Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

US-Untersuchung: 46.000 Twitter-Accounts unterstützen den IS

Screenshot: Mögliche IS-Unterstützer, die im Herbst einen Tweet mit GPS-Daten abgesetzt haben Zur Großansicht
Brookings Institution

Screenshot: Mögliche IS-Unterstützer, die im Herbst einen Tweet mit GPS-Daten abgesetzt haben

Amerikanische Forscher haben die Reichweite des "Islamischen Staats" auf Twitter untersucht. Einige der Konten werden von Europa aus betrieben.

Zwischen September und Dezember 2014 betrieben IS-Unterstützer mindestens 46.000 Twitter-Accounts. Von Hunderten Konten wurden Kurznachrichten mit GPS-Daten verschickt, womit die Nutzer ihren Standort verrieten. Das geht aus der Studie "The ISIS Twitter Census" hervor, welche die amerikanische Denkfabrik Brookings Institution im Auftrag von Google Ideas durchgeführt und jetzt vorgelegt hat.

Soziale Medien sind ein wichtiger Teil der Propagandastrategie des "Islamischen Staats". Die Studie hat nach eigenen Angaben mit einer repräsentativen Auswahl an Accounts eine Momentaufnahme der IS-Aktivitäten auf Twitter nachgezeichnet. Nutzer können sich die auf Englisch verfasste Studie als 68-seitiges PDF-Dokument kostenlos herunterladen.

Die wichtigsten Ergebnisse des "ISIS Twitter Census" im Überblick:

  • Typische Unterstützer des IS befinden sich der Studie nach in Syrien, dem Irak und in von der Miliz umkämpften Gebieten. Auf einer Weltkarte hat die Brookings Institution die Standorte eingezeichnet. Demnach gibt es auch in europäischen Ländern vereinzelte IS-Accounts, in Deutschland ist allerdings keiner eingezeichnet.

  • Knapp jeder fünfte IS-Unterstützer twittert hauptsächlich auf Englisch. Drei Viertel twittern auf Arabisch.

  • Twitter-Accounts, die den IS unterstützen, haben im Schnitt etwa 1000 Follower und damit deutlich mehr als der typische Twitter-Nutzer. Auch sind IS-Accounts deutlich aktiver als andere.

  • Die aktivsten IS-Accounts sind einer relativ kleinen Gruppe besonders engagierter Nutzer zuzuschreiben. Die Studie ordnet dieser Gruppe 500 bis 2000 Twitter-Konten zu.

  • Mindestens 1000 besonders aktive Accounts von IS-Unterstützern wurden zwischen September und Dezember 2014 durch Twitter gelöscht, heißt es in der Studie. Allerdings räumen die Forscher ein, dass es mehrere Tausend mehr gewesen sein könnten. Dafür spricht auch die Aussage von Twitter in der "New York Times", die Anzahl der Sperrungen würde in der Studie deutlich unterschätzt. Twitter würde alle gemeldeten Inhalte überprüfen, die rechtswidrig sind oder in denen Gewalt angedroht wird.

  • Sperrungen von Twitter-Accounts können die Reichweite des "Islamischen Staats" in den sozialen Netzwerken zwar direkt beeinflussen, die Aktivitäten allerdings nicht komplett unterdrücken.

Noch mehr Sperrungen und ein härteres Vorgehen von Twitter gegenüber IS-Unterstützern fordern die Verfasser aber nicht ohne Weiteres. Isolation im Internet könnte die IS-Unterstützer nämlich weiter radikalisieren. Dagegen könnte der soziale Druck durch andere Twitter-Nutzer der Radikalisierung entgegenwirken. "Wir haben Beispielfälle beobachtet, bei denen sich Leute wieder von der vergifteten Weltanschauung abgewandt haben", heißt es.

Die Verfasser der Studie fordern, dass Unternehmen wie Twitter enger mit der US-Regierung zusammenarbeiten sollten. Zwar werde bei solchen Vorhaben oft von der Einschränkung der Redefreiheit gesprochen. "In Wirklichkeit kontrollieren derzeit die Unternehmen hinter sozialen Medien die Redefreiheit auf ihren Plattformen", so die Studie, "ohne Aufsicht oder Auskunft darüber, wie es zu Sperrungen kommt."

mei

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
mowlwrf 06.03.2015
Wird aus diesen ganzen Infos sich was wichtiges rausgefiltert? Kann man doch bestimmt zur Spionage nutzen.
2. Anstatt die Accounts zu sperren, sollten deren Inhalte automatisch gegen Charlie Hebdo Satiere ausgetauscht werden
darkmattenergy 06.03.2015
Die aufrechten Demokraten des Westens sollten nicht zögern, wo immer möglich Flagge zu zeigen!
3. Accounts, die zum Trollen einladen...
atech 06.03.2015
zumindest die Twitter-Accounts, die ihre Botschaften auf Englisch verbreiten, sind doch ein gefundenes Fressen für Internet-Trolle. Obendrein kann man so ganz gefahrlos vom Schreibtisch aus ISIS bekämpfen. Wie dies kürzlich auch die Italiener taten als ein ISIS-Unterstützer drohte, dass die IS-Terroristen demnächst Rom einnehmen würden. So spotteten die Italiener, dass die Terroristen keine Chance hätten, je Rom zu erreichen, weil die Verkehrsstaus so schlimm wären. Und die Züge zu spät kämen. Und die italienischen Regierungen Rom eh schon zerstört hätten. Mehr davon hier: http://www.independent.co.uk/news/world/europe/italians-are-ridiculing-an-isis-supporter-for-planning-an-attack-on-the-leaning-tower-of-pizza-10062278.html
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: