Praxis war mir bis heute nicht bekannt."

Diese Speicherung von Standortdaten ohne Kenntnis der Betroffenen hält Schaar nach deutschem Datenschutzrecht für nicht zulässig: "Offenbar hat das Unternehmen den Datenschutz noch nicht richtig verstanden."

Nun verlangen Datenschutzbehörden Aufklärung von Apple. Da die Deutschlandzentrale des Unternehmens in München sitzt, ist das Bayerische Amt für Datenschutzaufsicht zuständig. Manfred Ilgenfritz, Leiter des Arbeitsbereichs Auskunfteien, Banken und Datensicherheit sieht Apple nun "in der Pflicht", Auskunft zu geben, "welche Daten wie gespeichert und verarbeitet werden."

Apple speichert, Datenschützer schäumen

Das Unternehmen müsse schnell zur Klärung beitragen: Sollte Apple die "Fragen nicht ausreichend beantworten", kann das Landesamt Zwangsmaßnahmen einleiten. Ilgenfritz beschreibt die Möglichkeiten für diesen Fall so: "Wir werden dann prüfen, den Auskunftsanspruch gegebenenfalls mit Zwangs- oder Bußgeldern durchsetzen. Wir setzen dies auch gegenüber Unternehmen durch, bisher war das aber nur bei kleineren, wenig bekannten Firmen nötig."

Apples Speicherpraxis hat die bayerischen Datenschützer ebenso überrascht wie den Bundesdatenschutzbeauftragen. Das Unternehmen hat die Datensammlung nicht vorab mit den Behörden besprochen - eine solche Vorabprüfung ist in Deutschland nicht verpflichtend. Ilgenfritz sieht hier Handlungsbedarf: "Der aktuelle Fall bei Apple zeigt, dass der Gesetzgeber prüfen sollte, ob diese Regelung nicht geändert wird, damit wir solche Probleme vorab entdecken können." Der oberste Datenschützer Schaar fordert dasselbe.

Schaar: "Langfristiges Speichern nicht in Ordnung"

Schaar kritisiert Apples Informationspolitik: Es sei nicht genau nachvollziehbar, welche Ortungsmethoden wann und wie angewandt würden. "Die Betroffenen müssen wirklich in die Lage versetzt werden, über ihre Daten zu entscheiden", sagt Schaar. Dass Apple sich die Datensammlung selber in den Datenschutzrichtlinien erlaubt hat, lässt er nicht gelten: "Auch wenn Apple seine Nutzer im Kleingedruckten darauf hinweist, oder seine Nutzer bei der Aktivierung des Geräts einmal kurz fragt, wäre das längerfristige Speichern dieser Daten nicht in Ordnung."

Unabhängig von der Frage, welche Information Apple konkret protokolliert und welche womöglich an zentrale Datenbanken übertragen werden, wollen die Datenschützer auch untersuchen, ob das Unternehmen die Kunden ausreichend informiert hat. Ilgenfritz: "Nach deutschen Maßstäben ist Apple verpflichtet, den Kunden transparent zu machen, welche Daten in welcher Form zu welchem Zweck gespeichert werden. Es ist angesichts der aktuellen Entwicklungen fraglich, ob das geschehen ist - wir prüfen das."

Im Juni 2010 hatte Apple seine Datenschutzrichtlinie ergänzt. Eine der neuen Passagen lautet so:

"Um standortbezogene Dienste auf Apple-Produkten anzubieten, können Apple und unsere Partner und Lizenznehmer präzise Standortdaten erheben, nutzen und weitergeben, einschließlich des geografischen Standorts Ihres Apple-Computers oder Geräts in Echtzeit. Diese Standortdaten werden in anonymisierter Weise erhoben, durch die Sie nicht persönlich identifiziert werden."

Die Formulierung ist sehr schwammig. Der Nutzer bekommt keine Antwort auf die zentralen Fragen: welche Daten Apple wie häufig erfasst, wie lange sie gespeichert und womit sie verknüpft werden. Apple hat eine entsprechende Anfrage von SPIEGEL ONLINE aus dem Juni 2010 bis heute nicht beantwortet.

Bundesregierung verschleppt das das Ortungsdaten-Gesetz

Ortungsdienste finden sich in immer mehr Geräten - der Umgang mit den sensiblen Daten sei bisher nicht ausreichend geregelt, urteilt der Bundesbeauftragte für den Datenschutz. "Der Umgang mit Ortungsdaten gehört derzeit zu den wichtigsten Fragen überhaupt", sagt Peter Schaar. Ursprünglich sei ein Gesetz angekündigt worden, das eine rote Linie ziehen sollte: Was darf erfasst, gespeichert und wofür verwendet werden.

"Der damalige Innenminister Thomas de Maizière hat es im vergangenen Jahr angekündigt", so Schaar. "Doch das Verfahren stockt, es gibt bis heute nicht einmal eine Vorlage der Regierung." Seine Forderungen: "Die heimliche Aufzeichnung von Aufenthaltsorten muss ausdrücklich verhindert werden. Es müssen klare Regeln für die Verwendung gelten und eine Profilerstellung über einen langen Zeitraum mit diesen Daten muss verboten werden."

Forum - Das iPhone merkt sich Aufenthaltsorte - haben Sie ewas zu verbergen?
insgesamt 456 Beiträge
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Seite 1
flusser, 21.04.2011
1. Iphone
Leute die blöd genug sind sich ein völlig überteuertes Gerät zu kaufen, das einen bei jeder Gelegenheit gängelt und abzockt, die kapieren auch nicht wo hier jetzt ein Problem sein soll. Alles gut!
shric 21.04.2011
2. Apple verstört Nutzer mit Big-Brother-iPhone
Die Überschriften der Artikel bekommen mehr und mehr Bildniveau, hab ich in letzter Zeit das Gefühl!
fridericus1 21.04.2011
3. Wie wäre es mit einfach mal nicht kaufen?
Solange so viele Menschen so darauf abfahren, mit diesem beknackten Gerät herumzuspielen, können alle Datenschützer so viel quaken wie sie wollen. Und wer immer noch glaubt, dass Apple, Google, Facebook, Twitter, Xing und Co. angetreten sind, die Menschheit uneigennützig zu beglücken, der hält auch das Märchen vom Klapperstorch für ein valides Szenario.
Colorful, 21.04.2011
4. Überreaktion!
Als Iphone Nutzer kann ruhig jeder wissen, wo man sich befindet. Da spricht doch nichts dagegen. Mir ist das sowas von egal, dass ich nicht einmal ein iphone besitze.
nnetzer, 21.04.2011
5. Ohh… das Osterloch mit Apple Titel
Komisch, gerade werden Apples beste Quartalszahlen aller Zeiten veröffentlicht und der SPON-Head-Artikel thematisiert den bösen Monster-Apfel. Der Redakteur hat wohl MS-Aktien ;-)
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