Ärger um Internet-Domain .is Nein, Island ist NICHT der "Islamische Staat"

Internet-Adressen in Island enden auf .is. Das haben offenbar Islamisten für sich entdeckt. Jetzt greift die Regierung in Reykjavik durch.

Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson: "Kriminelles und monströses Verhalten"
REUTERS

Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson: "Kriminelles und monströses Verhalten"


Reykjavik - Die liberalen isländischen Netzbehörden haben erstmals eine Website wegen ihres Inhalts gelöscht. Denn offenbar haben mutmaßliche Islamisten die nationale Domain-Endung .is ausgenutzt. Eine unter dem Namen der Dschihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) eingetragene Organisation betrieb seit Mitte September eine Website mit der Adresse www.khilafah.is.

Die Domains, die für den Internetauftritt einer "bekannten Terrororganisation" genutzt wurden, seien eingestellt worden, erklärte die für die Registrierungen zuständige Netzbehörde ISNIC. Behördenchef Jens Petur Jensen sagte dem isländischen Rundfunksender RUV, arabischsprachige Websites mit der Endung .is würden künftig genauer überwacht.

Es sei "widerlich", dass eine Organisation, die sich IS nenne, die isländische Domain benutzt habe, sagte Premierminister Sigmundur David Gunnlaugsson der Zeitung "Morgunbladid". Das habe nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sondern sei ein "kriminelles und monströses Verhalten". Laut dem Zeitungsbericht handelte es sich bei der betreffenden Webseite um eine Art Nachrichtenportal, auf dem aber auch Botschaften der Terrororganisation an die amerikanische Regierung veröffentlicht wurden.

Die Dschihadisten der Organisation IS eroberten in den vergangenen Monaten große Gebiete im Norden des Iraks und im benachbarten Syrien. Eine von den USA angeführte internationale Militärkoalition geht mit Luftangriffen gegen die Islamisten vor.

juh/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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Emal 13.10.2014
1. Unvermeidlich
Verschiedenste Formen von Gruppierungen,Organisationen, etc. verwenden nationale Domainendung für ihre Homepages. Der Gedanke liegt auch nicht sehr weit weg, kann man damit doch Slogans, Mottos oder gar Gesinnungen ausdrücken, die man selbst vertritt. Dies ist an sich auch nicht weiter verwunderlich. Dass auf die Idee auch Radikale und terroristische Gruppierungen kommen, ist wohl naheliegend. Wie Spiegel-TV schon einmal selbst berichtete, mag man sich an die Rechtsradikale-page "antisem" mit der italienischen Endung ".it" erinnern. Und das es nun IS macht... Das einzige,was getan werden kann, ist diese Pages zu löschen, auch wenn neue kommen werden. Das ganze als "widerlich" oder "kriminelles und monströses Verhalten" zu bezeichnen, ist mMn dagegen übertrieben.
sonicprisma 14.10.2014
2.
Tuvalu ist auch nicht das Fernsehen, hat noch nie jemand gestört. Das Zitat des Premierministers liest sich wie ein schlechter Forumspost, "widerlich, kriminell und monströs", alles da. Die Website sollte behandelt werden wie andere auch, wenn sich illegale Inhalte dort befinden sollte sie gelöscht werden, allein die Zweckentfremdung der Endung ist dafür kein guter Grund.
Big_Jim 14.10.2014
3. War doch absehbar. Im Osten sind Kennzeichen
aus Hamburg, die man aufgrund der neuen Gesetzeslage nun bei einem Gebrauchtwagenkauf weiter verwenden kann, bei einigen Zeitgenossen ja auch neuerdings "der Hit". War ebenfalls absehbar, wenn man es sehen wollte.
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