Cyber-Attacke Israel preist Spionage-Virus Flame

Woher kommt der neue Hightech-Schädling Flame? Der extrem komplexe Computervirus hat vor allem Rechner im Nahen Osten befallen. Ein israelischer Minister sprach nun vom Segen der Technologie und von "Werkzeugen, auf die wir stolz sind". Ist das ein Bekenntnis?

Israelischer Vizepremier Mosche Jaalon: "Werkzeuge, auf die wir stolz sind"
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Israelischer Vizepremier Mosche Jaalon: "Werkzeuge, auf die wir stolz sind"


Hamburg - Ein ungarisches IT-Sicherheitsunternehmen nennt ihn "Skywiper", bei Symantec nennt man in "Flamer" und bei Kaspersky nur "Flame". Einig sind sich alle in ihrer Einschätzung des Virus: Er ist ein hochkomplexes, vermutlich von einer staatlichen Organisation hergestelltes Spionagewerkzeug, eine Cyber-Allzweckwaffe, die sich zudem mit beliebigen Zusatzfunktionen ausstatten lässt. Entdeckt wurde sie bislang vor allem auf Rechnern in Ländern im Nahen Osten - was sofort Spekulationen nährte, es könne sich um eine Software aus israelischer Produktion handeln. Genau diesen Spekulationen gibt Israels Vizepremier Mosche Jaalon, der Minister für Strategische Belange, nun zusätzliche Nahrung.

In einem Interview mit dem Armee-Radiosender des Landes zum Thema Flame sagte Jaalon "Haaretz" zufolge: "Bei jedem, der die iranische Bedrohung als bedeutende Bedrohung betrachtet, kann man vernünftigerweise annehmen, dass er unterschiedliche Schritte unternehmen wird, auch solche, um sie zu schädigen." Israel sei "damit gesegnet, reich an Hightech zu sein", und "diese Werkzeuge, auf die wir stolz sind, eröffnen uns vielfältige Möglichkeiten".

Ein Dementi sieht anders aus, ein klares Bekenntnis dazu, der Urheber des Flame-Virus zu sein, aber auch. So ähnlich war es auch schon beim Stuxnet-Virus, der das iranische Atomprogramm schädigte: Auch damals wurden Israel und die USA als mutmaßliche Quellen der äußerst ausgefeilten Schadsoftware gehandelt, und auch damals gab es keine öffentlichen Bekenntnisse, aber zufriedene Reaktionen - und eine Veröffentlichung, die ebenso gut Ausrutscher wie taktisches Manöver gewesen sein könnte: Als der israelische General Gabi Ashkenazi in den Ruhestand ging, wurde bei seiner Abschiedsfeier ein Video mit den größten Erfolgen seiner Laufbahn vorgeführt - darin tauchte auch Stuxnet auf. Auch der ehemalige Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Meïr Dagan, hatte nach seiner Pensionierung angedeutet, dass Stuxnet aus seinem Hause stamme.

"Kaum von einer einzelnen Person geschrieben"

Entdeckt wurde der neue Virus namens Flame bislang vor allem auf Rechnern im Nahen Osten - in Iran, dem Westjordanland, Ägypten, Syrien, Sudan, aber Symantec zufolge auch in Österreich, Ungarn, Russland, Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Flame hat diverse Fähigkeiten, die ihn zu einem idealen Spionagewerkzeug machen: Er kann über die Mikrofone der befallenen Rechner die Umgebung abhören, Screenshots von den Aktivitäten des Nutzers anfertigen, in eine internen Datenbank ablegen und verschicken, Tastatureingaben mitschneiden und sogar versuchen, auf in der Nähe des Rechners befindliche Bluetooth-Geräte zuzugreifen. Zudem hat Flame die Fähigkeit, beliebige weitere Module nachzuladen, um andere Aufgaben zu erfüllen. Den Antiviren-Forschern von Kaspersky zufolge wird die Schadsoftware bis heute immer wieder aus der Ferne modifiziert.

Man habe es "mit einer der komplexesten Bedrohungen, die je entdeckt worden sind", zu tun, schreiben die Mitarbeiter des russischen Antivirus-Unternehmens in ihrer Analyse des auf Rechnern im Nahen Osten entdeckten Schnüffelprogramms. Beim Kaspersky-Konkurrenten Symantec ist man sicher, dass "die Komplexität des Codes dieser Bedrohung auf einer Stufe mit Stuxnet und Duqu steht, den wohl komplexesten Stücken Malware, die uns bislang untergekommen sind". Flamer, wie Symantec den Virus nennt, sei "kaum von einem einzelnen Individuum geschrieben worden, sondern von einer organisierten, üppig finanzierten Gruppe von Personen mit klaren Zielvorgaben".

cis

insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
bz16 29.05.2012
1. Virus?
Zitat von sysopAPWoher kommt der neue High-Tech-Schädling Flame? Der extrem komplexe Computervirus hat vor allem Rechner im Nahen Osten befallen. Ein israelischen Minister sprach nun blumig vom Segen der Technologie, und von "Werkzeugen, auf die wir stolz sind". Ein Bekenntnis? http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,835727,00.html
Wieso ein Virus? Das ist nur die Beta-Version von Facebook 2.0 ...
blaudistel 29.05.2012
2. Na hab ich es doch gewusst
Ich hatte die Entwickler nur über dem Teich gesucht - aber ist eh alles eine Adresse :) na ich bin sicher das Echo wird nicht lange auf sich warten lassen, andere Mütter haben auch kluge Kinder :)
Rochus 29.05.2012
3. Trittbrettfahrer!
Das Schadprogramm macht und kann das, was jeder Trojaner mit Backdoor auch kann. Da braucht man keine blitzgescheiten SuperHeldenCoder. Das kann ein Steppke zusammenklicken und sein großer Bruder (oops) so abwandel, daß die Virenscanner nicht gleich anschlagen. Alles in allem sieht das nach einer fetten Panne der AV-Hersteller aus. 10 Jahre nix gemerkt. Andererseits in 10 Jahren nur 5000 Rechner. Da werden Faktor 100 weitere Zombies drehen, auf denen auch Micro und Kamera zur Raumüberwachung (Hallo Bundestrojaner!) eigesetzt und beliebiger Schadcode nachgeladen wird. Wobei noch immer offen ist, welches Betriebssystem die Software nun eigentlich angreift. @SPON Hängt die Sau niedriger, es sieht alles nach einer konzertiten Aktion zwischen israelischer Armee und Kasperski aus, um zu vertuschen,. daß beide seit langem nix gerissen haben.
n01 29.05.2012
4. Geht es nun los?
Beginnt nun der Cyberkrieg?
micromiller 29.05.2012
5. die cleversten dieser welt
Zitat von sysopAPWoher kommt der neue High-Tech-Schädling Flame? Der extrem komplexe Computervirus hat vor allem Rechner im Nahen Osten befallen. Ein israelischen Minister sprach nun blumig vom Segen der Technologie, und von "Werkzeugen, auf die wir stolz sind". Ein Bekenntnis? http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,835727,00.html
klar sind die israelis in vielen disziplinen mit abstand die intelligentesten und cleversten, egal aus welchem land sie agieren, denke das hat der schoepfer so eingerichtet, auch wenn viele das nicht wahr haben wollen, waere auch schoen wenn sie die sich daraus ergebene verantwortung wahrnehmen.
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