Wegen Terrordrohungen Twitter sperrt mehr als 125.000 Profile

Die IS-Terrormiliz nutzt soziale Medien, um ihre Ideologie und Hassbotschaften zu verbreiten. Twitter will dagegen vorgehen. Sicherheitsexperten sind skeptisch, dass das was bringt.

Twitter-Logo: Gegen Terrorverbreitung in 140 Zeichen
REUTERS

Twitter-Logo: Gegen Terrorverbreitung in 140 Zeichen


Der Kampf gegen die IS-Propaganda im Netz wird mal professionell, mal amateurhaft ausgetragen, und manchmal mischen die Betreiber sozialer Netzwerke direkt mit. Wie jetzt auch Twitter. Der Kurznachrichtendienst hat seit Mitte März 2015 eigenen Angaben zufolge mehr als 125.000 Benutzerkonten gesperrt - wegen Terrordrohungen oder der Förderung des Terrorismus.

In den meisten Fällen habe eine Verbindung zum "Islamischen Staat" (IS) bestanden, teilte Twitter in seinem Firmen-Blog mit. Zudem sei die Zahl der Mitarbeiter erhöht worden, die Hinweisen auf entsprechende Fälle nachgingen, hieß es. Im April änderte der Kurznachrichtendienst bereits seine Richtlinien: Nun sind "Drohungen oder Werben für Terrorismus" als Missbrauch eingestuft - und verstößt somit gegen die Nutzungsbedingungen.

Sicherheitsexperte Seamus Hughes von der George Washington University ist skeptisch, ob die Maßnahmen von Twitter im Kampf gegen den IS helfen: Nun würden viele Extremisten auf kleinere Dienste ausweichen.

Die IS-Miliz nutzt soziale Medien wie Twitter und Facebook als Propaganda-Maschine, um ihre Ideologie und Hassbotschaften zu streuen. Einer Studie der Brookings Institution zufolge gab es schon Ende 2014 Zehntausende dem IS und seinen Unterstützern zuzurechnende Twitter-Accounts. Der Dienst ist für die Terrorgruppe eine zentrale Propagandaplattform.

Berichten zufolge verschicken sie bis zu zehntausend Tweets am Tag. Dabei ist es schwierig, die Accounts zu erkennen: Nutzer benennen sie im Stundentakt um, über die Standard-URL twitter.com/accountname sind die Konten dann nicht mehr auffindbar.

Doch nicht nur Twitter selbst hat den Einsatz gegen Terroristen in ihrem Netzwerk verstärkt. Im Kampf gegen den Terror können US-Behörden auch auf sogenannte Open-Source-Daten zurückgreifen. Wie Ex-CIA-Chef David Petraeus im November dem Fachmagazin "Foreign Policy" erzählte, hätte diese Daten beträchtlichen Wert für die Beamten. Die Daten werden von Hackern zusammengetragen, von denen sich einige bis heute der Netzguerilla Anonymous verbunden fühlen.

Anonymous-Untergruppen entschieden schon kurz nach den "Charlie Hebdo"-Attentaten im Januar 2015, unter dem Hashtag #OpISIS gegen die Internetaktivitäten der Dschihadisten vorzugehen. Auch nach den Anschlägen in Paris wurden diverse Videos im Anonymous-Stil veröffentlicht, die den Hintermännern unter dem Schlagwort Operation Paris (OpParis) Vergeltung androhen. So veröffentlichten Aktivisten unter dem #OpISIS-Hashtag beispielsweise Links zu langen Listen mit Twitter-Accounts, die sie dem IS und seinen Unterstützern zurechnen - nicht zum ersten Mal.

vek/Reuters/AP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hochwasser.9 06.02.2016
1.
Daran soll sich Facebook ein Beispiel nehmen!
tomblume 06.02.2016
2.
Immer diese Skepsis. Vollkommen unangebracht, nur Taten zählen! Das ist endlich mal ein aktiver Eingriff, kein Gerede. Selbst wenn auf kleinere Netzwerke ausgewichen wird...die Reichweite wird in jedem Fall eingeschränkter!
d15 06.02.2016
3. Facebook soll liefern
Natürlich wird jetzt auf kleinere Netzwerke ausgewichen. Dort erreicht man aber eine geringere Anzahl Menschen. Facebook sollte sich davon ein Beispiel nehmen
toronado77 06.02.2016
4.
...schon irgendwie seltsam; zwei Länder VR China und die sog. BRD wollen Zensur im Internet.... Eines davon fordert gebetsmühlenhaft, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die Einhaltung der Menschenrechte zu denen ja auch die Meinungsfreiheit gehrt, ein...
j.vantast 06.02.2016
5. Warum immer nur Facebook und Twitter?
Man schaue sich nur mal die Kommentare bei Youtube an. Da geht es genauso hoch her. Aber auch bei Youtube werden weder Beleidigungen noch rassistische Kommentare gelöscht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.