IT-Sicherheit Innenminister Friedrich eröffnet Cyber-Abwehrzentrum

Die Internet-Wacht am Rhein geht in den Regelbetrieb: Innenminister Friedrich hat das Cyber-Abwehrzentrum in Bonn am Donnerstag offiziell eröffnet. Jetzt ziehen diverse zusätzliche Mitarbeiter in die Büros ein, die Deutschland künftig vor Angriffen aus dem Internet schützen sollen.

Nationales Cyber-Abwehrzentrum: Seit April Landesverteidigung im Datennetz
DPA

Nationales Cyber-Abwehrzentrum: Seit April Landesverteidigung im Datennetz


Bonn/Hamburg - Das Abwehrzentrum der Bundesregierung gegen Attacken aus dem Internet hat am Donnerstag höchstoffiziell seine Arbeit aufgenommen. Im Rahmen der Eröffnungszeremonie des Nationalen Cyber-Abwehrzentrums (NCAZ) wies Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Donnerstag in Bonn darauf hin, dass der Schutz der Informationsinfrastrukturen eine existentielle Frage des 21. Jahrhunderts sei. Dabei sei ein hohes Maß an Engagement des Staates erforderlich. Cyber-Attacken könnten eine Volkswirtschaft empfindlich beeinträchtigen. Das Abwehrzentrum sei ein erster Schritt, um dieser Gefahr zu begegnen.

Mehrere Bundesbehörden sollen in dem Cyber-Abwehrzentrum in Bonn-Mehlem ihre Arbeit enger miteinander verzahnen. Die Federführung liegt bei dem seit 1991 bestehenden Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Die Experten des Abwehrzentrums sollen bei einem Cyber-Angriff schnell ein Lagebild erstellen und Behörden sowie Wirtschaftsunternehmen empfehlen, wie sie reagieren sollen.

Die neue Einrichtung hat bereits Anfang April mit zunächst sechs Mitarbeitern aus dem BSI und jeweils zwei aus dem Verfassungsschutz und dem ebenfalls in Bonn schon länger arbeitenden Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe den Betrieb aufgenommen. Mit der offiziellen Einweihung am Donnerstag kommen weitere Kollegen von Bundespolizei, Bundeskriminalamt, Bundesnachrichtendienst, Bundeswehr und Zollkriminalamt hinzu - ein umstrittener Behördenmix.

Dem BSI zufolge nehmen Attacken aus dem Internet ständig zu. So würden täglich vier bis fünf gezielte Angriffe allein auf das Informationsnetz der Bundesregierung registriert. Die Angriffe würden nicht nur zahlenmäßig mehr, sondern auch qualitativ besser und immer gefährlicher, warnt die Behörde in ihrem Lagebericht 2011.

Die Einrichtung des Abwehrzentrums ist ein Eckpfeiler der im Februar von der Bundesregierung aus der Taufe gehobenen "Cyber-Sicherheitsstrategie". Das Innenministerium sah sich auch durch die sprunghaft steigenden Attacken auf deutsche Behördenrechner zum Handeln gezwungen. Von Januar bis September 2010 habe es 1600 Angriffe gegeben, die meisten davon aus der Volksrepublik China, hatte es beim Verfassungsschutz geheißen. Im selben Zeitraum 2009 seien es noch 900 gewesen.

Die Fahnder wurden im vergangenen Jahr durch den rätselhaften Computerwurm "Stuxnet" überrascht. In Iran beschädigte der Supervirus Atomanlagen. Neben Deutschland haben auch andere Länder wie Großbritannien und Frankreich begonnen, eine eigene Cyber-Abwehr einzurichten. Auch die USA besitzen eine solche Abwehranlage. Die Nato hat den Kampf gegen die Hackerattacken in ihre Strategie aufgenommen.

mak/dapd/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ratxi 17.06.2011
1.
Zitat von sysopDie Internet-Wacht am Rhein geht in den Regelbetrieb: Innenminister Friedrich*hat das Cyber-Abwehrzentrum in Bonn am Donnerstag offiziell eröffnet. Jetzt ziehen diverse zusätzliche Mitarbeiter in die Büros ein, die Deutschland künftig vor Angriffen aus dem Internet schützen sollen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,768782,00.html
Auch ein Staat muss mit der Zeit gehen, um sich nicht irgendwann selbst zu verlieren. Von daher ist die Gründung des Zentrums eine wichtige, wenn auch schon etwas überfällige Entscheidung.
takeo_ischi 17.06.2011
2. .
Zitat von ratxiAuch ein Staat muss mit der Zeit gehen, um sich nicht irgendwann selbst zu verlieren. Von daher ist die Gründung des Zentrums eine wichtige, wenn auch schon etwas überfällige Entscheidung.
Nur, dass das Ding weder 'Cyber' (WTF?), noch ein 'Zentrum' ist. Hört sich cool an, soll Stärke und Handlungsmacht symbolisieren. Ist aber nichts anderes als 6-10 Hanseln, die gemeinsam Kaffee trinken und vertrauliche Informationen zwischen den Behörden/Geheimdiensten dealen. Und das übrigends ohne vorher den Bundestag ordentlich darüber entscheiden zu lassen. In unserer Demokratie gibt es eigentlich ein Trennungsgebot zwischen Militär, Polizei und Geheimdiensten. Diese bedenkliche Verquickung von innerstaatlichen und Aussenbehörden sollte man nicht am Parlament vorbei einfach so durchschleichen lassen können. Das Cyber-Zenrum ist eine reiner Reactio-Club. Man kann nur reagieren auf die Hacks und dann blumige Pressemeldungen verfassen. Selbst Hacker aufspüren wird dieser Informationskreis nicht können, nichtmal Script-Kiddies. Ziel des Zenrums ist also wiedermal die Zusammenführung von Datensätzen über die Bevölkerung, die bisher nicht ohne Grund nicht verknüpft werden durften. Es wird wiedermal am Parlament vorbei ein Weg gesucht demokratische Rechtsgrundsätze zu unterwandern um Überwachungsträume zu verwirklichen.
graubeer 17.06.2011
3. wow - was für ein name
nomen est omen wenn die qualität so wird wie der name, muss sich kein cracker grämen. oder ist das die verklausulierung für zentrale für bundestrojaner-verteilung? Cyber: griechische Vorsilbe (ursprünglich für "Steuerung"), benutzt als Name für (schnellste) Computer, auch als "verstärkende" Vorsilbe in Cyberpunk, Cyberkultur, Cybernaut, Cyberspace, Cybercrime, Cybersex gefunden bei: http://litfas.de/computertreff/computer-englisch.php#Cyber
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.