IT-Giganten: So führen Microsoft und Google ihren Lobbykrieg

Von

Es geht um Einfluss, Geld - und die Zukunft des Web: Microsoft und Google geben Millionen für Lobbyarbeit in den USA und Europa aus. Microsoft-Leute werfen Google vor, das Quasi-Monopol zu missbrauchen - und der Suchgigant wehrt sich mit einem kräftig aufgestockten Lobbyapparat.

Microsoft-Chef Steve Ballmer: Der Konzern führt bei US-Lobbyausgaben, Google holt auf Zur Großansicht
DPA

Microsoft-Chef Steve Ballmer: Der Konzern führt bei US-Lobbyausgaben, Google holt auf

Hamburg - Der Wettbewerb der Internet-Riesen funktioniert bestens, beteuerte Googles Verwaltungsratschef Eric Schmidt vor dem Wettbewerbsausschuss des US-Senats: "Amazon, Apple, Facebook und Google - wir machen uns harte Konkurrenz, und wir begrüßen diesen Wettkampf." Microsoft erwähnte Eric Schmidt in diesem Zusammenhang nicht, doch der Windows-Konzern fordert Google auf einem wichtigen Spielfeld heraus - dem der Politik.

Schmidts Anhörung am 21. September vor dem Senatsausschuss war Teil des Wettstreits, den Microsoft und Google derzeit vor allem in Washington und Brüssel ausfechten. Es geht um die alte Frage, ob die Politik den Digital-Giganten Google stärker regulieren soll. Microsoft argumentiert, Google würde sein Quasi-Monopol missbrauchen - deswegen müsse der Staat eingreifen, um den Wettbewerb zu garantieren.

Die Lobbyschlacht kostet: In den ersten neun Monaten dieses Jahres haben Google und Microsoft mehr Geld für Lobbyarbeit auf US-Bundesebene ausgegeben als andere IT-Riesen wie IBM, Intel, und Hewlett-Packard. Hier die Rangliste im Lobbyfeld Computer/Internet:

  • Microsoft: 3,57 Millionen Dollar,
  • Google: 3,54 Millionen Dollar,
  • Hewlett-Packard: 3,1 Millionen Dollar,
  • Oracle: 2,92 Millionen Dollar,
  • Entertainment Software Association 2,22 Millionen Dollar,
  • IBM: 2,14 Millionen Dollar,
  • Intel: 1,99 Millionen Dollar.

Google baut die US-Lobbyarbeit aus

Diese Rangliste geht aus Daten hervor, welche die unabhängige US-Organisation Center for Responsive Politics veröffentlicht hat. Basis der Auswertung sind die verpflichtenden Angaben der Konzerne zu Lobbyausgaben gegenüber dem US-Senat.

Google hat sich in den vergangenen Jahren auf dieser Rangliste hochgearbeitet - im Jahr 2010 war der Konzern auf dem dritten, 2009 auf dem fünften, 2008 auf dem achten Platz der Lobbyliste. Microsoft war in jedem dieser Jahre der IT-Riese mit den höchsten Lobbyausgaben auf US-Bundesebene.

Für Google arbeiten in Washington laut Center for Responsive Politics 17 Lobbyfirmen (2010 waren es sechs) und 78 Lobbyisten, davon sind elf direkt bei Google angestellt. Damit ist der Online-Werberiese inzwischen fast gleichauf mit Microsoft: Für den Windows-Riesen arbeiten derzeit 23 Lobbyfirmen und 76 Lobbyisten in Washington, davon sind 16 direkt bei Microsoft angestellt. Informationen der "Huffington Post" zufolge unterstützt Google seit kurzem auch verstärkt konservative, den US-Republikanern nahestehende Organisationen wie die Heritage Foundation.

Für EU-Lobbyarbeit ist die Veröffentlichungspflicht nicht so streng wie in den Vereinigten Staaten. Dem EU-Transparenzregister zufolge hat Google für direkte Lobbyarbeit bei EU-Organen im Geschäftsjahr 2010 zwischen 450.000 und 500.000 Euro ausgegeben. Microsoft hat im Mitte 2010 endenden Geschäftsjahr 982.000 Euro für direkte Lobbyarbeit bei EU-Organen investiert.

Microsoft fördert Google-Gegner

Für die Lobbyausgaben in Deutschland fehlen solche Zahlen - Unternehmen sind nicht verpflichtet, sie offenzulegen. Ein Microsoft-Sprecher erklärt auf Anfrage: "In unserem Berliner Büro sind drei Personen mit Government Affairs beschäftigt. Angesichts der kleinen Personenzahl verbietet sich die Offenlegung der Gehaltssumme." Ein Google-Sprecher verweist auf die Seite der US-Mutterfirma zu Lobbyausgaben - das Unternehmen veröffentlicht die Ausgaben nicht aufgeschlüsselt nach einzelnen Staaten.

Abgesehen von direkten Ausgaben für Lobbyarbeit investieren Microsoft und Google aber auch Geld bei Organisationen, die ihre Vorstellungen über die Zukunft des Web teilen und diese der Öffentlichkeit und Politik nahe bringen. In Europa ist zum Beispiel die Initiative für einen wettbewerbsfähigen Online-Markt (Icomp) aktiv, laut Selbstdarstellung eine "branchenübergreifende Initiative für Unternehmen und Organisationen, die sich mit Internethandel befassen".

Zu den Mitgliedern gehört zum Beispiel das britische Preisvergleichsportal Foundem, das mit einer Beschwerde EU-Kartellermittlungen gegen Google angestoßen hat. Die Überschriften der zuletzt erschienen Artikel im deutschen Icomp-Blog verdeutlichen, in welche Richtung diese Initiative wirkt:

  • "Google Plus: Ein Minusgeschäft für die deutsche Wirtschaft".
  • "Studie zeigt Risiken der Googlisation".
  • "Microsoft schließt sich wachsendem Protest gegen die Dominanz von Google an".

Die Initiative weist am unteren Ende jeder Seite auf ein wichtiges Detail hin: "Icomp finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und wird durch Microsoft gefördert. Burson-Marsteller fungiert als Sekretariat der Initiative." Burson-Marsteller ist eine internationale PR-Agentur, die auch schon für Facebook tätig war.

"Kann man Google vertrauen?"

In den Vereinigten Staaten engagiert sich eine Initiative namens Fairsearch für eine "gesunde Internetzukunft", in der "Wirtschaftswachstum durch Wettbewerb, Transparenz und Innovation" getrieben wird - so die Selbstdarstellung. Gegründet wurde die Initiative von mehreren Unternehmen aus dem Reisesektor, die eine Übernahme des Flugdaten-Spezialisten Ita durch Google verhindern wollen.

Microsoft schloss sich der Initiative im Dezember an. In den vergangenen Monaten stellen die Veröffentlichungen von Fairsearch Googles Geschäftsgebahren grundsätzlich in Frage - es geht nicht um die Reise-Software. Einige Überschriften von Fairsearch-Veröffentlichungen: "Kann man Google vertrauen?", "Wie Google Wettbewerb und Wahlfreiheit bedroht."

Seit einiger Zeit ist auf der Website von Fairsearch als Ansprechpartner für die Presse Ben Hammer von der PR-Agentur Glover Park Group aufgeführt - das Unternehmen war in der Vergangenheit für Microsoft tätig. Ben Hammer erklärt auf Anfrage zur Struktur der Initiative, alle Mitglieder würden gemeinsam über das Vorgehen entscheiden, die Initiative habe kein eigenes Büro, die Recherchearbeit für die Stellungnahmen von Fairsearch würde bei den Mitgliedern geleistet. Hammer betont, Microsoft habe erst Einfluss auf die Entscheidungen der Initiative gehabt, nachdem der Konzern Mitglied wurde.

Google unterstützt in Deutschland die Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht (Igel) finanziell, wie Firmensprecher Kay Oberbeck bestätigt. Große Medienhäuser, darunter auch der SPIEGEL-Verlag, fordern ein sogenanntes Leistungsschutzrecht, damit künftig auch Textanrisse einen rechtlichen Schutz genießen - für deren Verwendung Geld gefordert werden kann.

Der Google-Sprecher erklärt die Unterstützung für die Initiative so: "Ein Leistungsschutzrecht behindert den freien Zugang zu Informationen und entbehrt sachlich, juristisch und wirtschaftlich jeglicher Grundlage." Google habe daher nie "einen Hehl daraus gemacht", dass man "die Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht finanziell unterstützt". Man habe von Beginn an auf der Website der Initiative transparent seine Unterstützung durch das Unternehmenslogo dokumentiert.

Igel-Gründer Till Kreutzer beziffert den Anteil der Unterstützung durch Google am Gesamtbudget der Initiative auf Anfrage nicht, er erklärte: "Der finanzielle Beitrag von Google ist wichtig, weil wir hierdurch einen Teil der Kosten decken können." Wie wichtig die Summe im Verhältnis zu den Leistungen der anderen etwa 40 Unterstützer sei, darunter auch die unentgeltlich arbeitende Redaktion, könne er nicht beantworten.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...
g0r3 02.10.2011
---Zitat--- Große Medienhäuser, darunter auch der SPIEGEL-Verlag, fordern ein sogenanntes Leistungsschutzrecht, damit künftig auch Textanrisse einen rechtlichen Schutz genießen - für deren Verwendung Geld gefordert werden kann. ---Zitatende--- Also zeigt sich auch bei euch die hässliche Fratze der Gier. Es steht euch jederzeit frei, euch selbst aus dem Google-Index zu entfernen. Aber von einem Unternehmen Geld zu verlangen, das überhaupt dafür sorgt, dass ihr im Netz gefunden werde, ist der Gipfel der Dreistigkeit.
2. Re: Google/MS
asdf01 02.10.2011
---Zitat--- Gegründet wurde die Initiative von mehreren Unternehmen aus dem Reisesektor, die eine Übernahme des Flugdaten-Spezialisten Ita durch Google verhindern wollen. ---Zitatende--- Wohl eher "woll*t*en", die Übernahme ist doch schon vor längerer Zeit erfolgt, durch die US-Behörden bestätigt und bei Google eingebunden. Artikel aus der Konserve? Übrigens kann man jegliches Engagement gegen das "Leistungsschutzrecht" nur unterstützen...
3. Was ist das denn für eine verquere...
sappelkopp 02.10.2011
Zitat von g0r3Also zeigt sich auch bei euch die hässliche Fratze der Gier. Es steht euch jederzeit frei, euch selbst aus dem Google-Index zu entfernen. Aber von einem Unternehmen Geld zu verlangen, das überhaupt dafür sorgt, dass ihr im Netz gefunden werde, ist der Gipfel der Dreistigkeit.
...Denke? Google schafft keine Inhalte und wenn ich nicht über Google suche, dann eben über andere. Finde ich faszinierend, dass Menschen es als "Gipfel der Dreistigkeit" bezeichnen, wenn diejenigen, die für Inhalte sorgen, dafür auch eine Honorierung möchten. Leute, wacht auf, warum sollen Menschen kostenlos für Euch alle arbeiten?
4. Google-Monopolchen
multi_io 02.10.2011
Nach meinen neuesten Recherchen geht das Ausbrechen aus dem Google-Monopol so: 1. Browser öffnen 2. in der Adresszeile "www.bing.com" eingeben 3. Enter-Taste betätigen. Ganz ehrlich: Das ist vermutlich das putzigste Monopol in der Wirtschaftsgeschichte.
5. ..
yves1981 02.10.2011
Zitat von sappelkopp...Denke? Google schafft keine Inhalte und wenn ich nicht über Google suche, dann eben über andere. Finde ich faszinierend, dass Menschen es als "Gipfel der Dreistigkeit" bezeichnen, wenn diejenigen, die für Inhalte sorgen, dafür auch eine Honorierung möchten. Leute, wacht auf, warum sollen Menschen kostenlos für Euch alle arbeiten?
[QUOTE=sappelkopp;8839316]...Denke? Google schafft keine Inhalte und wenn ich nicht über Google suche, dann eben über andere. Finde ich faszinierend, dass Menschen es als "Gipfel der Dreistigkeit" bezeichnen, wenn diejenigen, die für Inhalte sorgen, dafür auch eine Honorierung möchten. Leute, wacht auf, warum sollen Menschen kostenlos für Euch alle arbeiten?[/QUOTE Wer Google nicht mag schließt sich einfach aus, per robots.txt. Es zwingt auch niemand die Zeitungen bei Google News mitzumachen. Das ist alles freiwillig. Davon abgesehen: Es ist schon schräg, das Microsoft auf einmal der Kämpfer gegen Monopole ist. :)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema Internet
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 42 Kommentare
Interaktive Grafik

Fotostrecke
Suchfunktionen: So verleibt sich Google die Welt ein
Marktanteile der Tech-Riesen
Suchmaschinen (Desktop)
Google 75,68%
Baidu 11,95%
Yahoo 5,92%
Bing 4,24%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Suchmaschinen (Mobil)
Google 88,35%
Yahoo 6,63%
Baidu 3,34%
Bing 1,08%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Desktop)
Microsoft Internet Explorer 58,35%
Firefox 23,72%
Chrome (Google) 11,50%
Safari (Apple) 4,15%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Mobil)
Safari (Apple) 54,03%
Opera Mini 21,42%
Android Browser 12,74%
Symbian 6,89%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Desktop)
Windows 91,92%
Mac 6,92%
Linux 1,16%
*weltweit, erhoben auf der Webbrowser-Angabe zum user-agent Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Mobil)
Android (Google) 49,7
iOS (Apple) 30,1
Symbian 6,9
RIM 2,1
Nokia 1,8
andere 9,4
Marktanteil an Smartphone-Betriebsystemen im März 2011 in Deutschland (%). Quelle: InMob Mobile Insights, Basis der Auswertung sind 518,7 Millionen inMobi-Werbeeinblendungen auf Mobilgeräten in Deutschland im März 2011 und 470,3 Millionen Werbeeinblendungen im Januar
Werbung
Umsatz gesamt* Umsatz Google* Anteil Google (in %)
Internet 72,842 36,531 50,15
Magazine 43,122 0
TV 184,29 0
Zeitungen 91,495 0
gesamt 458,385 36,531 7,97
*Werbeumsätze 2011, weltweit in Mrd. Dollar, veröffentlicht von ZenithOptimedia 15. März 2012, Googles Werbeumsatz im Jahr 2011
Webnutzer
Angebot Unique Visitors (Mio.) Ø-Stunden
Webnutzer gesamt 366,8 26,75
Google 333,4 3.,14
Microsoft 270,8 3,22
Facebook 240,0 5,43
Wikimedia 161,3 0,22
Yahoo 141,0 1,23
eBay 107,6 0,99
Amazon 91,4 0,27
Top 30 Online Portale in Europa nach Gesamtzahl der Unique Visitors. Mai 2011, Internetnutzer in Europa, Alter 15+, Zuhause und am Arbeitsplatz; Quelle: comScore Media Metrix

Online-Nutzung in Deutschland (1997-2011)
Jahr 1997 2005 2006 2011
gelegentliche Onliner in Millionen 4,1 37,5 38,6 51,7
% der Bevölkerung 6,5 57,9 59,5 73,3
% der Männer 10 67,5 67,3 78,3
% der Frauen 3,3 49,1 52,4 68,5
Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudien

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.